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Sammler bot illustre Reise in die Vergangenheit der Stadt: Faszinierende Zeitreise: Das alte Frankfurt auf Postkarten

Von Rund 3000 Frankfurter Postkarten mit historischen Motiven hat Matthias Christoph Hauß schon gesammelt. Seine Suche nach seltenen Stadtteilansichten hat der Mann aus dem Gallus aber noch lange nicht beendet. Einige gab es jetzt zu sehen.
Vor der Galluswarte, heute ständig vom Autoverkehr umflossen, hielten die Straßenbahnen einst direkt. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Vor der Galluswarte, heute ständig vom Autoverkehr umflossen, hielten die Straßenbahnen einst direkt.
Gallus. 

Der Frankfurter Hauptbahnhof war inklusive flanierender Herrschaften vor der Eingangshalle schon zu Kaisers Zeiten ein beliebtes Postkartenmotiv. Die Lage der Station im Gallus ist für Matthias Christoph Hauß ein Glück: „Denn es ist nicht einfach, historische Postkarten mit Motiven abseits großer Touristenziele zu finden“, sagt der Sammler. Hauß ist also froh, dass er auf einem Sammlermarkt vor der Jahrhunderthalle nicht nur Ansichtskarten des Hauptbahnhofs selbst, sondern auch solche der Galluswarte, der Kirche Sankt Gallus oder auch des Begegnungszentrums Gallus aus den 1950er Jahren gefunden hat.

An die letzte Adresse lud der Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt (AWO) interessierte Senioren zu einem Dianachmittag mit gescannten Aufnahmen ein. Einige Schaulustige bewunderten auch ausgelegte Ansichten der Altstadt vor der Zerstörung im Krieg, der wiederaufgebauten Hauptwache vor dem U-Bahn-Bau oder des Fechenheimer Mainufers und stöberten in Karteikästen.

Eine Zeitreise

„Diese Postkarten nehmen auf eine Zeitreise durch die Frankfurter Geschichte mit“, sagte der AWO-Vorsitzende Thomas Sock, der eher zufällig von Hauß’ Sammlung erfuhr und sich besonders über einen Altstadtblick vom Sachsenhäuser Mainufer freute: „Diese Karte habe ich auch“, sagte er, „denn darauf ist mein Opa Viktor zu sehen.“

Hauß stammt gebürtig aus dem Nordend, lebte aber einige Jahre in Kiel, Eschborn und Oberursel, bevor er in den 80er Jahren wieder nach Frankfurt zog. „Deshalb fühle ich mich auch als Frankfurter und sehe meine Sammlung als Dokumentation, wie sich die Stadt verändert hat“, sagt der 57-Jährige – was bei den Ansichten der Galluswarte oder des Hauptbahnhofs anhand des Straßen- und Schienenverlaufs besonders deutlich wird.

Grün am Hauptbahnhof

„Am Hauptbahnhof stand ja früher noch das Schumanntheater, das 1960 abgerissen wurde, und es gab auch Grünanlagen“, sagt Hauß. Nun, da der Bahnhofsvorplatz wieder neu geplant werde, sei es umso interessanter, sich die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zu vergegenwärtigen. „Und früher lag die Straßenbahnhaltestelle direkt vor der Galluswarte und wurde erst mit dem S-Bahn-Bau unter die Brücke verlegt“, ergänzt Sock.

Ansichten wie die vom früheren Eiscafé Wipra am Liebfrauenberg, das seine Gäste mit Vögeln und Aquarien begrüßte, lassen bei vielen Betrachtern emotionale Erinnerungen lebendig werden. Doch Hauß betrachtet die Postkarten weniger nostalgisch mit Blick auf die „gute alte Zeit“, sondern eher sachlich. Ihn interessieren die Veränderungen im Stadtbild, die er später im Ruhestand auch schriftlich festhalten will. Um seine Sammlung für die Nachwelt zu erhalten, will er sie einst dem Institut für Stadtgeschichte übergeben.

Hauß arbeitet als Kontrolleur in der Werkzeugmontage und sammelt schon seit vielen Jahren Briefmarken und alte Geschäftsbriefe und Rechnungen als historische Dokumente. Geschichtsbücher über Frankfurt und seine Stadtteile ergänzen sein Archiv. Postkarten sammelt er intensiv erst seit fünf Jahren. „Viele habe ich über Bekannte bekommen, einige auch auf Börsen.“ Da es aber anders als bei Münzen und Briefmarken keine verbindlichen Katalogpreise gebe, stelle sich bei jeder Karte die Frage, wie viel man dafür ausgeben will.

„Für eine Postkarte von 1895 mit gezeichneten Motiven der Innenstadt habe ich mal 25 Euro ausgegeben“, erinnert sich Hauß. Begehrte Karten mit besonderem Sammlerwert kennt er zwar nicht, doch die Inhalte seiner Exponate können sich sehen lassen: Sehr bekannt ist etwa die humorvolle Postkarte von der Eingemeindung der drei Stadtteile Niederrad, Oberrad und Seckbach im Jahr 1900, die den Stadtadler wie einen Klapperstorch mit drei Babys in den Fängen zeigt.

Weitere Motive künden von der verheerenden Explosion in der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron 1901, von der geschichtskundige Anwohner im Frankfurter Westen heute noch mit Schrecken berichten. Oder sie zeigen die „Reichsautobahn“ Frankfurt-Darmstadt mit einem Flugzeug aus den 1930er Jahren, als der Flughafen gerade vom Rebstock in den Stadtwald gezogen war.

Auf einer Ansicht von Sachsenhausen wirkt der 1959 gerade fertiggestellte Henningerturm noch etwas hineinmontiert. Auch die Nordweststadt mit dem Nordwestzentrum gibt eine Vorstellung von dem, was in den 60er Jahren als modern galt. „Doch in manchen Stadtteilen wie zum Beispiel Harheim oder Bergen-Enkheim bin ich noch auf der Suche nach Postkarten“, sagt Hauß. Deshalb freut er sich über Rückmeldungen unter massi@t-online.de.

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