E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 23°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse
31 Kommentare

Neujahrsempfang: Emmausgemeinde erteilt Volker Stein Hausverbot

Weil ihr die politischen Ansichten von Volker Stein nicht passen, hat die evangelische Emmausgemeinde ihm kurzerhand Hausverbot erteilt – zwei Tage, bevor er in ihren Räumen beim Jahresempfang des Gewerbevereins Eschersheim sprechen sollte. Der Verein musste den Empfang kurzfristig absagen.
Volker Stein Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Volker Stein
Frankfurt. 

Er hat in der Eschersheimer Emmauskirche geheiratet, seine beiden Söhne wurden dort getauft. Als stellvertretender Vorsitzender des evangelischen Regionalverbandes hat er die Umbaumaßnahmen an der Kirche begleitet. Nun hat der unabhängige OB-Kandidat Volker Stein Hausverbot.

Eigentlich hätte er gestern beim Neujahrsempfang des Gewerbevereins Eschersheim ein Grußwort sprechen sollen. „Aber am Dienstagabend rief uns Pfarrerin Christiane Rauch an und teilte uns mit, dass der Kirchenvorstand erwägt, ein Hausverbot auszusprechen“, sagt Vereinsvorsitzender Martin Feickert. Sie verspricht ihm, noch mal gut auf die Vorstandsmitglieder einzureden.

Doch am Mittwoch dann die Bestätigung: Stein muss draußen blieben, „da seine politischen Meinungsäußerungen nicht mit den christlichen Werten, für die die Emmausgemeinde steht, vereinbar sind“. So steht es zwei Tage später in einer Pressemitteilung der Evangelischen Kirche Frankfurt. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen, sagt deren Sprecher Ralf Bräuer.

Kritische Äußerungen

Um Steins Aussagen zur Abschiebung von kriminellen Ausländern und zu Kirchenasyl sei es wohl gegangen, sagt der Vereinsvorsitzende Feickert. „Aber wir fanden das Ganze überhaupt nicht nachvollziehbar.“ Einige Jahre zuvor sei etwa Boris Rhein zu Gast gewesen, „der hat als Innenminister vermutlich auch schon mal jemanden abgeschoben und bekam trotzdem kein Hausverbot“.

Zudem sei die Einladung mit der Ankündigung, dass Stein sprechen würde, schon zwei Wochen vorher verschickt worden. „Das hätte man auch gleich sagen können.“ Überhaupt habe der Kirchenvorstand immer Pfarrerin Rauch vorgeschoben, statt selbst mit ihm Kontakt aufzunehmen. „Das ist nicht die feine Art. Man hätte das ja auch diskutieren können, aber das war offenbar nicht gewollt.“ Weil das Hausverbot so kurzfristig ausgesprochen wurde, entschloss sich der Verein, den Neujahrsempfang abzusagen. „Es gibt immer einen Sektempfang, dann kommt der Gastredner, danach essen wir noch eine Suppe zusammen. Ohne Gastredner ist das Ganze wenig sinnvoll.“

„Alles sehr befremdlich“

Fast eine Stunde habe Feickert gestern vor dem Gemeindehaus gestanden, um auch denen, die die kurzfristige Absage nicht mitbekommen hatten, Bescheid zu geben. „Von denen war keiner erfreut.“ Der Vorstand des Gewerbevereins werde nun darüber diskutieren, ob man die Räume, in denen der Empfang seit rund zehn Jahren stattfindet, künftig noch nutzen wolle. „Wenn der Gast nicht rein darf, hinterlässt das auch keinen guten Eindruck beim Gastgeber. Das ist alles sehr befremdlich.“

Volker Stein findet die Sache „recht skurril“. Auch er hätte erwartet, dass die Gemeinde vorher auf ihn zukommt. „Früher, als es um Kohle ging, haben sie ja auch mit mir gesprochen.“ Aber dass die evangelische Kirche weniger mit Luther als mit Katrin Göring-Eckardt von den Grünen zu tun habe, das wisse er ja schon länger.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse