E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 14°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Stadtteil-Serie (Teil 23): Das Gallus - Immer im Wandel

In unserer Stadtteil-Serie haben wir diese Woche das Gallus unter die Lupe genommen. Kein anderer Frankfurter Stadtteil hat sich so oft neu erfunden.
Gallus. 

Das Gallus ist ein eher junger Stadtteil, der auf alter Frankfurter Gemarkung entstand. Es gehört nicht zu den vielen vor ungefähr einem Jahrhundert eingemeindeten Vororten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet zwischen Main und Rebstock, den Wallanlagen und Griesheim landwirtschaftlich genutzt. Berühmte Patrizier, wie etwa die Familien Günderrode und Holzhausen, aber auch das Katharinenkloster und die Stiftungen wie Armen- und Waisenhaus hatten dort ihren Stammsitz.

Seinen ursprünglichen Namen verdankt das Gallus nicht etwa dem lateinischen Wort für Hahn. Im Mittelalter wurde das Areal „Galgenfeld“ genannt und dehnte sich in westlicher Richtung jenseits der mittelalterlichen Stadtgrenze aus. Das Galgenfeld war Frankfurts bekannteste Hinrichtungsstätte. 1806 wurde der Galgen wegen eines Besuchs von Napoleon abgerissen.

Der Eisenbahnbau ab Mitte des 19. Jahrhunderts weckte das Gallus aus seinem Dornröschenschlaf. Rund um Güter- und Hauptbahnhof entstanden Industriebetriebe wie die Adlerwerke, die Bremsenfabrik von Alfred Teves, die Deutsche Privat-Telefongesellschaft Harry Fuld & Co. (Telenorma).

Der Aufschwung erforderte bessere Infrastruktur und mehr Wohnungen, so entstand etwa die Hellerhofsiedlung. Mit dem Niedergang der Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das Gallus in soziale Schieflage, einige Straßenzüge entwickelten sich zu Brennpunkten. Aus diesem Grund ist das Gallus in das Projekt Soziale Stadt aufgenommen worden.

Seit einigen Jahren gehört das frühere Arbeiterviertel zu dem Teil Frankfurts, wo die Umwandlung von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft am deutlichsten zu erkennen ist. Die Veränderungen bedeuten gleichzeitig die Chance auf eine neue Identität. FNP-Reporter Michael Faust hat den Stadtteil mit seiner Kamera erkundet.

Ein Treffpunkt für die Nachbarschaft

Die 2016 abgeschlossene Umgestaltung des Quäkerplatzes durch den zukünftigen Stadtteiltreffpunkt „Quartierspavillon Quäkerwiese“ mit der Paul-Hindemith-Schule und Kindereinrichtungen in direkter Nachbarschaft war ein zentrales Projekt in der Sozialen Stadt Gallus.

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Zu den Zielsetzungen gehörte nicht die lokale Wirtschaft zu stärken, sondern auch die Identifikation mit dem Quartier und die interkulturelle Integration zu fördern. Der gepflegte Spielplatz ist bei jungen Familien ein beliebter Treffpunkt. Müll, Unrat und Drogen stellen keine größeren Probleme dar.

Das Wahrzeichen

Der ursprünglich hölzerne Befestigungsturm wurde im Jahr 1414 durch die heute noch existierende steinerne Galluswarte ersetzt. Der neue Turm begrenzte als „Galgenwarte“ und Teil der Frankfurter Landwehr im Mittelalter die Stadt nach Westen. Von dieser Stelle führte eine Handelsstraße von Frankfurt nach Mainz („Mainzer Landstraße“).

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Die Warte war der letzte Kontrollposten. Dahinter lagen lediglich Gutshöfe wie der Hellerhof und der Gutleuthof, die sich im Gallus heute als Namenspaten für Hellerhofsiedlung und Gutleutstraße wiederfinden. Nach der Zerstörung Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Galluswarte wieder aufgebaut und ist heute Wahrzeichen und der Verkehrsknotenpunkt des Viertels.

Auschwitz-Prozess

Am 20. Dezember 1963 begann im Saal des Stadtparlaments im Römer der Auschwitz-Prozess gegen die SS-Angehörigen im Vernichtungslager Auschwitz. Im April 1964 zog das Gericht in das neuerbaute Bürgerhaus Gallus um, in dem der Prozess bis zur Urteilsverkündung im August 1965 fortgesetzt wurde.

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Für die notwendigen  baulichen Veränderungen, um Platz für die 87 Prozessbeteiligten, 143 Zuhörer und 124 Pressevertreter zu schaffen, wurden vom hessischen Justizministerium Mittel in Höhe von circa 90000 Mark bewilligt.

Vom Reißbrett

Nach wie vor gehört das Europaviertel zu den umstrittensten Bauprojekten in Frankfurt. Wie eine Enklave will sich das Reißbrettprojekt nicht ins übrige Gallus und die benachbarten Gebiete einfügen. Neben der unnahbaren postmodernen architektonischen Gestaltung stören sich viele Menschen an der kilometerlangen Straßenschneise im Bereich der Europa-Allee, die im Volksmund bereits den zweifelhaften Spitznamen „Stalinallee“ bekam.

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Auch infrastrukturell liegt noch einiges im Argen: Die Verlängerung der U5 ist erst im Jahr 2022 zu erwarten und das Gewerbe hält nur mühsam mit der restlichen Bautätigkeit Schritt.

Weiter auf Seite 2

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen