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Leberecht-Stiftung hilft: Erfolgreiche Hilfsaktion für behindertes Mädchen nach Diebstahl

Von Es war einer der gemeinsten Diebstähle des Jahres: Im Mai klauten unbekannte Täter das Spezialfahrrad des gehbehinderten Mädchens Nele aus einem Hinterhaus im Nordend. Dank mehrerer hilfsbereiter Menschen und Stiftungen hat die 13-Jährige inzwischen ein neues, noch besseres Rad bekommen. Die Dankbarkeit ist groß.
Nele sitzt umringt von guten Seelen auf dem Rad. Diese sind (stehend, von links) Hans Georg Lang, Inge und Rudi Jordan (Christliche Stiftung) und Sandra Schäfer (Leberecht-Stiftung). Außerdem (hockend, von links) Neles Mutter Anne Schäfer, Ralph Beckmann (Aktion Mobilität) und Andreas Fiebiger (Leberecht) . Bilder > Foto: Holger Menzel Nele sitzt umringt von guten Seelen auf dem Rad. Diese sind (stehend, von links) Hans Georg Lang, Inge und Rudi Jordan (Christliche Stiftung) und Sandra Schäfer (Leberecht-Stiftung). Außerdem (hockend, von links) Neles Mutter Anne Schäfer, Ralph Beckmann (Aktion Mobilität) und Andreas Fiebiger (Leberecht) .
Frankfurt. 

Nele sitzt auf ihrem neuen Liegefahrrad und strahlt. Ein kräftiger Tritt in die Pedale, und die Spezialanfertigung setzt sich in Bewegung. Viel Platz hat das gehbehinderte Mädchen in dem kleinen Hinterhof im Nordend nicht. Im Terminkalender der 13-Jährigen steht heute aber auch keine Radtour, sondern ein Treffen mit den lieben Menschen, die ihr zu dem neuen fahrbaren Untersatz verholfen haben – und für eine kleine Demonstration ihrer Fahrkünste reicht der Platz allemal aus.

Neles Freude an ihrem ersten Liegerad währte nur kurz: Das 3500-Euro-Gefährt, für das Mutter Anne bei der Krankenkasse lange hatte kämpfen müssen, wurde wenige Monate nach der Anschaffung aus dem Hinterhaus in der Schleiermacherstraße gestohlen.

Nele und Anne Schäfer waren am Boden zerstört. Das Spezialfahrrad hatte Nele, die nach zwei schweren Tumoroperationen an Geh- und Sehbehinderungen leidet, nach einer Zeit tiefer Schwermut zu neuer Lebensfreude und Mobilität verholfen. Die Mutter schaltete sofort die Polizei ein. Außerdem startete sie eine Suchaktion, machte mit Flyern im Stadtteil und Posts im Internet auf den gemeinen Diebstahl aufmerksam.

Wende zum Guten

Alle Bemühungen waren erfolglos: Das Rad blieb verschwunden, und auch von den Dieben – wenn es denn mehrere waren – fehlte jede Spur. Eine Wende zum Guten brachte ein Artikel mit der Überschrift „Gemeiner Dieb stahl Neles Rad“, der Ende Mai in der Frankfurter Neuen Presse und einigen ihrer Schwesterzeitungen erschien.

Die Lektüre weckte die Hilfsbereitschaft von mehreren Privatleuten und Stiftungsvertretern, die sich zusammentaten und Nele zu einem nagelneuen Liegefahrrad im Wert von 4 900 Euro verhalfen. Die Christliche Stiftung Nord-Ost steuerte 1 000 Euro bei, die private Aktion Mobilität sammelte 1 440 Euro. Die Leberecht-Stiftung dieser Zeitung, die sich für behinderte Kinder in der Rhein-Main-Region stark macht, steuerte 2 460 Euro bei.

Die sozialdiakonische Christliche Stiftung war durch das Kinderbüro in der Schleiermacherstraße auf den FNP-Artikel aufmerksam geworden: „Wir dachten sofort: ,Das ist ein Thema für uns, das passt zu unserem Stiftungszweck‘“, sagt Rudi Jordan vom Stiftungsvorstand. Er findet es sehr beeindruckend, wie alle gemeinsam „die Ärmel hochgekrempelt und ohne langes Überlegen geholfen haben“.

Die Ärmel hochgekrempelt haben auch die Bad Homburger Detlev Schnell und Susanne und Ralph Beckmann, die in der Taunus Zeitung von Nele und dem geklauten Fahrrad gelesen hatten. Sie sammelten bei Freunden und Bekannten, aber auch bei anderen Menschen und Geschäftsleuten Geldspenden ein. „Es war schön zu sehen, dass viele Menschen so dachten wie wir und helfen wollten“, sagt Ralph Beckmann.

Auch Andreas Fiebiger, Geschäftsführer der Leberecht-Stiftung, zeigt sich erfreut über das schnelle, unkomplizierte Engagement für Nele: „Es war ein wunderbares Gemeinschaftsprojekt. Die Leberecht-Stiftung hilft gern weiter, wenn die institutionelle Hilfe, zum Beispiel durch eine Krankenkasse, an Grenzen gerät.“

Beine wie Wackelpudding

Und Nele? Hat die erste Fahrt auf ihrem neuen Liegerad richtig genossen. Auf dem Weg vom Fahrradhändler Ulrich Caspari in Harheim bis nach Hause habe sie zwar eine kleine Pause an der Nidda machen müssen („Ich hatte Beine wie Wackelpudding“), ihr neues Gefährt findet sie ansonsten aber spitze. Ein richtig gutes Fahrradschloss hat sie jetzt auch. Dass ihr geliebter Drahtesel abermals gestohlen wird, möchte sie als „gebranntes Kind“ unbedingt verhindern.

Mutter Anne Schäfer findet, dass Nele und sie nicht nur ein neues Rad, sondern auch viele neue Freunde gewonnen haben: „Es gibt doch mehr gute Menschen als schlechte“, sagt sie – und gibt zu, dass ihr Menschenbild nach dem Diebstahl ziemlich erschüttert war. „Wir danken allen, die für uns da waren“, sagt sie. „Wir halten das nicht für selbstverständlich.“

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