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Überarbeitete Planung für Flüchtlingsunterkunft: Die Gelassenheit ist zurückgekehrt

Von Nachgebessert hat die Stadt Frankfurt bei den Plänen für eine Flüchtlingsunterkunft in Harheim. Nach heftiger Kritik soll statt eines zweistöckigen Gebäude aus Holzmodulen jetzt ein Haus aus Stein entstehen, in dem Flüchtlinge und Senioren unter einem Dach wohnen.
So ähnlich wie diese Häuser, die Markus Gildner bei München baut, soll die Unterkunft in Harheim aussehen.	Grafik: Solgarden GmbH So ähnlich wie diese Häuser, die Markus Gildner bei München baut, soll die Unterkunft in Harheim aussehen. Grafik: Solgarden GmbH
Harheim. 

Hoch schlugen die Wellen im Januar, als das Sozialdezernat gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) als Träger in Harheim die Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft vorstellte. Als die gleichen Akteure nun die überarbeitete Planung präsentierten, war es völlig anders: Kritik gab es nur im Detail, der Empörungssturm von vor fünf Monaten blieb aus.

Mit knapp 100 Zuhörern kam nur rund ein Drittel des Publikums, das im Januar noch den Saal füllte. Der Plan, auf einem für Seniorenwohnen freigehaltenen Areal zweistöckige Holzmodule für insgesamt 120 Menschen aufzustellen, davon 90 überwiegend alleinstehende männliche Flüchtlinge, passe nicht zum Umfeld der jungen Familien im benachbarten Neubaugebiet Harheim-Süd, hieß es damals. Die ebenfalls im Haus geplanten Seniorenwohnungen seien „Hasenställe“ und unvermietbar.

Wegen des Protestes hat das DRK als künftiger Träger seine Bauvoranfrage zurückgezogen, einen neuen Bauantrag gebe es noch nicht, sagte Bauoberrat Florian Thommes von der Bauaufsicht. Doch die neuen Pläne sind sehr konkret. Die Stadt will das Areal an den bayerischen Bauträger Markus Gildner und dessen „Solgarden GmbH“ verpachten. Das DRK wird dessen Mieter, betreut und versorgt die Flüchtlinge im Haus und bietet außerdem betreutes Wohnen für Senioren an.

Gildner machte das Vorhaben unter dem Motto „Wohnen im Obstgarten“ schmackhaft: Im Innenhof will er Apfelbäume pflanzen, als Reminiszenz an Harheims Streuobstwiesen. Es gebe nun „Reihenhäuser statt Zweckbauten“, auf zwei Geschossen plus Dachgeschoss, mit Satteldach und Erkerfenstern. Drei Bauabschnitte sind vorgesehen, der erste soll im Herbst gebaut und im Frühjahr 2017 bezugsfertig sein. Auch im zweiten Bauabschnitt werden vor allem Flüchtlinge untergebracht. Der dritte wird frei vermietet und im Sommer 2018 fertiggestellt. DRK-Geschäftsführer Dirk Dallwitz deutete an, falls später Bedarf für Tagespflege bestehe, könne in der Mitte des Areals ein weiterer Funktionsbau entstehen.

Für Familien gebaut

Geplant sind Wohnungen für 120 Menschen, davon mindestens 25 Prozent Senioren, so Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats. „Wir standen im Januar mit dem Rücken zur Wand“, sagte sie zu der damaligen Planung. Man habe mit bis zu 10 000 neuen Flüchtlingen gerechnet, mittlerweile kämen noch 20 pro Woche. „Trotzdem können wir uns nicht einfach zurücklehnen.“ Nun gehe es darum, die 1300 noch in Notunterkünften wie Turnhallen oder Hotels lebenden Flüchtlinge umzusiedeln. Sie sagte zu, in Harheim nur Familien einzuquartieren.

Auch baulich gibt es jetzt andere Möglichkeiten als bei den Holzmodulen, so Gildner. Die Reihenhäuser hätten innen keine tragenden Wände, Wohnungen könnten flexibel geschnitten und später einfach verändert werden. Die Seniorenwohnungen sollen 55 Quadratmeter groß werden. Anders als einst geplant soll es weder Zäune noch einen Sicherheitsdienst geben. „Das war ein Fauxpas und eher kontraproduktiv“, gesteht Dallwitz.

In der Bürgerfragestunde des Ortsbeirats 14 lösten die neuen Pläne mehr Neugier als Aufregung aus. Grundsätzliche Kritik gab es nicht mehr. Auch nicht von Tobias Jaenicke, dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Harheim, deren Vertreter im Januar noch über sinkenden Wohnwert und zu erwartende Integrationsprobleme klagten. Jaenicke war auch Teil der Frankfurter Delegation, die von Gildner gebaute Flüchtlings-Reihenhäuser in Mittelfranken anschaute.

Dennoch gab es Aspekte, die Kritik auslösten, etwa die Frage nach der Barrierefreiheit. Ebenerdige Zugänge gibt es in Gildners Häusern nur im Erdgeschoss, aber Barrierefreiheit sei nicht definiert für Rollstühle, verweist er auf eine Lücke im Baurecht. Ansonsten sei es möglich Treppenlifte einzubauen. Zunächst ziehen nur Flüchtlinge ein, für deren Kinder es genug Krabbelstuben- und Schulplätze im Stadtteil gebe, sagte Skotnik. Nur bei den Kindergartenplätzen sei der Bedarf in Harheim schon jetzt größer als das Angebot. Allerdings machten sie deutlich, dass viele Details noch offen seien. Die Zuteilung im Sozialdezernat erfolge nach demselben System wie auch für Obdachlose und Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, „aber die Flüchtlinge werden den Schwerpunkt bilden“. Auch Senioren können dort Wohnungen zugewiesen werden. „Wenn der Bedarf doch nicht so groß ist, überlegen wir, eine Demenz-WG einzurichten.“

Widerstand bewegt etwas

Auch bei Harheims Stadtteilpolitikern lösten die Pläne Zustimmung aus. In der anschließenden Ortsbeiratsitzung wurde das Thema nicht mehr diskutiert. Helmut Seuffert (Grüne) betonte, „dass sich mit dem Widerstand der Bürgerschaft doch etwas bewegen lässt“. Doch sei er etwas verwirrt, weil die neuen Pläne auch den Ortspolitikern erst jetzt vorgestellt worden seien, so Seuffert.

Einen Antrag, in dem die Grünen forderten, zunächst Flüchtlinge und erst danach Senioren in das Haus einziehen zu lassen, zogen sie zurück. Und Ortsvorsteher Immel stellte klar: „All unsere alten Anträge zur Flüchtlingsunterkunft sind jetzt obsolet.“

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