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Fahrverbote: Frankfurt ist die Dieselhauptstadt

Von Ob es in Frankfurt in absehbarer Zeit Diesel-Fahrverbote geben wird, ist auch nach der gestrigen Verhandlung am Bundesverwaltungsgericht offen. Klar ist nur: Die Auswirkungen wären gravierend. Denn in keiner anderen Großstadt ist der Diesel-Anteil bei den zugelassenen Fahrzeugen so groß wie in der Mainmetropole.
Foto: Fabian Sommer (dpa)
Frankfurt. 

Bei den Schadstoffen liegt Frankfurt nicht vorn. In Städten wie München oder Stuttgart ist die Belastung mit Stickstoffdioxid deutlich höher. Doch in einer anderen Statistik liegt die Mainmetropole an der Spitze: In keiner anderen Großstadt ist der Anteil von Dieselmotoren an allen zugelassenen Pkw größer, hat das Internet-Portal kfzteile24.de ermittelt. 43 Prozent aller Autos nutzen die in Verruf geratene Technik. Nur Bonn kommt auf den gleichen Wert, München liegt knapp dahinter. Berlin hingegen hat nur einen Diesel-Anteil von 26 Prozent, und auch Hamburg liegt mit 35 Prozent deutlich hinter Frankfurt. Selbst das besonders mit schlechter Luft geplagte Stuttgart hat nur eine Diesel-Quote von 37 Prozent. Diesel-Abgase sind die Hauptursache für die hohe Stickstoffdioxid-Belastung in den Städten.

Die Zahlen, die aus der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamts in Flensburg stammen, geben keine Auskunft darüber, wie viele Diesel tatsächliche auf den Straßen unterwegs sind, da Pendler und auswärtiger Lieferverkehr dabei nicht berücksichtigt sind. Klar ist nur: Frankfurter Autofahrer wären von einem Fahrverbot überdurchschnittlich stark betroffen.

Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt über die Zulässigkeit von Diesel-Fahrverboten.
Diesel-Fahrverbot Das müssen Diesel-Fahrer nach dem Urteil wissen

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden. Das Diesel-Fahrverbot in Düsseldorf und Stuttgart ist rechtmäßig. Das Urteil hat Signalwirkung für ganz Deutschland. Sobald das Fahrverbot durchgesetzt wird, müssen Diesel-Fahrer mit einigen Einschränkungen rechnen.

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Fuhrparks eine Ursache

Warum der Diesel-Anteil in Frankfurt so hoch ist, lässt sich schwer sagen. Eine Erklärung ist aber, dass es in der Mainmetropole viele Unternehmen gibt, die große Fuhrparks betreiben. Bei Firmenwagen ist nämlich der Diesel-Anteil überdurchschnittlich hoch. Er liegt immer noch bei 70 Prozent, bei großen Limousinen sind es sogar fast 80 Prozent. Das Frankfurter Unternehmen Dataforce, das die Firmenflotten regelmäßig analysiert, vermag keine Trendwende zu erkennen. Im Januar hätten die Firmen sogar mehr Diesel zugelassen als im vergangenen November und Dezember.

Ein großer Fuhrparkbetreiber in Frankfurt ist zum Beispiel die Deutsche Bahn. 17 400 Fahrzeuge sind für den Konzern im Einsatz. Und da das für das Mobilitätsmanagement zuständige Tochterunternehmen DB Connect seinen Sitz in Frankfurt hat, trägt der größte Teil der Fahrzeuge ein F als ersten Buchstaben auf dem Kennzeichen. Sie haben größtenteils Diesel-Motoren, es sind auch viele Nutzfahrzeuge darunter. Sie werden nach Angaben einer Unternehmenssprecherin durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre erneuert. „Wir haben zudem sehr frühzeitig begonnen, unsere Fahrzeuge auf Euro 6 umzustellen.“

Das ist die aktuell gültige Schadstoffnorm. Von den rund 142 000 Diesel-Pkw, die Anfang 2017 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) in Frankfurt zugelassen waren, fallen rund 52 000 in diese Kategorie. Das heißt umgekehrt: Rund 90 000 Diesel-Pkw entsprechen nicht der neuesten Technik. Bei diesen Modellen ist die Gefahr eines Fahrverbot am größten.

Dieses will Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) vermeiden. Er setzt auf eine Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und erhofft sich dabei Unterstützung vom Bund. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sieht vor allem die Autoindustrie in der Pflicht und macht sich für die Einführung einer „Blauen Plakette“ stark. Diese würden nur Autos bekommen, die vergleichsweise wenig Stickstoffdioxid ausstoßen. Das Prinzip wäre ähnlich wie bei der „Grünen Plakette“, die seit 2012 Voraussetzung für die Einfahrt in die Umweltzone ist, zu der mittlerweile das gesamte Stadtgebiet erklärt wurde.

Verstöße gegen Umweltzone

Zwar hat mittlerweile ein sehr großer Teil der Autos den grünen Aufkleber. Allerdings gibt es immer noch Verstöße. Im vergangenen Jahr wurden in Frankfurt 12 800 Autos ohne Plakette erwischt, es wurden Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet. Das Bußgeld dafür liegt bei 80 Euro.

Der Grenzwert für Feinstaub wird in Frankfurt seit einigen Jahren eingehalten. Die Belastung mit Stickstoffdioxid ist aber nach wie vor zu hoch. 2017 wurde ein Jahresmittelwert von 47 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Das ist gegenüber 2016 eine Verbesserung um fünf Mikrogramm, doch der Grenzwert von 40 Mikrogramm wurde überschritten. Eingehalten wurde das Limit hingegen an den Messstationen in Höchst (38 Mikrogramm) und an der Hanauer Landstraße (34 Mikrogramm). (mit dpa)

Hier kommen Sie zur Studie. [externer Link]

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