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Projekt zur Integration: Flüchtlinge packen mit an

Von Flüchtlingsunterkunft und Naturschutz auf dem Alten Flugplatz Bonames – für viele passte das von Anfang an nicht zusammen. Ein Projekt der Naturschule Hessen und der Deutschen Bank mit den hier lebenden Flüchtlingen zeigt: Es geht doch.
Stephanie König von der Naturschule Hessen, Flüchtling Amiri Mohamed Husein und Fabian Viesbach (v.l.) beim Pflanzen. Foto: Leonhard-Hamerski Stephanie König von der Naturschule Hessen, Flüchtling Amiri Mohamed Husein und Fabian Viesbach (v.l.) beim Pflanzen.
Bonames. 

Praktisch sollen die Pflänzchen sein, die Stephanie König und ihre Kollegen zusammen mit Mitarbeitern der Deutschen Bank und den Flüchtlingen, die seit anderthalb Wochen auf dem Alten Flugplatz Bonames leben, anpflanzen. Tomaten, Gurken, Salat und natürlich viele Kräuter. „Vor allem Minze ist bei den Flüchtlingen sehr beliebt“, erzählt König, Mitgeschäftsführerin der Naturschule Hessen. In große Boxen werden die kleinen Pflänzchen gesetzt, die wiederum am Zaun der Unterkunft entlang auf großen Gestellen aufgebaut werden. So dass sie zum Ernten gut zu erreichen sind.

Große Sorge

Eine der größten Sorgen vieler Bonameser und Naturschützer ist: Flüchtlinge auf dem Alten Flugplatz anzusiedeln, direkt neben den Laichgründen bedrohter Frosch- und anderer Amphibienarten – das geht doch gar nicht. Sie haben Angst um jene Biotope, die hier im Landschaftsschutzgebiet in zehn Jahren entstanden. Eine Angst, die auch die Naturschule teilte, wie König bestätigt. „Dabei ging es gar nicht um Flüchtlinge, sondern darum, dass hier 350 Menschen leben sollten.“

Eine Angst, die zumindest bei der Naturschule Hessen schnell schwand, sagt Königs Kollege, Torsten Jens – und das lange bevor die Flüchtlinge hierher zogen. Im März starteten sie mit der Deutschen Bank im Neckermann-Gelände in Fechenheim, wo das Land Hessen eine Erstaufnahme für Flüchtlinge einrichtete, ein erstes Pflanzprojekt. „Dort entstand auf einer Terrasse eine gemütliche Sitzgruppe mit Hochbeeten“, erzählt Christine Schwake, die das soziale Engagement der Bank-Mitarbeiter in ganz Deutschland koordiniert.

Gute Zusammenarbeit

Schon damals klappte die Zusammenarbeit mit Flüchtlingen gut, sagt König. „Unter jenen, die mitmachten, waren nicht nur Städter, sondern auch Leute vom Land, die sich mit Gärtnern auskannten. Deren Augen glänzten, als sie die frische Erde an den Fingern spürten, als sie die Kräuter einpflanzten.“ Die Flüchtlinge steuerten eigene Ideen bei. Etwa ein syrischer Fliesenleger, der die Einfriedung des Hochbeets entwarf und das Beet liebevoll mit passenden Steinen gestaltete.

Dass die Flüchtlinge begierig sind, mitzuhelfen, ist auch die Erfahrung der Banker Frank Schütz, Laura Dunn und Andreas Recht beim Social Day am Alten Flugplatz. „Dadurch, dass wir gemeinsam etwas machen, fällt es leicht, die Sprachbarrieren zu überwinden“, sagt Dunn. Trotz Dolmetschern sei die mündliche Kommunikation nicht einfach. „Aber man sieht ja, wenn man zusammen arbeitet, was als nächstes an der Reihe ist“, ergänzt Fabian Viersbach.

Barrieren abzubauen fällt auch deshalb leicht, weil sich einige Flüchtlinge und Banker bereits aus dem Gallus, von wo die Flüchtlinge nach Bonames zogen (wir berichteten), kennen.

Barrieren abbauen wollte die Naturschule Hessen, indem sie die Flüchtlinge vor ihrem Umzug mit den Besonderheiten des Flugplatzes vertraut machte, sagt König. „Wir organisierten Führungen für sie. Zuerst verstanden sie gar nicht, was wir von ihnen wollten.“ Zu sehr waren sie damit beschäftigt, warum sie aus dem Gallus, wo sie sich eingelebt hatten, ins Grüne ziehen sollten. „Sie fühlten sich abgeschoben. Auch weil sie sehr gut mitbekamen, dass sie auf dem Alten Flugplatz nicht erwünscht waren.“ Und weil sie ganz praktische Fragen hatten: Wo kann ich einkaufen? Wo geht mein Kind zur Schule? Habe ich hier eine Küche und Betten?

„Durch die Begeisterung, die wir bei unseren Führungen herüberbrachten, merkten sie schnell: Das hier ist ein besonderer Ort“, sagt König. Jetzt nach dem Umzug und nachdem andere wichtige Fragen geklärt seien, hätten sie auch den Kopf frei für die Schönheit der Natur um sie herum und wie wichtig es ist, sie zu schützen.

Dabei sollen die Hochbeete nicht die letzte gemeinsame Aktion sein, sagt Torsten Jens. Auch die Begrünung des Zauns, der die Unterkunft umgibt, will die Naturschule mit finanzieller und tatkräftiger Unterstützung der Bank angehen. Außerdem sind die Landschaftslotsen der Naturschule, die Besucher des Flugplatzes informieren, in Zweierteams unterwegs: Ein Lotse und ein Dolmetscher.

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