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Dezernent verteidigt Vorschlag für einen neuen Stadtteil: Interview mit Mike Josef: „Wir bauen eine Brücke in die Region“

Mit dem Vorschlag, an der Stadtgrenze zu Steinbach einen neuen Stadtteil mit rund 10 000 Wohnungen zu planen, hat Planungsdezernent Mike Josef (SPD) kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Im Gespräch mit FNP-Redakteur Günter Murr reagiert er auf die Kritik und erläutert, wie das neue Quartier gelingen soll.
Mike Josef will erreichen, dass der neue Stadtteil keine reine Schlafstadt wird, sondern ein lebendiges Quartier von hoher städtebaulicher Qualität. Foto: Michael Faust Mike Josef will erreichen, dass der neue Stadtteil keine reine Schlafstadt wird, sondern ein lebendiges Quartier von hoher städtebaulicher Qualität.

Herr Josef, Ihr Vorschlag für einen neuen Stadtteil hat heftige Reaktionen hervorgerufen. Hatten Sie damit gerechnet?

MIKE JOSEF: Es ist keine neue Erkenntnis, dass bei neuen Baugebieten um die ökologische Verträglichkeit, um den Verkehr oder um den Lärmschutz diskutiert wird. All diese Fragen werden wir jetzt untersuchen und etwa nachweisen, dass die Frischluftzufuhr weiterhin funktioniert und die Mobilität gesichert wird. Aber es gibt auch viele positive Rückmeldungen. Wir müssen uns beim Wohnbauland für die nächsten 15 Jahre aufstellen. Wenn wir das jetzt verschlafen, sind die Auswirkungen, insbesondere die sozialen, negativ für die Stadt und die Region. Am Beispiel eines konkreten Gebiets können wir zeigen, dass die regionale Zusammenarbeit funktioniert.

Wie soll das gelingen? Aus den Nachbargemeinden kommt derzeit doch vor allem Kritik.

JOSEF: Wir haben schon mit den Umlandgemeinden geredet. Stadt und Region haben eine gemeinsame Aufgabe. Wir müssen die Menschen mit Wohnraum versorgen und die Verkehrsinfrastruktur ausweiten. Durch ein neues Baugebiet kann man zum Beispiel neue Angebote im öffentlichen Personennahverkehr oder für den Radverkehr schaffen. Auch die vorgesehene Südumgehung von Weißkirchen bis Eschborn – über Details wird zu reden sein – führt zu einer Entlastung. Die zusätzliche Infrastruktur, die geschaffen wird, kommt auch den Nachbargemeinden zugute.

Trotz dieser Argumente ist der Widerstand groß.

JOSEF: Selbstverständlich ist es das Recht der Umlandgemeinden zu sagen, dass sie ihre Eigenständigkeit erhalten wollen und dass erkennbar bleiben soll, wo Frankfurt endet und Steinbach oder Oberursel beginnt. Das werden wir im Städtebau berücksichtigen und sie dabei auch einbinden. Wir werden auch großzügig mit Frei- und Grünflächen arbeiten, gerade an den Grenzen zu den Umlandgemeinden. Das Untersuchungsgebiet hat eine Fläche von insgesamt 550 Hektar, davon sehen wir in unserem Strukturkonzept 192 Hektar Nettobauland vor. Vor allem das Gebiet im Norden in Richtung Oberursel, das im Landschaftsschutzgebiet II liegt, versuchen wir von Bebauung freizuhalten. Dafür muss man an der einen oder anderen Stelle vielleicht mal ein Stockwerk höher bauen.

Wird die Bebauung die Frischluftzufuhr blockieren?

JOSEF: Wesentlich für das Stadtklima sind die Winde aus dem Südwesten und aus der Wetterau, die über die gesamte Stadt ziehen. Beim neuen Stadtteil reden wir über eine lokal wirksame Frischluftschneise. Um sie zu erhalten, werden wir den Steinbach und den Urselbach von Bebauung freihalten. In der Mitte des Baugebiets werden wir mit Korridoren arbeiten, durch welche die Frischluft strömen kann. Wir werden jetzt Klimagutachten in Auftrag geben. Ich sehe durchaus auch Chancen: Derzeit strömt die Luft ja über die Autobahn, nimmt die Schadstoffe mit und sinkt dann ins Niddatal. Wenn man mit Landschaftsbrücken oder einer kleineren Einhausung arbeitet, kommt die Luft sauberer in Frankfurt an.

Stadtrat Mike Josef (SPD, links) erläutert FNP-Redakteur Günter Murr seine Pläne für den neuen Frankfurter Stadtteil. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Stadtrat Mike Josef (SPD, links) erläutert FNP-Redakteur Günter Murr seine Pläne für den neuen Frankfurter Stadtteil.

Das klingt nach aufwendiger Infrastruktur. Hinzu kommen Straßen sowie die Verlängerung der U-Bahn, Schulen, Freizeitangebote. Macht das den neuen Stadtteil nicht teuer?

JOSEF: Ein neuer Stadtteil ist immer eine Investition in die Zukunft. Wir haben uns für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme wie auf dem Riedberg entschieden, weil wir mit der Differenz des Preises für Ackerland und Wohnbauflächen in die Infrastruktur investieren können. Bei der Frage des Lärmschutzes an der Autobahn haben wir die Situation, dass der Ausbau der A 5 Priorität im Bundesverkehrswegeplan hat. Durch Gespräche mit dem Bund können wir versuchen, eine finanzielle Entlastung zu erreichen. Unser Ziel ist es, die Verkehrsinfrastruktur hinzukriegen, bevor die erste Wohnung steht.

Am Riedberg sind die Grundstückspreise trotz der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme relativ hoch. Wie wollen Sie sicherstellen, dass im neuen Stadtteil die Wohnungen bezahlbar bleiben?

JOSEF: Rund 40 Prozent der Flächen gehören der Stadt oder stadtnahen Stiftungen. Mit diesem Grund und Boden können wir ganz anders umgehen als mit privaten Flächen. Deshalb glaube ich, dass tatsächlich bezahlbarer Wohnraum entsteht. Damit meine ich nicht nur Sozialwohnungen, sondern auch Angebote für mittlere Einkommen.

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