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Tierschützerin kümmert sich um verwilderte Hauskatzen: Ein Herz für Streuner

Als „Katzen-Streetworkerin“ bezeichnet sich Michaela Topell: Sie kümmert sich um verwilderte Hauskatzen.
Die Katzen, um die sich Michaela Topell kümmert, sind scheu. Mit Nahrung kann man die Tiere locken. Dann lassen sie sich streicheln Bilder > Foto: Holger Menzel Die Katzen, um die sich Michaela Topell kümmert, sind scheu. Mit Nahrung kann man die Tiere locken. Dann lassen sie sich streicheln
Seckbach/Bergen-Enkheim. 

Michaela Topell (48) hatte schon immer Katzen, schon als junges Mädchen. Und auch heute dreht sich fast ihr gesamtes Leben um die Tiere – vor allem um Streuner. So werden wildlebende Katzen bezeichnet, viele davon wild geboren, die sich kaum anfassen lassen. Topell füttert die Tiere, fängt sie ein, lässt sie impfen und auch kastrieren, damit sie sich nicht unkontrolliert vermehren. Denn jene Katzen, um die sich keiner kümmert, sind oft in einem erbärmlichen Zustand.

„Katzen-Streetworkerin“ nennt sich Topell selbst. „Der Ursprung meines Engagements ist hier im Gewerbegebiet, an einer Futterstelle“, erklärt sie. Wo genau die liegt, will sie nicht öffentlich machen, denn es gebe auch Menschen, „die Katzen nicht wohlgesinnt sind“, sie vergiften oder zu Tode quälen, wenn sie wissen, wo sie sie finden. Vor vier Jahren suchte die Vorsitzende des Tierschutzvereins in Nied eine Nachfolgerin für die gestorbene Betreuerin der Futterstelle und die gelernte Tierarzthelferin Topell sagte zu.

Unterschlupf bieten

Sie koordiniert die kleine Gruppe Frauen, die reihum die tägliche Fütterung übernimmt. Unter Büschen und kleinen Bäumen versteckt liegt der Futterplatz zwischen Büros, alten Lagerhallen und einer Spedition. Kleine Häuschen stehen hier als Unterschlupf, einige aus Holz, andere aus den unterschiedlichsten Materialien selbst gebaut. Nicht als dauerhafte Behausung dient ein solcher Unterschlupf, jede der Katzen hat ein eigenes „Zuhause“, in einer Halle unter einem Gerümpel-Stapel oder gar auf dem Fahrersitz eines alten Busses. Die Behausungen dienen als Unterschlupf, wenn es zu ungemütlich wird.

Bestand kontrollieren

Das Füttern ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit – nicht nur, damit die Tiere etwas zu essen bekommen, sondern auch, um kontrollieren zu können, welche und wie viele Katzen es hier in der Umgebung gibt und wie es ihnen geht. „Den Tieren hier geht es gut. Sie sind geimpft, sie sind gesund.“ Herr Rossi, Martha, Hannibal, Chaplin, Putin – jene Katzen, die sich regelmäßig hier ihr Futter holen und sich auch streicheln lassen, kennen Topell und ihre Mitstreiterinnen. Herr Rossi ist der Chef an der Futterstelle, obwohl er noch jung ist. Selbst seine Mutter Martha ist vor seinen Launen nicht sicher.

Wie viele Futterstellen es im weit verzweigten Gewerbegebiet, das zum Teil in Seckbach, Bergen-Enkheim und in Fechenheim liegt, gibt, weiß Topell gar nicht genau. „Das kann man auch nicht wirklich sagen.“ Einige, die verwilderte Katzen füttern, kenne sie, wie den Besitzer einer Werkstatt in der Nähe. Viele kenne sie auch nicht. Fest stehe aber: Die Helfer, egal ob organisiert wie Topell oder Menschen, die jene Katzen füttern, die durch ihren Garten streifen, erreichen nur einen Bruchteil der Katzen, die verwildert in Frankfurt leben. „Kaum jemand sieht die Tiere, genaue Zahlen gibt es nicht“, sagt Topell.

Und diesen Katzen geht es oft schlecht. „Ich habe schon eine ertrunkene Katze in Schuttcontainern gefunden, viele Tiere sind krank.“ Weit verbreitet seien auch Viruserkrankungen, vor allem Katzenschnupfen bei Jungtieren. „Gegen einige Krankheiten kann man impfen, das tun wir auch“, erklärt Topell. Gegen FIP, auch „Katzen-Aids“ genannt, oder Leukose könne man aber gar nicht impfen. Und immer wieder rufen sie Menschen an, die Katzen finden, die eindeutig zu Tode gequält worden sind.

Aber füttern, impfen, sich kümmern, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt die Katzenliebhaberin. Wichtiger sei es, die Zahl der Tiere zu reduzieren, indem man sie kastriere, damit sie keinen Nachwuchs mehr bekämen. Regelmäßig geht Topell Hinweisen nach, wo neue Tiere aufgetaucht sind. Doch Tierschützer alleine schaffen es nicht, die Zahl verwilderter Katzen zu begrenzen. Deshalb unterstützt Topell einen Vorstoß von Mitgliedern von fünf Frankfurter Tierschutzvereinen. Sie fordern, dass die Stadt Frankfurt – so wie in Darmstadt bereits geschehen – eine Kastrationspflicht für alle „Freigänger“, also all jene, die keine reinen Stubenkatzen sind, erlässt.

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