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Leben wie in Disneyland: Neue Bewohner der Frankfurter Altstadt sehen Situation zwiegespalten

Noch stehen viele Wohnungen in der neuen Altstadt leer, Baulärm dringt durch Gassen und Wände. Die, die schon da sind, sind dennoch begeistert. Allerdings nur von den Gebäuden. Beim Drumherum stört sie einiges.
Täglich ziehen Massen durch die engen Gassen. An den vielen Touristen stören sich die Bewohner aber kaum. Foto: Boris Roessler (dpa) Täglich ziehen Massen durch die engen Gassen. An den vielen Touristen stören sich die Bewohner aber kaum.
Frankfurt. 

An sich ist Peter Bruckner glücklich. „Es ist total geil, was die Dom Römer GmbH hier hingestellt hat, das sucht wirklich seinesgleichen“, sagt er und zeigt auf die hohen, luftigen Räume, in denen er seit Mai mit seiner Familie wohnt. Auch Richard Lang einige Häuser weiter hinten und einige Stockwerke weiter oben ist begeistert. „Handwerklich ist hier alles wunderbar gemacht“, sagt er. Beide heißen eigentlich anders, weil ihnen und ihren Familien immer wieder Sozialneid entgegenschlage, möchten sie ihren wirklichen Namen nicht in der Zeitung lesen.

Stadtentwicklung 360-Grad: So sieht Frankfurts neue Altstadt aus

Heute nehmen wir Sie mit in die Frankfurter Altstadt. Das Schmuckästchen zwischen Dom und Römer ist fast fertig. Gesellen Sie sich zu uns auf den Hühnermarkt und klettert mit aufs "Belvederche". Was das ist? Wir verraten es es Ihnen auf unserer 360-Grad-Tour.

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Und dann kommt bei beiden das Aber. Ein Aber, das nicht das Naheliegendste ist. Denn die Touristen, derer nach Hochrechnungen der Tourismus+Congress GmbH täglich 5000 die Altstadt durchwandern, sind es nicht. „Die sind so ein monotones

Manche Reisefotografen übertreiben es und schieben sogar Bewohner zur Seite, wenn sie ihnen im Bild stehen. Bild-Zoom Foto: Boris Roessler (dpa)
Manche Reisefotografen übertreiben es und schieben sogar Bewohner zur Seite, wenn sie ihnen im Bild stehen.

Hintergrundgemurmel, die stören überhaupt nicht“, sagt Lang. Insbesondere nicht die Reisegruppen, die ihre Führung über Funkmikrophone und -kopfhörer bekämen, und die deshalb noch weniger auffielen.

Der tanzende Druide

Klar, ab und zu seien auch Menschen dabei, die in seine Privatsphäre eindringen, sagt Bruckner. „Manchmal wollen sich zum Beispiel völlig Fremde auf ein Glas Wein zu mir einladen.“ Einmal sei nachts eine Art Druide mit Stab und Tamburin vor dem Balkon herumgetanzt und erst verschwunden, als er damit gedroht habe, die Polizei zu rufen. Und wenn er mit seinem Sohn auf der Straße kicke, seien sie schon des Öfteren von Touristen verdrängt worden, die die beiden nicht auf ihrem Foto haben wollten. Meistens könne er seine neue Umgebung aber genießen. „Am Sonntag mit einer Tasse Kaffee draußen, vor mir eine italienische Reisegruppe: Andere Leute müssen dafür in den Urlaub fahren.“

 

Aber das Aber, das bleibt. „Die Stadt tut alles, damit die Altstadt für Touristen attraktiv wird“, sagt Bruckner. „Aber wir sind hier nicht in Disneyland, hier leben Menschen. Und für die tut die Stadt nichts.“

Zum Beispiel beim Thema Straßenmusikanten. Die müssen eigentlich verschiedene Regeln einhalten: nicht lauter als 60 Dezibel, nur eine Stunde, danach muss an dieser Stelle eine Stunde lang Ruhe sein, sonntags ist generell Ruhetag. „Die Regeln gibt es, aber ihre Einhaltung wird nicht kontrolliert“, sagt Bruckner. Lang bestätigt: „Manchmal hört man fünfmal La Paloma in drei Stunden. Da bekommt man langsam zu viel.“ Das Ordnungsamt, sagt Bruckner, habe ihm die Auskunft gegeben, dass eine Regulierung politisch nicht gewünscht sei.

Das Ordnungsamt widerspricht. „Es ist nicht zutreffend, dass wir Verstöße nicht ahnden“, sagt dessen Sprecher Ralph Rohr. Im Rahmen der normalen Streife und nach Bürgerhinweisen würden sie durchaus angezeigt, gegebenenfalls auch Instrumente beschlagnahmt. Wer das erste Mal erwischt werde, müsse unterschreiben, dass er über die Spielregeln aufgeklärt worden sei.

Auch bei der Vermarktung der Wohnungen habe es Missverständnisse gegeben. Lang, dessen Eingang in einem etwas abseitigen Innenhof liegt, habe gesagt bekommen, der Hof werde geschlossen sein. Das Tor sei aber nicht abschließbar, es sei schon vorgekommen, dass Passanten die stille Ecke für ihre Notdurft nutzten. Oder zum Vorglühen. Dabei ist der Hof so eng, dass jedes unten gesprochene Wort laut nach oben hallt.

Raser in der Braubachstraße

Bruckner kaufte seine neue Wohnung 2014 in der Annahme, dass er zwei Parkplätze bekommen würde. Beim Einzug fand er heraus: Es gibt nur einen subventionierten Parkplatz in der Tiefgarage. Für zwei Berufstätige mit einem Kleinkind schwierig. Und auch an der Braubachstraße gebe es Probleme: Immer wieder rasten Autos mit mehr als 50 Stundenkilometern durch die Straße. „Da müsste eine Verkehrsberuhigung her.“ Und die Gastronomie habe manchmal bis spät in die Nacht geöffnet. Dass das Ordnungsamt hier nur bei Hinweisen aus der Bevölkerung tätig wird, hält Bruckner für zu wenig. „Wir wussten ja, worauf wir uns einlassen. Aber auch in der neuen Altstadt gibt es Spielregeln für ein gutes Zusammenleben. Und die Stadt muss dafür sorgen, dass sie durchgesetzt werden.“ Denn Sozialneid hin oder her: In Disneyland würde niemand dauerhaft leben wollen.

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