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Streuobstwiesen: Ein Baum für die Freundschaft

Von Nur wenige Frankfurter kennen die deutsch-japanische Streuobstwiese in Bergen-Enkheim. Zum dritten Mal pflanzten dort gestern das Main-Äppel-Haus, der Verein Frankfurt Yokohama Citizens Network und japanische Firmenvertreter seltene Apfelbäume.
Michael Sandhorst von Brother Sewing Machines Europe (von links), Matthias Kohlstrung, Ryo Kogure und Bergen-Enkheims Apfelweinkönigin Foto: Leonhard Hamerski Michael Sandhorst von Brother Sewing Machines Europe (von links), Matthias Kohlstrung, Ryo Kogure und Bergen-Enkheims Apfelweinkönigin
Bergen-Enkheim. 

Anneliese Kautz hofft, dass Frankfurt profitiert vom Brexit, dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Denn dann ziehen auch neue japanische Firmen nach Frankfurt, die ihren Europasitz bislang in Londen haben. Mehrere Unternehmen hätten das bereits angekündigt, bestätigt der japanische Vizekonsul in Frankfurt, Ryo Kogure. „Dann spenden vielleicht noch mehr Firmen einen Apfelbaum für unsere deutsch-japanische Streuobstwiese“, sagt Kautz.

50 Bäume stehen schon

Zusammen mit Gerhard Weinrich, dem Vorsitzenden des Main-Äppel-Hauses (MÄH) auf dem Lohrberg, möchte sie dort weitere Bäume pflanzen. Auch wenn es mit 50 Bäumen allmählich eng wird neben der Hohen Straße in Bergen, dort wo die mittelalterliche Fernhandelsstraße nördlich der Umgehungsstraße in die Felder führt. „Wir verhandeln mit den Eigentümern angrenzender Wiesen, ob wir sie bepflanzen dürfen“, sagt Weinrich. Bei der dritten Pflanzaktion stellten Weinrich und seine Mitstreiter 19 neue Bäume auf. Gespendet haben die aus Japan stammenden Firmen Brother International und Brother Sewing Machines Europe, Reifenhersteller Bridgestone, das Restaurant Ivase sowie die Deutsch-Japanische Gesellschaft und der Verein Frankfurt Yokohama Citizens Network (FYCN).

„Die Idee entstand vor acht Jahren“, erzählt Kautz. Damals arbeitete die Frau, die sich im FYCN für den Ausbau der Städtepartnerschaft der beiden Metropolen engagiert, für einige japanische Firmen. „Sie wollten ihre Mitarbeiter ermuntern, sich mehr für die Umwelt einzusetzen. Zur gleichen Zeit lernte ich das Streuobstwiesenprojekt des MÄH kennen.“ Sie sprach Gerhard Weinrich an, der wie sie in Bergen-Enkheim wohnt – er war begeistert. Dann sprach sie die in Bad Vilbel ansässige Firma Brother an. „Auch die machten sofort mit. Die ersten Bäume, die wir damals pflanzten, tragen bereits Früchte.“

Dass sich Unternehmen in Ländern, in denen sie Niederlassungen haben, für den Erhalt lokaler Traditionen einsetzen, sei „typisch japanisch“, sagt Matthias Kohlstrung, Geschäftsführer von Brother International. „Für uns ist wichtig, dass hier aussterbende Apfelsorten angepflanzt werden. Wir unterstützen lokale Projekte, statt jemandem japanische Ideen überzustülpen.“

Eine Haltung japanischer Unternehmen, die Takashi Yanagisawa, oberster Repräsentant des Frankfurter Büros der Stadt Yokohama, bestätigt: „Die eigenen Traditionen zu pflegen, ist eine Gemeinsamkeit von Deutschen und Japanern.“ Er erinnert an das Kirschblütenfest im Frühjahr, dass den Japanern sehr am Herzen liege. „Was für die Frankfurter Äpfel und Apfelwein sind, ist für uns die Kirschblüte.“ Sie sei ein Symbol für den Frühling, aber auch für die Vergänglichkeit des Lebens, erklärt die Künstlerin Zero Reiko Ishihara, die Mitglied der Deutsch-Japanischen Gesellschaft ist. „Die Blüten sind sehr empfindlich, sie halten nicht lange. Regnet es einen Tag lang, ist die Kirschblüte vorbei.“

Firmen engagieren sich

Viele japanische Unternehmen engagierten sich in Frankfurt gesellschaftlich oder für den Ausbau der Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Yokohama, erklärt Ryo Kogure. „Beispielhaft sind das Nippon Connection Filmfestival oder der immer im Oktober stattfindende Japantag.“ Der Vereinigung japanischer Unternehmen in Rhein-Main gehörten mehr als 200 Unternehmen an. „Allein in Frankfurt leben 3000 Japaner.“

Zwar gebe es in Frankfurt wenige Unternehmen aus Yokohama, weil dort vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ansässig seien, die nicht in Europa tätig sind. Trotzdem schaffte Kautz es, Unternehmen aus Yokohama zu bewegen, sich 2014 an der zweiten Pflanzaktion an der Hohen Straße zu beteiligen: „Sie taten das, um die Städtepartnerschaft zu stärken.“

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