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Legionellenbefall: Kalte Dusche für Spitzen-Judoka

Seit September trainiert der Deutsche Judo-Bund (DJB) in Frankfurt Hessens beste Judoka. Doch im Januar war es damit schon wieder vorbei: Die Duschen in der Turnhalle der Ludwig-Börne-Schule sind unbenutzbar. Wenn sich das nicht bald ändert, scheitert das Projekt, bevor es richtig begonnen hat. Doch die Stadt hat noch nicht einmal das Problem erkannt.
Vinh Ky Wolf, Manuel Franzmeier und der Vorsitzende Axel Schönberger (von links) vom 1. Deutschen Judo-Club sind genervt, dass sie nach ihrem Training nicht duschen können. Der Deutsche Judoverband hat seinen Stützpunkt für Hessens beste Kämpfer deshalb bis zu den Osterferien ausgesetzt. Bilder > Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Vinh Ky Wolf, Manuel Franzmeier und der Vorsitzende Axel Schönberger (von links) vom 1. Deutschen Judo-Club sind genervt, dass sie nach ihrem Training nicht duschen können. Der Deutsche Judoverband hat seinen Stützpunkt für Hessens beste Kämpfer deshalb bis zu den Osterferien ausgesetzt.
Innenstadt. 

Hamburg hat einen, Sachsen hat einen, Bayern sogar mehrere: Sogenannte DJB-Regionalstützpunkte, an denen die besten Judoka der nahen und weiteren Umgebung regelmäßig von Bundestrainern unterrichtet werden. Hessen hätte bald auch einen bekommen sollen: Im vergangenen September hat ein Probetraining begonnen, das irgendwann in die Gründung des ersten hessischen Regionalstützpunktes münden sollte.

Doch das Projekt steht schon wieder auf der Kippe. Denn in der Turnhalle der Ludwig-Börne-Schule in der Lange Straße, wo das Training immer donnerstags stattfindet, können die Sportler nicht duschen. Und das seit Oktober.

„Judo ist sehr schweißtreibend, und unsere Athleten kommen teilweise aus Kassel, Wiesbaden oder Aschaffenburg. Sie dann ungeduscht stundenlang Auto oder Zug fahren zu lassen, das funktioniert nicht“, sagt Mark Borchert, Sportdirektor des DJB. Zudem bestehe die Gefahr, sich mit nassen Haaren auf dem Weg zum Bahnhof oder Parkhaus zu erkälten, ergänzt Axel Schönberger, Vorsitzender des 1. Deutschen Judo-Club (1. DJC), der dem Bundesverband donnerstags seine Trainingszeit zur Verfügung stellt. „Die Leute kommen einmal und nie wieder.“ Mitte Januar setzte der DJB das Training ab sofort und mindestens bis zu den Osterferien aus.

Der zweite Fall nach 2016

Grund für die gesperrten Duschen sind Legionellen, die bei einer Tröpfcheninfektion Lungenentzündung auslösen können. Die gab es in der Turnhalle der Ludwig-Börne-Schule bereits vor Jahren. Auch damals waren die Duschen gesperrt – mehrere Jahre lang. 2016 wurde die Stadt schließlich aktiv: Für rund 150 000 Euro wurde die Zahl der Duschen von sechs auf drei halbiert, sie wurden auf elektronische Duschpaneele mit Selbstspülung umgerüstet, und die Wasserleitungen wurden erneuert.

Die Turnhallen-Offensive

Die gesperrten Duschen sind nicht das einzige Problem in der Turnhalle der Ludwig-Börne-Schule in der Lange Straße. Laut dem dort trainierenden 1.

clearing

Weil es immer wieder Probleme mit Legionellen gibt, untersuchte das Gesundheitsamt die Ludwig-Börne-Schule seitdem regelmäßig – und wurde im Oktober vergangenen Jahres erneut fündig. Also wurden die Duschen wieder gesperrt. „Solange die Ursache für die ständige Legionellenbildung unklar ist, kann die Frage, wann die Duschen wieder in Betrieb gehen, derzeit nicht beantwortet werden“, sagt Elke von Busekist vom Dezernat für Bau und Immobilien. Eine Schwachstellenanalyse sei in Arbeit.

Sauer auf die Stadt

„Wir warten seit Oktober, und die Stadt weiß immer noch nichts“, ärgert sich Axel Schönberger. Der Club-Vorsitzende ist es, der sich vor dem DJB rechtfertigen muss; bereits Ende Januar hat sich der Verband schriftlich bei ihm über die Situation beschwert. Denn die Trainingspläne für die Zeit nach den Osterferien müssen spätestens Ende Februar fertig sein. „Und wenn bis zu den Osterferien nichts geschieht, müssen wir uns überlegen, ob das der richtige Standort ist“, sagt DJB-Sportdirektor Borchert.

Dabei wäre die Ludwig-Börne-Turnhalle eigentlich ideal: „Sie ist zentral und gut erreichbar, und wir haben ehrenamtliche Helfer, die sich um den Auf- und Abbau der Matten kümmern“, sagt Borchert: Wenn der Bundestrainer und seine Judoka ankommen, haben die Vereinsmitglieder die Halle schon vorbereitet, das Training kann sofort beginnen. Zudem, so Borchert, sei der 1. DJC der ideale Partner: „Weil er nicht zu den ganz großen hessischen Vereinen gehört, die untereinander in starker Konkurrenz stehen, hat keiner Berührungsängste, bei ihm zu trainieren.“

Gerade ob dieses Lobes ist Vereinsvorsitzender Schönberger besonders frustriert. „Es wäre toll für alle hessischen Judoka, wenn der Stützpunkt kommt. Aber die Stadt scheint daran kein Interesse zu haben.“

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