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Machbarkeitsstudie: Frankfurter Kulturcampus: Das Jahr der Entscheidung

Kaum ein anderes Projekt hat Frankfurt so elektrisiert wie die Entwicklung des ehemaligen Geländes der Universität. Doch der versprochene "Kulturcampus" lässt weiter auf sich warten. Jetzt soll ein überfälliges Gutachten helfen.
Blick auf die Baustelle auf dem AfE-Gelände (vorne Mitte). Foto: Susann Prautsch/Archiv Blick auf die Baustelle auf dem AfE-Gelände (vorne Mitte).
Frankfurt. 

Von einem «bundesweiten Vorzeigeobjekt» schwärmten die Stadtoberen. Die ehemalige Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) versprach den Frankfurtern 2011 ein «neues Viertel mit Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wohnen und Arbeiten» auf dem ehemaligen Uni-Campus im Stadtteil Bockenheim. Sie dachte vor allem auch an die von vielen Metropolen umworbene junge Kreativ-Szene.

Fast sieben Jahre später wird immer noch um die Gestaltung des Areals gerungen. Begonnen wurde dort bisher vor allem mit dem Bau superteurer Hochhauswohnungen. Dafür war vor vier Jahren der 116 Meter hohe AfE-Uniturm, ein baufälliger Betonkoloss, gesprengt worden. Ein Großinvestor hatte dann das Gelände von der Wohnungsbaugesellschaft ABG erworben.

Das städtische Unternehmen vermarktet das knapp 17 Hektar große Areal - und baut auch noch selbst auf dem Gelände. Die Stadt Frankfurt hatte es nach dem Umzug der Uni auf den neuen Campus im Westend 2011 für rund 70 Millionen Euro gekauft.

Kern des «Kulturcampus» sollte die Verknüpfung klassischer mit zeitgenössischer Kultur sein. Dazu ist der Neubau der Frankfurter Musikhochschule, die derzeit beengt in der Innenstadt untergebracht ist, mit einem «Zentrum für Künste» vorgesehen. Dort sollen unter anderem das international bekannte Ensemble Modern, die Junge Deutsche Philharmonie oder das Hindemith-Institut seinen Platz finden.

Es ist vor allem die Stadt Frankfurt, die konkrete finanzielle Zusagen vermissen lässt. Jetzt wollen Land und Stadt in diesem Jahr gemeinsam eine Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen, die die gemeinsame kulturelle Nutzung des Kulturcampus mit möglichen «Synergien» untersuchen soll.

Es gebe dazu mit dem Land «konstruktive Gespräche», heißt es im Büro von Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Über das finanzielle Engagement der Stadt, die angesichts ihres kommunalen Defizits plötzlich das Sparen entdeckt hat, wird aber nichts verlautet.

«Klarheit» bei der Finanzierung hatte Kulturminister Boris Rhein (CDU) bereits im vergangenen Jahr angemahnt. Er hätte gerne auch schon 2017 die Studie auf den Weg gebracht. Das Land hat sich bereiterklärt, sich den Bau der Musikhochschule 100 Millionen Euro kosten zu lassen. Der Löwenanteil (90 Millionen Euro) soll dafür 2021 bereit sein

Der Verein «Forum Kulturcampus» geht davon aus, dass das (städtische) Zentrum mit rund acht künstlerischen Institutionen rund 35 Millionen Euro kosten wird. Davon könnte rund 25 Millionen Euro über private Stiftungen eingeworben werden, hofft Stefan Mumme. Er steht dem Verein vor, der den Kulturcampus unterstützt. «Die Stadt muss aktiv werden», sagt der Anwalt.

Das Land würde gerne in diesem Jahr auch noch den Architekturwettbewerb für die Musikhochschule ausloben. «Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest», sagt eine Sprecherin in Wiesbaden. Denn dafür sei das Vorliegen der Machbarkeitsstudie die Voraussetzung. 2021/22 könnten dann - mit mehrjähriger Verspätung - die letzten Studenten vom Campus Bockenheim ins Westend umziehen. Dort sollen die neuen Gebäude für die Sprach- und Kulturwissenschaften endlich fertig sein. Mathematik und Informatik ziehen von Bockenheim auf den Campus Riedberg.

Da ist die Senckenberg Gesellschaft um einiges weiter. Das Forschungsinstitut wurde mit Hilfe von Bund und Land für fast 120 Millionen Euro saniert und erweitert. Jetzt kommen noch knapp 60 Millionen Euro hinzu für die Sanierung des berühmten Museums für Naturforschung, das Senckenberg auf dem Campus betreibt.

Auf dem Areal sollen insgesamt rund 1200 Wohnungen entstehen. Die teuersten im 140 Meter hohen «OneFortyWest», dem ehemaligen AfE-Turm. Der Bau des Wohnturms, der auch noch ein Hotel beherbergen wird, ist bereits in vollem Gang. Hinzu kommt noch ein privat finanziertes Studentenwohnheim, das mit seinen 238 Appartements im ehemaligen Philosophicum schon fertig ist.

In die alten Professoren-Villen am südlichen Rande des Areals beim 159 Meter hohen Marriott-Hotelturm ist auch schon wieder Leben eingezogen. Eine Villa hat das Tibet-Zentrum auf 600 Quadratmeter bezogen und zu seiner größten Dependance in Europa ausgebaut - bei Investitionen von drei Millionen Euro. Zur Eröffnung im vergangenen September kam auch der Dalai Lama. Er war bislang der einzige prominente Gast auf dem «Kulturcampus».

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