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Frankfurt-Kennerin: Prinzessin vom Main

Von Ich heirate! Und mein Liebster und ich brechen mit allen Traditionen. Als wäre mein Leben noch nicht verrückt genug.
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Meine Mama hat mir immer gesagt: Alle guten Dinge sind drei. Auch wenn sie mir ein kleines Nimm2-Bonbon als Nachtisch über den Küchentisch schob. Davon bekam ich trotz aller Bettelei und Nachfragens immer nur ein Einziges.

Ich habe mich oft gefragt, warum sie mir, als ich so zwölf oder 13 Jahre alt war, ihren Ehering schenkte. Mein Vater verstarb ja, als ich sechs Jahre alt war. Da haben wir beide gemeinsam auf eigenen Füßen stehen müssen. Was dies bedeutete, wird mir aus heutiger Sicht erst richtig bewusst. Eine Hochachtung habe ich vor alleinerziehenden Müttern. Eine große Hochachtung.

Um mich die Zusammenhänge im Leben erkennen zu lassen, verabreichte mir das Universum eine hohe Anzahl an Kopfnüssen. Schmerzhaft, aber nicht von dauerhafter Schädigung. Es waren auch unzählige lustige Hinweise dabei, die mir buchstäblich vor die Füße kullerten. Einen Ehering z.B. vor einigen Tagen, als ich mit meiner Kundin Doris, einem Transvestiten, auf der ehemaligen Wilhelmsbrücke herumstöckelte und von ihr Fotos machte. Da fanden wir einen goldenen Herren-Ehering auf dem Pflaster. Natürlich passte dieser der kleinen Doris sofort, weil sie ja Männerhände hat.

Wir sind dann gemeinsam in voller Montur zur Polizeistation im Gutleutviertel um den Fund abzugeben. Doris wurde höflich befragt, es wurde alles protokolliert, sie erschien dort optisch als Frau und legte ihren Personalausweis mit der männlichen Identität vor. Dann gingen wir wieder zurück in meine Boutique. In unserem Rechtsstaat ist dies glücklicherweise möglich, wir leben frei und demokratisch.

Ich mag nicht daran denken, wie viele Menschen weltweit verfolgt und gedemütigt wurden und werden auf Grund so vieler Gründe, die unergründbar und unbegründet Seelen in Grund und Boden gerammt haben. So viele Verbindungen werden im Leben von den unterschiedlichsten Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen geschlossen. Versicherungen, Verpflichtungen, Verträge und Ehen.

Womit wir beim Thema wären. Ich hatte das große Glück, von klein auf unbeeinflusst von allen Regeln der sogenannten Norm aufwachsen zu dürfen. Das machte mich zu einem Menschen, der Menschen mit dem Herzen sieht und nicht als Marke oder Statussymbol. Ich frage nicht, ob es mich finanziell oder materiell weiterbringt, wenn ich mich öffne. Aber das glaubt einem ja keiner. Ist mir auch egal, denn ich lebe mit mir im inneren Frieden. Auch bei meiner kleinen Arbeit, die für mich eine Mission darstellt, erfülle ich Menschen, die mich besuchen, ihre Träume. Bei mir kann ein Mann seine Männlichkeit für Stunden oder Tage abstreifen, und er taucht ein, ein in die Welt der Frau.

Ich frage mich, welche Bedeutung eigentlich die Ehe hat. Wenn ein Mann z.B. seiner Frau verschweigen muss, das er Transvestit ist. Wenn ein Mann eine Frau heiraten muss, die ein Kind erwartet. Wenn ein Mann eine Frau heiratet, die aus einem anderen Kulturkreis stammt und es damit Probleme gibt. Wenn eine Frau einen Mann des Geldes wegen heiratet. Wenn eine Frau auf Grund des Druckes der Eltern heiratet. Ist eine Ehe nicht ein Bund zwischen zwei Menschen? Warum mischen denn da immer so viele mit? Wer entscheidet denn letztendlich, ob es passt? Doch nur das eigene damit verbundene Glücksgefühl.

So, Prinzessin, jetzt definiere mal Glück. Viel Erfolg dabei. Also Einkaufen macht mich nicht glücklich, Nudeln machen es auch nicht, und wenn ich weiter so rumhuste mit meiner Bronchitis, wäre das momentane Glück zu definieren mit: Lieber Gott, bitte mehr hustenfreie Stunden am Tag.

