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Barkewitz am Mittwoch: Moderater Moderator gesucht

Haben Sie das vergangene Woche gelesen von dem Christian Lindner, dem schönsten in Schwarz-Weiß inszenierten Mann seit den Glanzzeiten von Herb Ritts? „Wir möchten gerne in Hessen und in Bayern, wenn es geht, 2018 mitregieren“, sprach der FDP-Bundesvorsitzende.

Ich weiß noch gar nicht, wie ich das deuten soll: eine Hoffnung, eine Vision, eine Drohung? Es könnte ja ein genauso spontaner Abgang der FDP-Koalition wie in Berlin drohen, wenn es den liberalen Verhandlungsführern ganz plötzlich (oder von vornherein kalkuliert) nicht passt, was so bislang sondiert wurde.

Nachdem alle zuvor ausgiebig vom Balkon gewunken haben. Am schönsten wären solcherlei Bilder natürlich vom Frankfurter Römerbalkon – schön, allerdings auch gänzlich unrealistisch, dort werden gewiss keine Sondierungsgespräche stattfinden. Aber man darf doch mal fantasieren . . .

„Im Bund war 2017 der Politikwechsel nicht erreichbar, also nehmen wir 2018 Anlauf über die Länder Hessen und Bayern, dort halten wir Modernisierungskoalitionen nach Vorbild von NRW oder Schleswig-Holstein für möglich“, sinniert FDP-Boss Lindner weiter. Lassen Sie sich dieses Wort mal auf der Zunge zergehen, liebe Leser: „Modernisierungskoalition“. Drunter geht’s nicht, was? Für Schleswig-Holstein könnte ich den Begriff ja wegen des Herausstellungsmerkmals Jamaika-Koalition noch gelten lassen, aber in Nordrhein-Westfalen? Bittschön, dort regieren CDU und FDP zusammen. Modernisierungskoalition? Ein Regierungsbündnis, das es in den vergangenen Jahrzehnten dutzendfach in Bund und Ländern gegeben hat. Ist in NRW Schwarz-Gelb moderner, nur weil dort der Mann in Schwarz-Weiß die Sache eingetütet hat?

Wie auch immer, in Hessen würde der Weg zur Regierungsbeteiligung ein spannender. Den Einzug der AfD in den Wiesbadener Landtag dürfen wir bei der kommenden Landtagswahl im Herbst wohl als gesetzt ansehen, was eine Zweierkoalition weitgehend ausschließt (bis auf eine Hessen-Groko aus CDU und SPD natürlich). Also müssten die hiesigen Liberalen auf jeden Fall mit den von ihnen heiß geliebten Grünen (Vorsicht, Ironie) koalieren, entweder in einer „Ampel“ mit der SPD oder in einem Jamaika-Bündnis mit der CDU. Zuweilen auch „Schwampel“ genannt als Abkürzung für „Schwarze Ampel“. Weil er so schön war, hier noch mal zur allgemeinen Erheiterung der Satz des damaligen FDP-Landesvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn aus dem Jahr 2007: „Kein Gehampel, kein Geschwampel“. Großartig!

So, zurück in die Gegenwart – und damit auch in die Zukunft. FDP-Fraktionschef und Spitzenkandidat René Rock hat am Samstag in einem Interview mit der „F.A.Z“ tapfer verkündet, er hoffe noch, dass es in Hessen für ein Zweierbündnis mit CDU oder SPD reichen könnte. Haha. Er räumte aber auch ein, dass eine Zusammenarbeit „sehr schwierig“ werden würde, und dass es deshalb bei der Regierungsbildung umso mehr auf den „Moderator“ ankomme – also „auf denjenigen, der Ministerpräsident werden will“. Viel Erfolg wünsche ich da schon mal, Volker Bouffier oder Thorsten Schäfer-Gümbel!

Bouffier übt ganz offensichtlich schon. Hatte er während der Jamaika-Sondierungen im Bund noch getönt, die Union müsse natürlich der „Bestimmer“ sein, sagte er dem „Wiesbadener Kurier“ nun bezüglich der möglichen großen Koalition: „Ein Vertrag muss erkennbar die Handschrift beider Partner tragen – und zwar gemessen an ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl.“

Das meint zwar genau das Gleiche, klingt aber doch schon viel moderater!

Auf Twitter: @DerBarkewitz

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