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Aus kleineren Erstaufnahmeeinrichtungen: Flüchtlinge ziehen auf Neckermann-Gelände

Von Nach und nach werden die kleineren Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge in der Region aufgelöst – auf dem Neckermann-Gelände finden alle einen Platz.
Schwer bepackt kommen die Flüchtlinge aus Neu-Isenburg vor dem Neckermann Gelände an. Bilder > Schwer bepackt kommen die Flüchtlinge aus Neu-Isenburg vor dem Neckermann Gelände an.
Frankfurt/Neu-Isenburg. 

Naif und Ania Soufan haben ihr Gepäck vor das alte Druckereigebäude in der Neu-Isenburger Rathenaustraße gestellt. Gemeinsam mit ihren Söhnen Mahmud und Aleksii, sieben und neun Jahre alt, und 43 anderen Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung warten sie mit ihren drei großen Koffern auf den ersten Bus, der an diesem Morgen in Richtung Frankfurt rollt. Nach sechs Monaten in Isenburg wird die Familie in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Frankfurt gebracht.

Alle ziehen um

Im September 2015 wurde in der Rathenaustraße schnell Platz für zunächst 700, später für 1000 Menschen geschaffen. Die Einrichtung gehört zu den 19, die das Land Hessen in diesen Wochen komplett schließt. Alle 370 noch verbliebenen Menschen ziehen in das ehemalige Neckermann-Gebäude um.

Bilderstrecke Flüchtlinge ziehen von Neu-Isenburg nach Frankfurt
Am Montagmorgen sind die Flüchtlinge aus der Erstaufnahme in Neu-Isenburg abgereist. Das Land Hessen schließt die Einrichtung und hat alle Menschen mit mehreren BusFuhren nach Frankfurt in das alte Neckermann Gebäude gebracht.In den vergangenen Monaten sind auch die Beziehungen zwischen den Flüchtlingen und Mitarbeitern gewachsen, hier verabschiedet Kerstin Kranich, Mitarbeiter des Sozialdienstes vom ASB, eine junge afghanische Familie.Viele herzliche Umarmungen auch mit dem Sicherheitspersonal.

„Wir wären lieber in Neu-Isenburg geblieben“, erzählt Ania Soufan in Englisch. Die gebürtige Ukrainerin ist mit ihrem syrischen Mann schon mit am längsten in Neu-Isenburg. „„Wir gehen jetzt natürlich auch mit nach Frankfurt. Aber wir hoffen, dass wir schnell weiter transferiert werden, und nicht wieder ganz nach hinten auf die Liste rutschen.“

Als Bernd Thiele mit seinem Bus und einem Gepäckanhänger auf den Hof rollt, läuft alles sehr geordnet ab. Die großen Koffer werden verladen und Anja Kappus, Mitarbeiterin des Arbeiter-Samariter- Bundes, steht an der geöffneten Bustür. Für jede Fahrt gibt es eine Liste, die Menschen steigen ein, werden abgehakt und geben ihre Karte ab. Das klingt ganz förmlich, ist aber letztlich sehr emotional. Die Flüchtlinge bekommen Umarmungen, von den Mitarbeitern, vom Sicherheitspersonal und untereinander. „Auch für uns geht heute hier eine Ära zu Ende. Es war ein besonderes Arbeiten, es sind Bindungen entstanden, wir haben viele tolle Menschen kennen gelernt und auch viel zurück bekommen“, sagt die Soziologin mit etwas feuchten Augen, während sie einem jungen Mädchen über den Kopf streichelt. Das Wiedersehen ist aber schon geplant: „Wir zahlen das Geld von den sozialen Diensten noch aus, dazu fahren wir am Freitag nach Frankfurt“, berichtet Peter Steinfadt, Leiter der Neu-Isenburger Einrichtung.

Dann geht alles doch ganz schnell, 47 Männer, Frauen und Kinder aus Syrien, Afghanistan, Pakistan, Eritrea und Somalia steigen in den ersten Bus und fahren durch die Schranke der alten Druckerei. Am Fenster winken viele nach draußen, wo schon die nächsten Koffer herangeschleppt werden. Routiniert lenkt Bernd Thiele den Bus über die A 661 zum Neckermann-Gebäude.

Alles läuft geregelt ab

In Frankfurt angekommen ist ebenfalls alles ruhig und geordnet. Die Menschen steigen aus, schauen sich um. „Das ist groß hier. Frankfurt ist eine Großstadt, anders als Neu-Isenburg. Ich werde die Mitarbeiter vom ASB vermissen, wir kamen gut zurecht, aber wir werden sehen, was uns die Zukunft bringt“, streichelt Naif Soufan seinem jüngsten Sohn Aleksii über den Kopf, nimmt sein Gepäck und geht mit seiner Familie entschlossen auf den Eingang seiner neuen Unterkunft zu.

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