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Stadtgeschichte: Geschichtsverein stellt Griesheimer Stadtteilkalender vor

Von Der Geschichtsverein Griesheim bringt jedes Jahr einen Stadtteilkalender mit historischen Motiven heraus. Er ist nicht nur Wandschmuck, sondern auch gefragtes Sammlerstück.
Die Gaststätte „Zur Rosenau“ an der Linkstraße beherbergt heute das Kinderhaus. Bilder > Die Gaststätte „Zur Rosenau“ an der Linkstraße beherbergt heute das Kinderhaus.
Griesheim. 

Wer weiß denn noch, dass das heutige Kinderhaus Griesheim in der Linkstraße die Polizeistation des 16. Revieres war? Und davor war dort die Gaststätte „Zur Rosenau“ mit Kino beheimatet. Oder wer kann sich vorstellen, wie das Griesheimer Mainufer oberhalb der Fähre um 1910 aussah? Ein Blick in den neuen Kalender des Geschichtsvereins Griesheim gibt Klarheit. Der Wandkalender zeigt 13 historische Aufnahmen aus Griesheim und gibt Erklärungen dazu.

Ein 14. Blatt listet die Geschehnisse in Griesheim vor 100 Jahren auf. „Wir haben uns wieder die Mühe gemacht, den kompletten Jahrgang des ,Griesheimer Anzeigers‘ 1918 zu sichten und die Highlights auf einem Textblatt festzuhalten“, erklärt Dennis Blum vom Geschichtsverein. Es ist eine schwierige Zeit: Deutschland ist im letzten Jahr des Weltkriegs angekommen. Das Kriegsende zeichnet sich jedoch noch nicht ab. Kaum jemand ahnt, welche gesellschaftlichen und politischen Umwälzung anstehen. Die Nachrichtenlage ist äußerst dürftig, seitdem der „Griesheimer Anzeiger“ ab dem 1. Januar 1918 nur noch mit einer einzigen Seite erscheint. Der allgemeine Mangel an Gütern des täglichen Bedarfs, in diesem Fall des Zeitungspapiers, macht auch vor den Zeitungsdruckereien nicht halt.

Großer Hunger

Die Not ist so groß, dass in Sachsenhausen ein Mann überfallen und seiner Schuhe beraubt wird. Wer auf legalem Wege auf das Barfußlaufen verzichten will, dem bleiben nur die Holzschuhe, die in der Gastwirtschaft „Zur Rosenau“ zum Verkauf kommen. Schlimmer noch ist aber der Hunger, der jetzt viele Menschen betrifft. Erwachsene erhalten als Ration unter anderem 125 Gramm Teigwaren, 125 Milliliter Speiseöl, 250 Gramm Gerstenkaffee, 95 Gramm Margarine, 50 Gramm Butter, 100 Gramm Wurst und ein Ei – pro Woche. Im April findet in der Mädchenschule ein „Wildgemüsemarkt“ statt, auf dem sich die Griesheimer in Ermangelung normaler Gemüsesorten mit Ersatz eindecken sollen: Löwenzahn, Schafgarbe, Scharbockskraut, Giersch und Wegerich finden jetzt den Weg in die Kochtöpfe.

Die Kleingartenvereine führen indes Nachtwachen ein, um dem nächtlichen Gemüsediebstahl Einhalt zu gebieten, und der Ziegenzuchtverein beklagt „zunehmenden Grasdiebstahl“ in den Weidenstücken oberhalb der Fähre.

Der allseits beliebte Apfelwein wird im Herbst 1918 gar nicht zu haben sein, da das Verkeltern von Äpfeln verboten ist. Die Herstellung von Marmelade ist wichtiger. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, vor allem aber bei den Frontsoldaten, lässt sich nicht mehr im Zaum halten. Dass Generalleutnant Riedel die Schrift „Die Sozialdemokratie für die Feldgrauen“ verbieten lässt, verhindert nicht, dass es innerhalb des Heeres gewaltig brodelt.

In den ersten Novembertagen lesen die Griesheimer in Ihrem „Anzeiger“ plötzlich von Waffenstillstandsverhandlungen und von einer sich zuspitzenden „Kaiserfrage“, nachdem die SPD Kaiser Wilhelm II. ein Ultimatum zur Abdankung gestellt hat.

Schon die 20. Ausgabe

Der Griesheimer Kalender des Geschichsvereins wird mit der 2018er-Ausgabe stolze 20 Jahre alt. Im Jahr 1999 hat der Verein den ersten Kalender dieser Art herausgebracht. Vieles mehr, was im Jahr 1918 passierte, ist darin zu finden. Der Kalender kostet 9,50 Euro und ist in verschiedenen Griesheimer Geschäften erhältlich. Man bekommt ihn dienstagabends ab 20 Uhr im Vereinsheim des Geschichtsvereins, Autogenstraße 19, oder bei Zeitschriften Brauer (Waldschulstraße 5a), beim Griesheimer Schlüsseldienst Richard Freeman (Alte Falterstraße 23a), bei Zeitschriften und Tabakwaren Nuri Aslan (Linkstraße 27) und in Joannas Glückslädchen (Jägerallee 23). Bestellungen für den Postversand über dennis.blum@geschichtsverein-griesheim.de. Dafür fällt Porto in Höhe von 3,50 Euro an, Lieferungen innerhalb Griesheims versucht der Verein kostenlos über die Mitglieder zuzustellen.

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