Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Hier war Friedrich auf Freiersfüßen

Um seine Geliebte zu besuchen, lief der Dichter Friedrich Hölderlin regelmäßig von Bad Homburg nach Frankfurt und zurück. Der Weg, der auch entlang der Nidda führt, trägt daher den Namen „Hölderlin-Pfad“. Der Dichterclub aus Dreieich setzte nun am Alten Flugplatz einen Gedenkstein zu Ehren des großen Mahners.
<span></span> Bilder >
Bonames. 

„Daran habe ich noch gar nicht gedacht, was für ein interessanter Gedanke“, sprudelt es aus Herbert Sprenger heraus. Kurz zuvor war ihm die Wahrscheinlichkeit nahegelegt worden, dass einer seiner Vorfahren dem berühmten deutschen Dichter Friedrich Hölderlin (1770–1843) über den Weg gelaufen sein könnte. Denn seine Familie hat es im 17. Jahrhundert nach Frankfurt geschwemmt, wie er sagt.

Sprenger steht an der Robert-Gernhardt-Brücke, die am Rande von Bonames über die Nidda führt. Hölderlin ist hier regelmäßig vorbeigelaufen auf dem 22 Kilometer langen Weg zu seiner Geliebten im Frankfurter Nordend. Von Bad Homburg aus marschierte er einmal im Monat drei Stunden in die Messestadt. Ein strammes Tempo legte er vor, offenbar hatte er große Sehnsucht nach seiner Liebsten. Der Weg trägt seit Juni 2008 den Namen „Hölderlin-Pfad“.

Durch das Engagement von Sprenger und seinen Mitstreitern wird Spaziergängern ab sofort noch deutlicher erklärt, auf wessen Fährte sie sich bewegen: Sprenger und weitere Mitglieder des Dichterclubs aus Dreieich haben gestern nämlich neben der Gernhardt-Brücke einen Gedenkstein zu Ehren Hölderlins eingesetzt.

Verlockung der Liebe

„Es zeigt, wie groß die Verlockung der Liebe war, wenn jemand regelmäßig einen solch langen Weg bestritt“, sagt Alexander Köhnlein vom Dichterclub. Hölderlin hatte sich als Hauslehrer des Frankfurter Bankiers Gontard in dessen Gattin Susette verliebt. Als das Verhältnis aufflog, warf ihn der Bankier hinaus und der Dichter fing an zu laufen. Köhnlein zweifelt aber, ob Hölderlin den Weg auch heute noch auf sich nehmen würde: „Das Leben hat seinerzeit stark an ihm genagt, er kam mit der Welt nicht zurecht. Ob es ihm heute leichter fiele, weiß ich nicht.“

Bei allem Weltschmerz ließ Hölderlin es sich nicht nehmen, die Zerrissenheit seiner deutschen Landsleute in Gedichten zu kritisieren – allerdings selten wie ein Misanthrop. Letztlich entließ Hölderlin sein Publikum nie, ohne ihm auch positive Gedanken mit auf den Weg zu geben. Jene Eigenschaft und seine Mahnungen wären heute gefragter denn je, findet Köhnlein, weshalb er die Steinsetzung nicht nur als Gedenken an den großen Lyriker, sondern auch als Ruf nach Charakteren sieht, die wie Hölderlin die richtigen Worte finden, um die aktuelle Zerrissenheit der Deutschen anzuprangern. „Doch solche Typen fallen mir aktuell nicht ein“, bedauert Köhnlein.

Der Dichterclub hat zu Ehren „solcher Typen“ bereits andere Gedenksteine gesetzt. In Sprendlingen wird damit Friedrich Schiller gewürdigt, in Eisenach Martin Luther.

„Der Hölderlin-Stein ist der mittlerweile achte Gedenkstein, in Frankfurt aber ist es der erste“, sagt Köhnlein. Aus eigener Kraft hätte der Dichterclub ihn nicht setzen können. Sechs davon wurden von der Neu-Isenburger Steinmetz-Firma Axel Kauffmann angefertigt, gespendet und in die Erde gelassen.

Seit einigen Jahren schon hatte der Dichterclub den Hölderlin-Stein im Sinn. Die größte Hürde seien die Verhandlungen mit Frankfurter Behörden – Grünflächenamt und Straßenverkehrsamt – gewesen. Diese hätten überzeugt werden müssen, dass der Gedenkstein nicht die Verkehrssicherheit gefährdet.

Junge Mitglieder fehlen

Um weiterhin große deutsche Dichter und Denker ehren zu können, braucht der Verein mehr als handwerkliche Hilfe und einen langen Atem. Wie Köhnlein berichtet, mangelt es dem Dichterclub an neuen Mitgliedern, vor allem jungen Mitgliedern, die die Tradition des Vereins fortsetzen. Doch die finden sich so schwer wie jene „Typen“, die Köhnlein sich für Deutschland wünscht.

Doch Sprenger, Köhnlein und die übrigen Dichterfreunde zeigen denselben Optimismus, den auch Hölderlin trotz seiner lebenslangen Suche nach dem Seelenheil predigte. Jene Einstellung würdigt der Dichterclub, indem er den Gedenkstein am Hölderlin-Pfad mit einem der wichtigsten Zitate des Dichters versehen ließ: „Was wäre das Leben ohne Hoffnung.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse