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Wettbewerb: Leihräder laufen in Frankfurt wie geschmiert

Von Immer mehr Anbieter von Leihfahrrädern drängen nach Frankfurt. Die vier bestehenden erweitern ihre Flotten, noch in diesem Monat startet ein weiteres Unternehmen. Ein Verdrängungswettbewerb ist zu erwarten.
Am Hauptbahnhof bietet Nextbike seine Leihräder an. Unsere Mitarbeiterin Elena Butz hat sie genauso getestet wie die Räder der drei bisherigen Konkurrenten. Bilder > Foto: Rainer Rüffer Am Hauptbahnhof bietet Nextbike seine Leihräder an. Unsere Mitarbeiterin Elena Butz hat sie genauso getestet wie die Räder der drei bisherigen Konkurrenten.
Frankfurt. 

Die türkis-gelben Fahrräder von Byke waren der Anfang: Im September ging das junge Unternehmen in Frankfurt mit dem ersten Angebot von Leihfahrrädern ohne feste Stationen an den Start. Jetzt zieht Gründerin und Geschäftsführerin Julia Boss Bilanz: „Wir hätten nicht gedacht, dass innerhalb so kurzer Zeit so viele Menschen aus Frankfurt und der Umgebung unsere Bykes nutzen.“ Genaue Zahlen nennt sie nicht.

Mehr als 2000 Räder hat das Unternehmen mittlerweile in Frankfurt, Langen und Dreieich positioniert, die meisten davon stehen in der Innenstadt und im Bahnhofsviertel. Eine Expansion ist laut Julia Boss geplant: „Wir erweitern unser Geschäftsgebiet laufend und werden in Bälde auch in anderen Umlandgemeinden und Nachbarstädten zu finden sein.“

Call a Bike

Call a Bikes kann man für einen Euro pro halbe Stunde und eine Gebühr von drei Euro im Jahr nutzen. Für 49 Euro im Jahr ist die erste halbe Stunde gratis.

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Nextbike

Wie bei Call a Bike stehen die Räder nur an bestimmen Stationen. Die sind allerdings nicht ausgeschildert, sondern nur über die App und die Website zu finden und mit 300 Rädern dünner gestreut als beim Konkurrenten.

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Byke

Die 2000 blau-gelben Räder machen nicht nur durch ihre Farbe auf sich aufmerksam, sondern auch dadurch, dass gefühlt an fast jeder Ecke eins steht.

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Byke

Die 2000 blau-gelben Räder machen nicht nur durch ihre Farbe auf sich aufmerksam, sondern auch dadurch, dass gefühlt an fast jeder Ecke eins steht.

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oBike

Die 1200 orange-schwarzen Räder findet man überall im öffentlichen Raum und darf sie dort auch abstellen, allerdings nicht in Parks oder Grünanlagen.

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Auf Wachstumskurs ist auch Mitbewerber oBike, der wenige Wochen nach Byke gestartet ist. „Unser Leihrad-Angebot wurde sehr gut angenommen“, teilte eine Unternehmens-Sprecherin mit. Wegen der starken Nachfrage sei die Zahl der silber-gelben Räder bereits von 500 auf 1200 aufgestockt worden. Eine Analyse habe ergeben, dass Kälte die Nutzer weniger abschreckt als Regen.

Schwerpunkt Innenstadt

Auch die Firma Limebike aus den USA hindert der Winter nicht daran, Ende Dezember mit stationslosen Leihrädern in Frankfurt zu starten. So habe man genügend Zeit, vor der zu erwartenden stärkeren Nachfrage im Frühling das Angebot aufzubauen, berichtet Caen Contee, Expansionschef von Limebike. Das Unternehmen ist wie seine Konkurrenten noch ziemlich jung, wurde erst im Januar gegründet und ist im Juni in den ersten amerikanischen Städten an den Start gegangen. Frankfurt und Zürich sind die ersten Stationen der Expansion nach Europa. 500 Räder – ausgestattet mit Gangschaltung und vandalismusresistenten Bremsen – sollen zunächst aufgestellt werden. Schwerpunkt werden die Innenstadt und das Museumsufer, aber auch die Hochschulstandorte sein. Denn als Zielgruppe hat Limebike vor allem junge Berufstätige, Touristen und Studenten im Auge. „Unser Ziel ist es, dass Bike Sharing ganz selbstverständlich wird“, sagt Contee.

Das Unternehmen setzt auf Kooperation mit der Stadt, hat schon vor einigen Wochen das Gespräch mit dem Verkehrsdezernat gesucht. Es wurde ein Team aufgebaut, das sich um die Fahrräder kümmert. Gewartet werden sie auf dem ehemaligen Neckermann-Gelände in Fechenheim, aber es sollen auch noch kleinere Stützpunkte eingerichtet werden, die über die Stadt verteilt sind. Der Grundpreis liegt bei einem Euro pro halber Stunde, es wird verschiedene Rabatt-Modelle geben. Schon bei einer Fahrt pro Tag arbeite das Unternehmen wirtschaftlich, sagt Contee. Er betont, dass Limebike keine Bewegungsdaten von Kunden verkauft – ein Vorwurf, der den neuartigen Anbietern von Leihrädern häufig gemacht wird. Allerdings werden die Daten in anonymisierter Form kostenlos der Stadt angeboten. Wenn diese wisse, auf welchen Routen die Räder genutzt werden, könne sie die Infrastruktur anpassen. Dafür solle die Stadt Geld ausgeben, findet Contee. Subventionen für den Fahrradverleih erwartet er hingegen nicht.

Kaum Vandalismus

Er fürchtet nicht, dass die Fahrräder im größeren Stil beschädigt werden, sie seien sehr robust. Geplant ist, sie nach zwei bis drei Jahren auszutauschen. Für Konkurrent oBike ist Frankfurt ein wenig problematischer Standort: Es gebe weniger Vandalismus als in anderen europäischen Städten, so eine Sprecherin. Servicepartner würden außerdem dafür sorgen, dass sich nicht übermäßig viele Räder an einer Stelle sammeln.

Dieses Phänomen hatte in Städten wie München oder Zürich zu erheblicher Kritik am stationslosen Fahrradverleih geführt. Dort hatten die Räder Gehwege blockiert. Das Frankfurter Verkehrsdezernat hat bereits eine Richtlinie angekündigt, in der geregelt werden soll, wo die Leihräder überall nicht abgestellt werden dürfen. Grünanlagen oder Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs sollen zum Beispiel tabu sein.

Diese Regeln werden umso wichtiger, je mehr Anbieter auf dem Markt sind. Caen Contee von Limebike sieht ein Potenzial von einem Leihfahrrad pro 100 Einwohner – das wären gut 7000 in Frankfurt. Wie viele Anbieter stationsloser Leihräder werden sich den Markt aufteilen? Ein viertes Unternehmen, Mobike, will ebenfalls nach Frankfurt kommen. Ein Verdrängungswettbewerb ist absehbar. Contee vermutet, dass am Ende nur zwei Anbieter übrig blieben. „Wir wollen natürlich einer dieser beiden sein.“

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