Zurück zu meiner Planung. Ich werde also heiraten. Steht ja in der Überschrift. Ich heirate keinen Adligen, denn ich habe mir ja bereits meinen Titel selbst gegeben. Ich heirate nicht aus Geldgier, das wird Frauen ja oft unterstellt. Ich heirate nicht aus Langeweile oder Einsamkeit. Nein, ich heirate und breche mit allen Traditionen.

Ich möchte eine Traumhochzeit. Diese wird wie folgt gewünscht: Mein zukünftiger Ehemann wird im Hochzeitskleid erscheinen. Das ist sein größter Wunsch. Ich habe schon eine bekannte Designerin angefragt, ob sie interessiert an einem Entwurf und der Anfertigung wäre. Schön, wenn auch sie „Ja“ sagen würde. Bei mir wird es meine Lieblingsfarbe Schwarz sein. Es wird jedoch keine Freakshow geben, sondern eine Hochzeit nach Maß, an der alle Beteiligten mit Euphorie, Respekt und wahrer Freude mitgestalten sollen und dürfen. Freunde, Unterstützer, Prominente und Sponsoren werden an Bord sein. Auch die Medien haben bereits ihr Interesse bekundet. Jeder wird davon profitieren mit einer Portion Glücksgefühl, wir treten in den heiligen Stand der Ehe, und der liebe Gott wird seine Freude haben, denn vor Gott sind alle gleich. Wir sind bereit, uns auch mit der Kamera begleiten zu lassen. Unterwasserhochzeit wird es garantiert nicht, wegen der Frisuren.

Dieser Tage haben wir uns übrigens erst mal verlobt, in einem äthiopischen Restaurant bei gehacktem Tatar, Salat und Ei. Alles mit den Händen gegessen. Makeup mache ich am Hochzeitstag selbst für ihn. Vielleicht brauche ich noch einen Friseur, der eine natürliche schöne Hochfrisur, mit dem Schleier verbunden, stecken kann. Da denke ich an meinen schwulen Freund Elke oder den Robby oder vielleicht kommt ja der Udo Walz eingeflogen. Mal sehen. Mein Zukünftiger und ich wir werden nun umgehend mit den Vorbereitungen aller notwendigen Dokumente für eine Eheschließung beginnen. Einen Pfarrer habe ich auch schon angefragt, der die Trauung in seiner Kirche vornehmen wird. In seiner Kirche „geht das“. Und das ist gut so.

Rockmusik will ich haben, das Ave Maria auch. Als Brautjungfer einen 75-jährigen Damenimitator, und ich möchte, das meine Freundin Ingrid ihren kleinen Hund Eliza Doolittle zur Zeremonie mitnehmen kann. Und wenn sie zwischendurch mal knurrt oder bellt, dann ist das ein gutes Omen. Es soll eine schöne Hochzeit werden, von der keiner ausgeschlossen wird. Egal welche Nationalität, Hautfarbe, Geschlecht oder Alter. Ich will nicht, dass meine Freunde und meine Mitmenschen diskriminiert werden. Schön wäre es für mich, wenn meine Freundin Krista mit dem Ara Coco auf der Schulter ganz vorne auf der Kirchenbank sitzen könnte.

Jetzt bereiten wir die große Hochzeit vor, ein Tag soll es werden, an dem alle Beteiligten wirklich glücklich sind. Ich betone: „wirklich“. Aus welch persönlichem Empfinden heraus auch immer. Jeder für sich. Frei in seiner Entscheidung. Eines ist klar, jeder nach seiner Facon. Es wird buchstäblich ein Fest ohne Grenzen. Nehmen wir uns jetzt alle die Freiheit, bevor es sie vielleicht bald nicht mehr gibt.

Hast Du im Innern Glück gefunden,
erlebst Du Freiheit ungebunden.
Was immer uns zusammenfügt,
es kümmert uns kein Schein, der trügt.

Nein ,ich bin nicht „verrückt“. Ich mache nur Träume wahr, denn ich weiß, alles ist schön an seinem richtigen Platz. Manchmal muss man eben umrichten.

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