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Stadtteil-Serie (Teil 34): Hausen: Einst an Frankfurt verkauft

In unserer Stadtteil-Serie haben wir diese Woche Hausen unter die Lupe genommen. Der kleine Stadtteil wurde einst an Frankfurt verkauft.
Foto: Michael Faust
Frankfurt. 

Mit gerade einmal 1,26 Quadratkilometern Fläche gehört Hausen zu den eher kleinen Stadtteilen der Mainmetropole. Das ehemalige Mühlendorf am linken Niddaufer wurde erstmals 1132 als „Husun“ urkundlich erwähnt, gehörte allerdings schon früh zum Einflussbereich Frankfurts. Besitzstreitigkeiten mit Hanau gehörten im Mittelalter dennoch zur Tagesordnung.

Kurios waren die Folgen eines Handels des Ritters von Praunheim mit Frankfurt: Er verkaufte dem mächtigen Nachbarn sein Eigentum in Hausen und machte damit die Einwohner – sofern sie nicht dem Grafen von Solms-Rödelheim oder dem Grafen von Hanau hörig waren – zu Leibeigenen der Stadt Frankfurt. Es folgten 400 Jahre Leibeigenschaft und dann 1910 die Eingemeindung.

In der Folgezeit entwickelte sich das verschlafene Dorf rasant. 1913 erfolgte der Anschluss ans städtische Straßenbahnnetz. In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Nidda zwischen Eschersheim und Rödelheim reguliert und beendete die seit Jahrhunderten andauernde Gefahr von Überflutungen. Noch bis Mitte der 30er Jahre war der Bau-Boom ungebrochen: Siedlungen wie die In den Pflanzländern und die Willi-Brundert-Siedlung machen Hausen bis heute hauptsächlich zum Wohngebiet mit heute knapp 7500 Einwohnern.

Die Siedlung Westhausen ist entgegen der weit verbreiteten Meinung kein Teil Hausens, sondern gehört zur Gemarkung Praunheim, wie auch große Teile des Volksparks Niddatal. Immerhin gehört der Teil, der 1989 die Bundesgartenschau beherbergte, zu Hausen. Viele Anwohner konnten das Großereignis sogar vom Fenster aus beobachten. Trotz der ruhigen Lage im Grünen, darf die Teilung des Viertels nicht unerwähnt bleiben: Die architektonisch trostlose Trasse der A 66 trennt den Stadtteil ungefähr in zwei gleichgroße Flächen.

Bekannt ist Hausen heute auch für sein Freibad. Es öffnet immer als erstes deutschlandweit, früher an Karfreitag, mittlerweile am 1. April. Der erste Vorläufer   war eine Flußbadeanstalt im Jahr 1904. Erst 1961 wurde es das Strandbad an der Nidda in ein Freibad umgestaltet. Im beheizten Wasser können die Gäste auch bei kühleren Temperaturen schwimmen. Ein Schwimmer- und ein Nichtschwimmerbecken gehören ebenso wie ein Planschbecken für Kinder.

Unser Fotograf Michael Faust hat sich in Hausen umgesehen.

Hier ist Kultur zu Hause

Wo findet man in Frankfurt ein kulturelles Programm von Singer-Songwritern über moderne Weltmusik bis hin zu mongolischem Kehlkopfgesang, das auch politische Veranstaltungen nicht scheut? In der Hausener Brotfabrik. Das selbstorganisierte Kulturzentrum beheimatet auf dem ehemaligen Fabrikgelände unter anderem das Kulturprojekt 21, das Frankfurter Autoren-Theater, Gastronomie und eine Kizomba-Tanzschule. Für viele Kulturinteressierte im Rhein-Main-Gebiet ist die Brotfabrik damit ein fester Anlaufpunkt. Antje te Brake – Geschäftsführerin des Vereins Kulturprojekt 21 – freut sich schon auf die anstehenden Höhepunkte: „Sehr spannend wird der Auftritt von Rebeca Lane am 11. Mai, die feministischen Hip-Hop aus Guatemala im Gepäck hat. Die Brasilianerin Zelia Fonseca hat durch zahlreiche Auftritte mit ihrer – mittlerweile verstorbenen – Duo-Partnerin Rosanna eine ganz besondere Verbindung zur Brotfabrik. Sie kommt am 26. Mai wieder zu uns. Und auch das Sommerfest im Hof am 12. August kann man sich schon vormerken.“

