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Flüchtlingsfrauen lernen das Radfahren: Auf Rollern lernen, was Radfahren ist

Von Auf dem Alten Flugplatz in Bonames lernen Flüchtlingsfrauen das Radfahren – solche Kurse bietet auch das Quartiersmanagement im Riederwald. Die Stadt bezuschusst überdies Fahrradkurse für Menschen, die etwa nach einer Reha wieder mobil werden wollen.
Motorik gefragt: Radfahrlehrerin Christine Rhodes (li.) bringt Freiweini Tesfarmariam (re.) und anderen Frauen                 erste „Roll-Erfahrungen“ bei. Motorik gefragt: Radfahrlehrerin Christine Rhodes (li.) bringt Freiweini Tesfarmariam (re.) und anderen Frauen erste „Roll-Erfahrungen“ bei.
Bonames. 

Vorsichtig tippen Asma, Seram, Shada und die anderen Frauen mit einem Fuß auf den Asphalt des ehemaligen Rollfeldes auf dem Alten Flugplatz Bonames. Der andere Fuß steht auf quietschgelben Rollern mit extrabreitem Trittbrett. Vor den Frauen hat die eigens aus Hadamar angereiste Radfahrlehrerin Christina Rhodes einen sehr dichten Parcours aus lauter farbigen Punkten gelegt. Den müssen die Frauen nun ganz vorsichtig mit dem Vorderrad ihres Rollers umrunden. Dann erklärt ihnen Rhodes, wie wichtig es ist, Kreise, respektive Kurven fahren zu können. Selbst Profi-Rennfahrer führen niemals streng geradeaus, sondern hätten eine leicht schlackernde Lenkbewegung, macht sie ihnen gestenreich vor.

Am ersten Tag des Radfahrkurses hat sich eine bunte Gesellschaft auf dem Bonameser Rollfeld eingefunden. Neun der Frauen sind Flüchtlinge. Der Bad Vilbeler Verein Flüchlingshilfe hat ihre Teilnahme ermöglicht, berichtet Pfarrer Ingo Schütz von der Christuskirche, der zugleich in dem Hilfeverein das Thema Radfahren betreut. Ermöglicht hat das Ganze eine großzügige Spende des Zonta-Clubs: Die Unternehmerinnen fördern Frauen. Und das ist nicht ganz billig. 200 Euro kostet der zweiwöchige Kursus – pro Teilnehmerin.

Mit von der Partie sind vier weitere Frauen, die einen regulären Kurs des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gebucht haben. Darunter ist eine 33-jährige Peruanerin. Seit anderthalb Jahren lebe sie in Deutschland, Fahrrad fahren habe sie bisher noch nicht gelernt, möchte aber bald auf eigene Faust damit spazieren fahren und Ausflüge machen, erzählt sie. Auf den Kurs sei sie übers Internet gestoßen. Die ersten beiden Stunden findet sie einfach.

Shada, eine junge Palästinenserin, erzählt, sie habe schon mehrfach versucht, zu radeln, zuletzt wollte sie es vor zwei Jahren mit ihrem Vater üben, aber dann stürzte sie und trug eine Narbe am Bein davon, so dass sie erstmal aufgegeben habe. Doch nun wagt sie sich behutsam auf den Roller – so wie die anderen Frauen. Nur ganz selten passiert es, dass der Roller umkippt. Aber das übergehen die Neulinge mit einem Lächeln. Eine Ägypterin sagt, sie habe sich in ihrer Heimat wegen des chaotischen Verkehrs nie aufs Rad gewagt.

Sehr unternehmungslustig sind zwei Äthiopierinnen, 24 und 25 Jahre alt. Mit dem Rad könnten sie alles ansteuern, freuen sie sich: Schule, Kindergarten, Supermarkt, Arzt. Auch wenn der erste Tag noch langsam anlief, sieht die junge Frau keine Hürden: „Ich bin stark“, betont sie lächelnd. Bianca Jüngling begleitet zwei junge Eritreerinnen aus Dortelweil. Eine habe etwas Angst, weil sie schon mal von Fahrrad gestürzt sei, erzählt sie. Auch deshalb fängt Radlehrerin Christine Rhode behutsam an. Früher gab sie für den ADFC Kurse, machte sich aber vor fünf Jahren selbstständig. Es gehe erst einmal darum, zwei, drei Tage den Gleichgewichtssinn zu schulen, bevor erste Bewegungserfahrungen auf den 20-Zoll-Klappfahrrädern gemacht werden. Dann werde sie „aus Passagieren Kapitäne machen“, die auch bremsen und steuern können.

Während Ingo Schütz erfreut berichtet, dass in der Christuskirchengemeinde im vergangenen Jahr 300 Räder für Flüchtlinge abgegeben wurden und der Hilfsverein auch Verkehrserziehung für 30 Flüchtlinge biete, rät Rhodes zur Zurückhaltung. Sie kenne Beispiele, wo Räder verteilt wurden, das Training aber erst ein Jahr später stattfand. Da hätten viele die Lust verloren. Auch nutze es nichts, etwas von roten Ampeln zu erzählen, wenn Betroffenen noch nicht bremsen könnten. Auch verzichtet sie anfangs auf Fahrradhelme für Flüchtlinge – diese gaukelten Sicherheit vor und ermutigten am Ende nur zum riskanteren Fahren, so Rhodes.

Ob es 2017 einen weiteren Kurs gibt, hänge von der Finanzierung ab, sagt Schütz. So müssten die Flüchtlingsfrauen mit der Bahn anreisen, sie zahlten dafür einen symbolischen Betrag.

Rhodes arbeitet seit über zehn Jahren mit einem Dietzenbacher Verein zusammen, der Frauenkurse anbiete, und seit September für das Quartiersmanagement im Riederwald. Seit 2012 kooperiert sie auch mit dem Radfahrbüro der Stadt Frankfurt, bietet hier Verkehrskompetenzkurse an etwa für Menschen, die sich nach einer Krankheit wieder aufs Rad wagen wollen – oder jene, die gezielt nach speziellen Routen etwa zum Arbeitsplatz fragten. Diese Doppelstunden kosteten 80 Euro, davon übernehme die Stadt die Hälfte – und bei Vorlage des Frankfurt-Passes drei Viertel der Teilnahmegebühr.

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