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Miniatur: Ihr Goetheturm ist ihr ganzer Stolz

Als der Goetheturm in Flammen aufging, verlor Frankfurt nicht nur ein Wahrzeichen, die Kinder des Horts im Grethenweg 43 trauern auch um ihren Ausflugsort. Doch das haben sie beim Basteln verarbeitet – und haben nun noch einige neue Ideen.
Kinder des Kinderzentrums Grethenweg haben aus Holz einen kleinen Goetheturm gebastelt. Peter Loch (hinten) war maßgeblich am Bau beteiligt. Foto: Michael Faust Kinder des Kinderzentrums Grethenweg haben aus Holz einen kleinen Goetheturm gebastelt. Peter Loch (hinten) war maßgeblich am Bau beteiligt.
Sachsenhausen. 

Während immer noch Spenden gesammelt werden, um den Wiederaufbau des am 12. Oktober restlos abgebrannten Goetheturms zu unterstützen, ist er im Sachsenhäuser Grethenweg schon längst wieder auferstanden – wenn auch nur im Kleinen.

Dort haben die Hortkinder vom Kinderzentrum Grethenweg zusammen mit Erzieher Peter Loch aus Stöckchen, Holzresten, Pappe und Papier eine nahezu originalgetreue Nachbildung der Frankfurter Sehenswürdigkeit gebastelt. Die ist nun der Stolz des ganzen Hortes und wurde zu Weihnachten noch mit Tannenzweigen und einem Kometen dekoriert.

„Richtig erschüttert“

„Nachdem der Goetheturm abgebrannt war, waren die Kinder richtig erschüttert. Er ist ja ein echtes Sachsenhäuser Wahrzeichen, jedes Kind kennt ihn“, berichtet Peter Loch und tut sich selbst noch schwer damit, vom Goetheturm in der Vergangenheitsform zu sprechen. Nach dem Brand, der in die Herbstferien fiel, machten sich die Hortkinder mit ihren Betreuern auf zum Unglücksort, den sie zuvor schon von Ausflügen kannten.

„Das war ganz schön traurig“, erzählt die sieben Jahre alte Lilly. Sie war mit ihren Eltern vorher nur einmal am Goetheturm gewesen, trotzdem gehörte er für sie einfach zu Sachsenhausen dazu. Sie erinnert sich gut daran, wie schön es oben auf der Spitze war und daran, dass ihr Bruder es doof fand. „Ich würde mir wünschen, dass man den Turm wieder aufbaut, genauso wie er war“, sagt sie. „Und dass ihn dann niemand wieder abfackelt.“

Gemeinsam mit den Erziehern schrieben die Kinder ihre Eindrücke auf Zettel, etwa: „Der Spielplatz ist nicht mehr so schön, weil der Goetheturm nicht mehr da ist.“ Oder: „Auch wenn er neu gebaut wird, ist es nicht mehr der Goetheturm.“ Anschließend begann Peter Loch, das Außengerüst nachzubasteln und bot den Kindern an, dass sie ihm helfen können. Die Resonanz war größer als erwartet. Viele der 42 Grundschulkinder, die im Hort betreut werden, waren mit Feuereifer dabei. Sie hantierten mit Heißklebepistolen, steckten, schnitten und falteten, was das Zeug hielt.

Sehr viel Herzblut

Kaum stand das Außengerüst, forderten die Kinder noch eine Treppe und Geländer, ein Tor sowie Besucher auf der Aussichtsplattform. „Die Idee mit den Menschen hatte ich“, sagt Lilly stolz. Schaut der Betrachter genau hin, sieht er auf der Spitze des Turms die Hortkinder versammelt, alle aus Fotos ausgeschnitten. Für viele der Kinder ein vertrautes Bild, schließlich haben sie früher Gruppenausflüge zum Turm gemacht.

„Jeder hat beim Basteln mitgeholfen, so wie er kann“, berichtet Peter Loch. Anfangs hatte er noch Witze darüber gemacht, dass sie den Miniatur-Turm am Ende auch abbrennen würden. Doch davon will er mittlerweile nichts mehr wissen. Viel zu viel Mühe und Herzblut haben alle hineingesteckt.

Stattdessen denken Kinder und Erzieher darüber nach, den Mini-Turm zu verkaufen und das Geld für den Wiederaufbau zu spenden. Oder vielleicht will ihn auch das Historische Museum? „Schließlich ist er jetzt ein Teil der Geschichte Frankfurts“, so Loch. Während er erzählt, kommt der siebenjährige Dean um die Ecke geschossen und unterbricht: „Können wir noch einen Spielplatz für den Goetheturm basteln? Wir brauchen nur zwei Stangen, und dann… “

Seine Pläne sind schon sehr konkret, Peter Lochs Reaktion aber erst mal zurückhaltend. „Ich bin für eine kleine Atempause.“ Eine Aufzugskabine war ebenfalls im Gespräch, um den Mini-Turm barrierefrei zu machen. Bastlerin Lilly bringt es schließlich auf den Punkt: „Ich bin glücklich, dass wir den Turm gebaut haben, aber auch traurig, weil es nicht der echte ist.“

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