Beliebte Wohngegend

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Hausen ist eine beliebte Wohngegend. Wohngebiete wie etwa die Siedlungen Langweidenstraße oder die Siedlung An den Pflanzländern verdeutlichen diese Entwicklung, die Anfang des vorigen Jahrhunderts ihren Ursprung fand und teilweise bis in die 70er Jahre hineinreichte. Sinnbildlich dafür steht die Willi-Brundert-Siedlung. Teilweise schon von 1933 bis 1935 erbaut, erhielt die 1972 erweiterte Siedlung westlich der Praunheimer Landstraße zum Gedenken an Widerstandskämpfer und Frankfurter Oberbürgermeister ihren Namen. Prägende Bauten sind vier Hochhäuser und die kleinen, kastenförmigen Wohnhäuser. Letztere wurden zusammen auf Teilen der zur Ursprungsbebauung gehörenden Grünflächen errichtet.

Refugium für Vögel

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Das von der Autobahntrasse durchtrennte Vogelschutzgebiet Hausener Auwald ist rund 350 Meter lang und im Schnitt 70 Meter breit. Seit etwa 1930 hat es dort keinen Holzeinschlag mehr gegeben und seit 1980 wurde auch kein Totholz mehr entfernt. In der grünen Oase befindet sich ein Nidda-Altarm mit Stockenten. Aber auch  viele, zum Teil sehr seltene Vogelarten wie Baumläufer, Spechte, Meisen und Kleiber sind hier anzutreffen. Sogar die Anwesenheit des Eisvogels ist belegt. Zum Schutz des Refugiums hat die Stadt das Areal eingezäunt.

„Dorfkrug“ in bewährten Händen

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Susanne Faller hat im vergangenen Jahr   den „Hausener Dorfkrug“ übernommen. Die Pension mit 26 Betten und angeschlossenem Restaurant ist eine der wenigen Gastronomiebetriebe im Viertel, die noch gutbürgerliche Küche anbieten. „Im Jahr 2006 fing ich hier als Angestellte an zu arbeiten. Als sich die Vorbesitzer dann zurückzogen, haben sie mich gefragt, ob ich weitermachen möchte. Ich habe nicht lange gezögert und zugesagt. Gerade unsere älteren Stammgäste haben sich darüber gefreut, weil ein bekanntes Gesicht die Leitung übernommen hat“, so Faller.

Neues Gemeindezentrum neben historischem Gotteshaus

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Im Zuge der Schließung des Gemeindezentrums in Westhausen hatte sich die Evangelische Kirchengemeinde Hausen dazu entschlossen, ihr Gemeindezentrum im alten Hausener Ortskern abzureißen und neu zu errichten. Letztlich hat die historische Bedeutung des Standorts mit der der klassizistischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert für das Hausener Zentrum den Ausschlag gegeben.

Die russisch-orthodoxe Kirche

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Architektonisch reizvoll ist die St.-Nikolaus-Kirche, die sich am Ortseingang in der Straße „Am Industriehof“ befindet. Sie wurde 1967 fertiggestellt und 1979 unter Leitung des Erzbischofs und späteren Metropoliten der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland Vitalij Ustinov geweiht. Die Architektur ist dem Pleskau-Stil aus dem 15./16. Jahrhundert nachempfunden. Entworfen und gebaut wurde das Gotteshaus durch den Ernst-May-Schüler Wolf Drevermann. Die Inneneinrichtung entspricht den Vorschriften der russisch-orthodoxen Kirche im Nowgorod-Stil. Ein neues Gemeindezentrum wurde in den Jahren 2005 bis 2008 errichtet.

Ein Irrtum

Bild-Zoom Foto: Michael Faust

Es gehört zu den größten Irrtümern des Stadtteils, dass der Industriehof zu Hausen gehört. Tatsächlich liegt er in der Gemarkung Bockenheim. Eine Ursache des Irrtums liegt in der komplizierten Frankfurter Verwaltungsgliederung in Orts- und statistische Bezirke. Das Gebiet ist mit dem statistischen Bezirk 343 nahezu deckungsgleich. Dieser liegt aber nicht wie das restliche Bockenheim im Ortsbezirk Innenstadt II, sondern im Ortsbezirk Mitte-West, zu dem auch Hausen gehört. Außerdem ist der Industriehof durch die Bahntrasse und den Grüngürtel von Bockenheim getrennt. Das rund 35 Hektar große ehemalige Militärgebiet – die Torbögen der ehemaligen Kaserne sind im Bild zu sehen – besteht heute zu zwei Dritteln aus Büro- und Gewerbegebiet und zu einem Drittel aus einer Wohnsiedlung.

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