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Im Gallus gibt es viele Hürden für Gehbehinderte: Barrierefrei geht anders

Von 26 Standorte mit Verkehrshindernissen für mobilitätsgeingeschränkte Menschen hat die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Gallus aufgelistet. Morgen übergibt sie im Verkehrsausschuss eine Unterschriftenliste für barrierefreie Straßenbahnhaltestellen.
Ein Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft hilft Margret Sock-Freiberg an der Haltestelle Speyerer Straße in die Bahn. Nur über die ausklappbare Rampe ist der Einstieg mit einem Rollstuhl möglich. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Ein Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft hilft Margret Sock-Freiberg an der Haltestelle Speyerer Straße in die Bahn. Nur über die ausklappbare Rampe ist der Einstieg mit einem Rollstuhl möglich.
Gallus. 

Wenn Thomas Sock und Margret Sock-Freiberg an der Straßenbahnhaltestelle Galluswarte aussteigen, beginnt für sie der Hindernisparcours: „Der Ausstieg über die ausklappbare Rampe funktioniert noch gut, doch die Bordsteinkanten an der Mainzer Landstraße sind mit 30 Zentimetern so hoch, dass meine Frau im Rollstuhl diese Hürde ohne fremde Hilfe nicht nehmen kann“, sagt Thomas Sock.

Im Gegensatz dazu müsste in der Speyerer Straße, wo die Straßenbahn mitten auf der Fahrbahn hält, das Straßenniveau angehoben werden, um einen problemlosen Einstieg zu ermöglichen. Tatsächlich sind die Hindernisse für Menschen, die auf einen Rollator, Rollstuhl oder sonstige Gehhilfen angewiesen oder aus anderen Gründen in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, zahlreich und vielfältig: Hohe Bordsteine, unebene Straßenbeläge und dicht bewachsene Büsche gehören ebenso dazu wie zu kurze Grünphasen an den Übergängen zu den Haltestellen.

26 kritische Stellen

Seit einem Jahr hat die Awo-Initiative „Mobilität für alle! Auch bei uns im Gallus?!“ rund 26 kritische Stellen fotografiert und kartografiert. Außerdem hat sie rund 1100 Unterschriften gesammelt, sämtliche Straßenbahnhaltestellen im Stadtteil entlang der Mainzer Straße barrierefrei umzubauen. „Morgen werden wir die Listen im Verkehrsausschuss übergeben“, erklärt Sock, Awo-Vorsitzender im Gallus.

Ein Schwerpunkt der Recherche war der öffentliche Personennahverkehr. „Viele Straßenbahn-Haltestellen sind älter als 30 Jahre, während die meisten der rund 20 gut funktionierenden Bushaltestellen erst vor 15 Jahren behindertengerecht eingerichtet wurden“, erläutert Sock. Auch der Begleitservice, den die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mobilitätseigenschränkten Fahrgästen zur Verfügung stellt, sei ein weiterer Pluspunkt.

Seit August gibt die Awo die registrierten Verkehrshindernisse, die vom Hauptbahnhof bis zur Paul-Hindemith-Siedlung reichen zudem an den Ortsbeirat 1 (Innenstadt, Bahnhofsviertel, Gallus, Gutleut) weiter: Nun setzt sich auch das Stadtteilparlament mit Anträgen und Anfragen der SPD und der Linken für eine barrierefreie Umrüstung der Straßenbahnhaltestellen in. Was aber nach einer Stellungnahme der VGF-Sprecherin Karola Brack erst ab Ende des kommenden Jahres geschehen soll.

Den schnellen Dienstweg wählte Wolfgang Kreickmann (CDU) und wandte sich an das Grünflächenamt, da am Übergang an der Nordseite zur Haltestelle der Buslinie 34 die Sicht für Rollstuhlfahrer und auch für Kinder durch 1,50 Meter hohes Gebüsch verdeckt wird. „Doch das Grünflächenamt hat das Gebüsch lediglich zurückgeschnitten, statt es zu entfernen“, kritisiert Sock. Kreickmann erklärt, er werde mit dem Grünflächenamt weiter nach einer Lösung suchen.

Hindernisse ergeben sich allerdings auch im fahrenden Verkehr, wie Awo-Mitglied Doris Badekow kritisiert: „Die Türen der Straßenbahnen schließen oft viel zu schnell. Dann haben ältere und behinderte Menschen Probleme, wenn sie noch rechtzeitig aussteigen wollen.“ Und an der S-Bahn-Station Galluswarte fordert Michael Willruth (Awo) Fahrstühle, zumal die Rolltreppen oft den Dienst versagen.

Bis 2022 alles umgebaut

Auch außerhalb der Haltestellen sind die Hindernisse für mobilitätseingeschränkte Menschen noch zahlreich. Beispielhaft nennt Sock die Straßenecke Frankenallee/Ecke Eppenhainer Straße: „Beim Übergang von der Straße zum Bürgersteig ist die Bordsteinkante nicht richtig abgeflacht und außerdem anschließend so steil, dass E-Rollifahrer das Hindernis dort nur rückwärts fahrend überwinden können“, kritisiert er. Entsprechendes gelte für die Kreuzung Frankenallee/Rebstöcker Straße.

Diese und andere Schwachstellen werde die Awo sukzessive zusammen mit dem Ortsbeirat 1 angehen. „Für den öffentlichen Nahverkehr besteht ja bis 2022 die Verpflichtung, die Barrieren an Haltestellen zu beseitigen“, betont Sock. Wobei der langsame Umbau der Haltestellen an der Hanauer Landstraße nicht Hoffnung auf eine schnelle Abhilfe mache. Aber auf einen starken Verbündeten setzt Sock im Verkehrsdezernat: „Einer der Referenten sitzt selbst im Rollstuhl und kennt die Probleme aus eigener Erfahrung.“

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