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Stadtwald: "Ein Wahrzeichen": Horst Schmidt pflegt viele Erinnerungen an den Goetheturm

Fast 37 000 Frankfurter haben dafür gestimmt, den von einem Brandstifter zerstörten Goetheturm im Stadtwald möglichst originalgetreu wieder aufzubauen. Ein alter Oberräder ist auch dafür: Horst Schmidt (87): Er hat zahlreiche Erinnerungen ans Wahrzeichen.
Der 87-jährige Oberräder Horst Schmidt hat viel über den Goethe-Turm zu erzählen Foto: Michael Faust Der 87-jährige Oberräder Horst Schmidt hat viel über den Goethe-Turm zu erzählen
Sachsenhausen. 

Ob der Goetheturm wieder aufgebaut werden soll? Für Horst Schmidt (87) aus Oberrad ist das keine Frage: „Das ist ein Frankfurter Wahrzeichen, das gehört wieder da hin – unbedingt. Genau wie das Goethehaus und der Henninger Turm.“ Er kennt den Goetheturm seit frühester Jugend. Vor allem von etlichen Sonntagsnachmittags-Ausflügen mit seinen Eltern in den 1930er und 1940er Jahren, die jedes Mal auch zum Kiosk am Turm führten. Dort habe er immer „Klicker-Limo“ bekommen, erzählt er: „Da war ein Glaseinsatz in der Flasche, den musste man erst runterdrücken, dann hat’s gezischt, und dann konnte man trinken.“

Auch der Tag seiner Konfirmation ist in seiner Erinnerung unauslöschlich mit dem Goetheturm verbunden. Im Mai oder Juni 1945 sei das gewesen, erzählt Horst Schmidt. Der Zweite Weltkrieg war gerade überstanden, Oberrad lag wie der Rest der Stadt weitgehend in Trümmern; auch die evangelische Erlöserkirche. Deshalb wurden er und die anderen 14-Jährigen im Pfarrbüro konfirmiert. Zum Abendmahl gab’s Apfelwein, denn die paar Flaschen Wein, die trotz der Bombardements heil geblieben waren, seien bei den Amerikanern gegen Zigaretten getauscht worden, sagt Schmidt.

Der guten Laune tat das keinen Abbruch. Mit ein paar Freunden sei er nach dem Mittagessen fröhlich singend durch den Wald gezogen, erzählt Horst Schmidt. Das Ziel der munteren Truppe: der Goetheturm. Dort sah es in jenen Nachkriegswochen wüst aus, schließlich war auf dem Dach des Turms eine Flak-Abteilung stationiert gewesen. „Deshalb war der ganze Wald dort bombardiert worden, und die Bäume lagen kreuz und quer“, berichtet der Oberräder. Wie durch ein Wunder hatte der Goetheturm selbst keinen Treffer abbekommen. „Wir sind raufgeklettert“, erinnert sich Horst Schmidt.

Weltkrieg überstanden

Das war kein ganz ungefährliches Unterfangen, denn die Treppe war zum Teil kaputt. Über eine Leiter erklommen die Konfirmanden ein großes Podest und gelangten schließlich sogar auf das Dach. „Da sind wir herumgelaufen, im jugendlichen Leichtsinn“, denkt der 87-Jährige kopfschüttelnd zurück, muss aber dann aber doch schmunzeln, als er an den Übermut in jenen Stunden denkt, in denen die Jugendlichen auf dem Goetheturm ihre „interne Konfirmation“ abhielten, wie er es nennt. Die Fröhlichkeit war vermutlich nicht nur dem festlichen Anlass geschuldet, sondern auch der Flasche Wein, die einer der Konfirmanden zuhause geklaut hatte und die man nun auf dem Goetheturm brüderlich miteinander teilte. Allzu weit durfte sich das heitere Treffen allerdings nicht in den Abend ziehen. Denn damals habe ab 22 Uhr eine strenge Ausgangssperre gegolten, sagt Horst Schmidt: „Da durfte keiner mehr auf der Straße sein.“

Der zerbombte Wald rings um den Goetheturm sei in den nachfolgenden Jahren aufgeräumt und neu angepflanzt worden, erzählt er: „Die meisten Bäume, die man da heute sieht, sind nach dem Krieg gesetzt worden.“ Auch unter Anleitung seines späteren Schwiegervaters, der im Forstdienst im Oberräder und Sachsenhäuser tätig gewesen sei. „Der konnte immer Geschichten von Liebespaaren erzählen, die versehentlich im Goetheturm eingeschlossen worden waren“, sagt Schmidt.

Mit Stolz präsentiert

Hat er selbst auch das Frankfurter Wahrzeichen für romantische Stelldicheins genutzt? „Nein, nein“, winkt der 87-Jährige schnell ab. Und erzählt lieber davon, wie es ihn in späteren Jahren mit der Ehefrau und dem Sohn und schließlich mit den beiden Enkelinnen immer wieder an den Goetheturm gezogen habe. Und vor allem Besuchern aus Großbritannien, USA und Frankreich zeigte er den ungewöhnlichen Turm gern. Der gelernte Maler und Vergolder arbeitete nämlich für eine renommierte Frankfurter Firma, war viel im In- und Ausland unterwegs und schloss dabei Freundschaften. Allen Gästen habe man das Frankfurter Wahrzeichen mit Stolz präsentiert, erinnert er sich.

Entsprechend groß war sein Entsetzen, als er von dem Brandanschlag auf den Goetheturm erfuhr: „Das war ein Schock.“ Jetzt hofft er inständig auf einen Wiederaufbau in alter Form. Schließlich könne man das Holz ja gegen Feuer imprägnieren, überlegt der 87-Jährige. Und mit einer Überwachung dafür sorgen, „dass ein solcher Anschlag künftig ausgeschlossen bleibt“.

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