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Prozess: Behandlung erschwindelt: Klinik bleibt auf 52 000 Euro sitzen

Von Richter Urs Börcher sprach im Bezug auf den Angeklagten von Großmannssucht. Der hatte behauptet, privat versichert zu sein, und sich so die Unterbringung im Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung erschlichen.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Zwei Jahre und elf Monate Haft – mit diesem Urteil endete der Prozess gegen einen notorischen Betrüger, der sich 2015 im Klinikum Höchst Chefarztbehandlung und Unterbringung im Zweibettzimmer erschwindelt hatte. Das Landgericht ging dabei von Betrug und versuchtem Betrug aus,

Als akuter Notfall wurde der 49-Jährige 2015 ins Höchster Klinikum gebracht, wo er an einem Tumor im Bauch operiert wurde. Der Krankenhausaufenthalt zog sich über mehrere Wochen hin, Nachfragen nach seiner Krankenversicherung wich der Patient immer wieder aus. Er sei bei einer französischen Privatversicherung eingeschrieben, man solle sich keine Sorgen machen. Zwischendurch unterschrieb er mit größtem Selbstbewusstsein auch noch die Anträge auf Chefarztbehandlung und die Unterbringung im Zweibettzimmer, die immerhin mit 18 000 Euro Zusatzkosten zu Buche schlugen. Als der Patient das Krankenhaus nach knapp zwei Monaten schließlich verließ, blieb die Klinik auf mehr als 52 000 Euro Kosten sitzen.

Sozialamt hätte gezahlt

Vor Gericht stellte sich heraus, das der Angeklagte als Notfall auch bei einer fehlenden Krankenversicherung Anspruch auf Behandlung gehabt hätte. Deren Kosten – rund 34 000 Euro – hätte notfalls das Sozialamt übernehmen müssen. Die Angaben des Angeklagten, er sei Privatpatient und man solle sich keine Sorgen machen, wurden deshalb lediglich als versuchter Betrug gewertet.

Leere Taschen

Eine vollendete Tat sah die Kammer unter Vorsitz von Richter Urs Böcher bei der erschwindelten Chefarztbehandlung und dem Zweibettzimmer. „Es ist wohl der Ausdruck Ihrer Großmannssucht, bei leeren Taschen auch noch Spenden und Zuwendungen zu versprechen“, sagte Böcher. So hatte der Patient im Sommer 2015 dem Krankenhaus Klimaanlagen für 15 Zimmer versprochen und bestellt, aber niemals bezahlt.

Vor Gericht war der Angeklagte gut beraten, die Taten einzuräumen und den Prozess damit zu verkürzen. Gleichwohl wurden ihm die 20 Vorstrafen der verschiedensten Arten – von Brandstiftung bis zur versuchten Vergewaltigung – natürlich nachteilig angerechnet.

Erst vier Wochen vor dem Höchster Klinikaufenthalt hatte er bei einem Aufenthalt in einem Krankenhaus in Darmstadt 20 000 Euro Schaden verursacht. „Mit zwei Jahren und elf Monaten Haft sind Sie also noch recht gut bedient“, sagte der Richter. Der Angeklagte ließ sich von diesem Hinweis beeindrucken und nahm das Urteil daraufhin an.

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