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Versteigerung von Fundsachen: Kuriositäten unter dem Hammer

Alles was der Mensch besitzt, kann er auch verlieren: Das weiß Horst Schmidt vom Fundbüro im Gallus aus eigener Erfahrung. Er leitetet als Auktionator die Versteigerung von Fundsachen, die nun wieder stattgefunden hat – und Kuriositäten zum Vorschein brachte.
Koffer, Schirme, Handtaschen: Vieles kommt unter den Hammer. Foto: Rainer Rüffer Koffer, Schirme, Handtaschen: Vieles kommt unter den Hammer.
Gallus. 

Etwa vierzig Menschen stehen und sitzen im Foyer, nicht alle passen in die Stuhlreihen, und vorne ein Tisch, der von allem Möglichen umringt ist: Taschen, Kinderwägen, Koffer, Schmuck. So sieht es alle zwei bis drei Monate im Eingangsbereich des Ordnungsamts im Gallus aus, wenn Besucher das ersteigern können, was in den Wochen zuvor die Aufbewahrungsfrist von sechs Monaten überschritten hat.

Horst Schmidt, Auktionator und Verwaltungsangestellter des Fundbüros, hievt eine Damenhandtasche auf den Tisch und fängt an, Pflegeprodukte auszupacken. „Shampoo für leichtes, lockeres Haar“, preist er selbstironisch die Flasche in seiner Hand an. „Wer gibt mir für die Tasche zehn Euro? Zwölf?“ Nach der Tasche ist eine Kettensäge dran. Wer am meisten bietet, kommt gleich nach vorne, holt seine Beute ab und bezahlt in bar. Etwa hundert Positionen fanden diesmal einen neuen Besitzer.

Fundbüro-Mitarbeiter Horst Schmidt zeigt den Auktionsbesuchern, was sich in dem schwarzen Koffer befindet. Bild-Zoom Foto: Rainer Rüffer
Fundbüro-Mitarbeiter Horst Schmidt zeigt den Auktionsbesuchern, was sich in dem schwarzen Koffer befindet.

Viele Händler

Unter den Auktionsbesuchern sind neben Hobby-Ersteigerern auch Leute, die damit ihr Geld verdienen. Sie wollen nicht beim Namen genannt oder fotografiert werden. „Meine Konkurrenten müssen ja nicht immer wissen, wo ich meine Ware herbekomme“, erklärt einer. Er hat soeben eine Kiste mit Elektroteilen ergattert, sein Kollege bereits den zweiten Kinderwagen. Sie verkaufen ihre neue Ware entweder auf Plattformen im Internet oder auf Flohmärkten.

Diese Auktion sei im Vergleich zu anderen viel langsamer. „Bei anderen Versteigerungen kommen in der Stunde schon mal um die 100 Positionen auf den Tisch.“ Hier seien es eher 50 oder 60, aber die Auktion sei ja auch weniger für Profis gedacht. „Etwa ein Viertel der Leute hier sind Händler“, schätzt er.

Eine der Anwesenden, eine Dame aus Heidelberg, gehört nicht zu ihnen. Sie und ihr Mann kommen seit 35 Jahren zu den Versteigerungen des Fundbüros. „Das ist zu so einer Art Hobby geworden, wir sind ja jetzt Rentner“, erklärt sie. Die beiden haben früher in Frankfurt gewohnt, sind aber mittlerweile in die Nähe von Heidelberg gezogen. Trotzdem kommen sie zwei bis drei Mal im Jahr zur Versteigerung. Diesmal hat das Paar für 300 Euro das große Paket mit dem Fragezeichen darauf ersteigert, von dem niemand weiß, was drin ist. „Wir wollen immer das Paket mit dem Fragezeichen, aber früher war da immer ein Mann, der hat einfach nicht aufgehört zu bieten“, erzählt sie. Außer einmal. Damals war ein aufblasbares Doppelbett drin. Was sie diesmal erstanden hat, erfährt sie erst zu Hause, denn vorher packt sie das Paket nicht aus.

Sogar ein Sarg

In dem Karton könnte alles Mögliche sein, denn laut Auktionator Horst Schmidt gibt es nichts, was es nicht gibt. „Alles, was die Menschen besitzen, können sie auch verlieren“, berichtet er aus seinen 30 Jahren Erfahrung beim Fundbüro. Sogar ein Sarg sei mal gefunden worden, aber der wurde nicht versteigert.

Trotzdem gibt es ein paar Regeln. Beispielsweise werden, um die Daten der vorherigen Besitzer zu schützen, elektronische Geräte ohne Speicherplatte versteigert. Weil das bei Handys wegen ihres internen Speichers nicht geht, werden sie verschrottet. Für Fahrräder gibt es separate Auktionen. Mittlerweile kann man aber wieder Kleidung ersteigern. Zuvor gingen Kleidungsstücke an Geflüchtete. Weil der Bedarf aber mittlerweile gedeckt sei, gibt es wieder kofferweise Kleidung.

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