E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 16°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Der Rote Faden, Folge 256: Lars Obendorfer - Der Worscht-Verkäufer

Vor 24 Jahren übernahm Lars Obendorfer von seinen Eltern eine Wurstbude im Grüneburgweg. Er machte daraus einen Kult-Imbiss mit beinahe internationaler Berühmtheit - "Best Worscht In Town". Ihm widmen wir die Folge 256 unserer Serie "Der Rote Faden", in der wir jede Woche Menschen vorstellen, die Besonderes für Frankfurt leisten.
Lars Obendorfer, der Gründer von „Best Worscht in Town“, steht in der Filiale Schillerstraße. Foto: Salome Roessler Lars Obendorfer, der Gründer von „Best Worscht in Town“, steht in der Filiale Schillerstraße.

Lars Obendorfer streckt die Hand zum Gruß entgegen und sagt: „Ich bin der Larsi.“ Schon während der Terminabsprache hat er seine Mails so unterzeichnet, mit dem auffälligen „I“ am Ende. Was ist das für ein Mann, der auch Fremden gegenüber auf der Verniedlichungsform seines Namens besteht? Die Antwort: Einer, der gerade dabei ist, aus Omas Wurstbude ein Wurstimperium zu machen.

Seit 1994 führt Lars Obendorfer „Best Worscht in Town“, das früher einmal „Snack Point“ hieß. Da gab es nur einen Imbiss am Grüneburgweg, mittlerweile hat das Franchise-Unternehmen 22 Filialen in Deutschland und Österreich. Gerade bereitet Obendorfer den Sprung in die Welt vor. Der selbst ernannte „Godfather of Worscht“ hat jüngst die „Master Franchise Middle East“ vergeben, eine Lizenz für bis zu 130 neue „Best Worscht“-Filialen, die ein Scheich namens Mohammed Balbaki in den nächsten fünf Jahren in Dubai, Saudi-Arabien, England und Australien eröffnen kann.

Der Rote Faden - 
Frankfurter im Porträt,
Societäts-Verlag 2015,
208 Seiten, Bildband,
€ 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), 
ISBN: 978-3-95542-147-2 Bild-Zoom
Der Rote Faden - Frankfurter im Porträt, Societäts-Verlag 2015, 208 Seiten, Bildband, € 19,80 (D) / € 20,40 (A) / sFr 28,50 (CH), ISBN: 978-3-95542-147-2

Den Anfang soll eine Zweigstelle in Jeddah im März machen, im April und Mai sollen zwei weitere in Dubai folgen. Currywurst im Orient? Das klingt kurios. Aber Mohammed Balbaki hat schon den Fisch-Imbiss „Nordsee“ nach Dubai geholt, vor drei Jahren kostete er dann Obendorfers Currywurst und war so angetan, dass er sofort nach einer Lizenz anfragte. „Ich hab das anfangs gar nicht ernst genommen, die Idee kam mir total verrückt vor“, sagt Obendorfer. Dann trifft er sich doch mit Balbaki, die beiden Männer verhandeln, ein Jahr lang dauerte es bis zur Unterschrift. Zwischenzeitlich trudelte sogar noch eine zweite Anfrage aus Dubai ein – anscheinend passt der Wüstenstaat zur deutschen Currywurst.

Ständig telefoniert der Unternehmer mit seinen arabischen Geschäftspartnern, muss juristische Feinheiten abstimmen, sich darum kümmern, dass nicht nur die Würste, sondern auch sein Ketchup den muslimischen Speiseregeln entsprechen. Und es muss ein anderer Name für den Branntweinessig in seinen Currywurst-Saucen her, damit in Dubai niemand denkt, es wäre Alkohol darin. Er passt also manches an, aber er verbiegt sich nicht. Auch den Scheich duzt er. „Mohamed meint, wir Deutschen seien alle verrückt, es hätte noch nie jemand so respektlos mit ihm gesprochen. Aber ich glaube, er steht drauf.“

Irgendwann während des Gesprächs in den Neu-Isenburger Firmenräumen schaut seine Frau Franziska herein. „Mausi!“, ruft Obendorfer und begrüßt sie mit einem Bussi, während sie sich als „die Franzi“ vorstellt. Dreizehn Jahre sind sie schon zusammen, kennengelernt hat er sie an seiner Wursttheke, wo sich die damals 18-Jährige ihr Azubi-Gehalt aufpolierte. Sie unterstützt ihn heute im Geschäft, sie hat ihm aber auch geholfen, von seiner Body-Building-Sucht loszukommen. Obendorfer konnte vom Sport nicht lassen. „Mit 18 gab es eine Phase, in der ich viel Alkohol getrunken und zugenommen habe. Da habe ich angefangen, Sport zu machen, um abzunehmen. Meine Mutter dachte, ich wäre magersüchtig, weil ich nur noch 69 Kilo wog. Dann habe ich mit dem Muskelaufbau angefangen.“ Morgens und abends geht Obendorfer trainieren, bis zu 7000 Kalorien verbrennt er am Tag. „Bei dem Umsatz konnte ich dann auch weiter meine Würste essen.“ Aber der Sport bestimmt sein Leben, sein Denken, gibt den Zeittakt seines Alltags vor.

<span></span>
Der rote Faden Das rote Band der Sympathie

Der Societäts-Verlag hat eine Porträtreihe aus der Frankfurter Neuen Presse aufgenommen: „Der rote Faden“ vereint 40 Frankfurter, die Großes geleistet haben.

clearing

Irgendwann bemerkt Obendorfer das, und Franziska hat ohnehin genug davon, dass ihr Mann öfter im Fitnessstudio ist als bei der Familie. Er lässt nach und nach vom Sport ab. „Es ist echt wie eine Sucht gewesen. Ich habe mich richtig schlecht gefühlt, wenn ich mal nicht zum Training gegangen bin.“

Heute macht Obendorfer Yoga, und mit seinem Sohn hat er angefangen, Tennis zu spielen. Franziska Obendorfer ist Friseurmeisterin, konzentriert sich aber auf die Erziehung der Kinder: zwei Söhne und eine Tochter, vier, zehn und zwölf Jahre alt. „Irgendwann will ich ihnen das Unternehmen übergeben“, sagt ihr Mann. „Die sind zurzeit auch ganz heiß drauf, wobei sich das noch ändern kann. Dann ist es auch okay.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Ganz unten anfangen

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen