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OB-Kandidaten: Peter Feldmann erzählt von seiner Jugend in der Bügelsiedlung

Von Auf einem Spaziergang durch Bonames erklärt Peter Feldmann, was ihn in seiner Kindheit dort prägte. Und wie er später zurückkehrte, um Jugendlichen mit schwierigeren Startbedingungen zu helfen. In zwei Wochen will der SPD-Politiker als Frankfurter Oberbürgermeister wiedergewählt werden.
Peter Feldmann (SPD) mit FNP-Redakteur Daniel Gräber auf der Nidda Brücke. Foto: Heike Lyding Peter Feldmann (SPD) mit FNP-Redakteur Daniel Gräber auf der Nidda Brücke.
Frankfurt. 

Das Nilgans-Problem hätte der junge Peter Feldmann womöglich ganz anders gelöst, als es derzeit in der Stadtpolitik diskutiert wird. Bei dieser Andeutung muss es aber leider bleiben. Denn was der Oberbürgermeister beim Spaziergang durch Bonames (beziehungsweise den Südzipfel Nieder-Eschbachs) über seine Jugendsünden am Weiher erzählt, bleibt Reportergeheimnis. Ehrenwort.

Wir erklären die OB-Wahl in Frankfurt:

Der kleine See liegt mitten in der als Problemviertel verschrienen Hochhaussiedlung am Bügel. Ein paar Enten ziehen ihre Kreise an diesem Winternachmittag auf der Wasseroberfläche. Ansonsten ist nicht viel los. Feldmann führt durch das Viertel, weil er nicht weit davon aufgewachsen ist. Der Bügelweiher war damals größer, die Hochhäuser am Ben-Gurion-Ring noch nicht gebaut. „Wir haben hier Lagerfeuer gemacht“, erinnert sich der 59 Jahre alte Sozialdemokrat.

„Das ist der Mann von den Plakaten“, ruft ein Junge mit Schulranzen aufgeregt seinen Freunden zu, als wir an ihnen vorbeigehen. Peter Feldmann, dem 2012 ein Überraschungserfolg bei der Wahl zum Nachfolger der CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth gelang, kandidiert nun für eine zweite Amtszeit. Seine Wahlkampffotos hängen auch in Bonames an jeder Straßenecke.

„Als ich hier gelebt habe, war es immer mein Traum, eines Tages ins Nordend zu ziehen“, erzählt Feldmann. Aus seinem Grundschuljahrgang seien nur drei aufs Gymnasium gegangen, sagt er. Einer davon war er. Aber das habe nicht daran gelegen, dass seine Klassenkameraden alle dümmer waren. „Es gibt Stadtviertel, in denen man sich dafür rechtfertigen muss, sein Kind nicht aufs Gymnasium zu schicken. Und es gibt Stadtviertel, in denen ist es genau anders herum“, sagt Feldmann.

Dem Kampf der Arbeiterklasse fühlte sich Feldmann schon früh verpflichtet. Mit zwölf Jahren habe er eine Kindergruppe der „Falken“ geleitet. „Rote Pfadfinder“, nennt er die sozialistische Jugendbewegung.

Auf einer neuen Stahlbrücke, die über den idyllischen Altarm der Nidda führt, schwärmt er von der Freiheit der Natur. „Wenn man in einem Hochhaus mit kaputten Aufzügen und heruntergerissenen Briefkästen lebt, fühlt man sich hier ganz anders. Wir haben Hütten gebaut und darüber diskutiert, wie man es dort, wo wir herkamen, besser machen kann.“ Seine Lebensgeschichte, das versucht Feldmann bei diesem Spaziergang fast schon klischeehaft klarzumachen, ist die des großen sozialdemokratischen Traums: des Aufstiegs aus einfachen Verhältnissen. Nur hat diese Erzählung einen kleinen Haken: Sie passt nicht ganz. Feldmann wuchs zwar in einer Arbeitersiedlung auf, aber sein Vater war Kinder- und Jugendpsychologe, seine Mutter Lehrerin.

Feldmann selbst studierte Politologie. Er zog dafür nach Marburg, kehrte aber später wieder nach Frankfurt zurück. Anfang der 1990er Jahre übernahm er die Leitung des Jugendhauses am Ben-Gurion-Ring. Die derzeitige Leiterin reagiert etwas überrascht, als der Oberbürgermeister mit Pressebegleitung plötzlich unangemeldet im Hof steht.

Feldmann erklärt gerade der Fotografin, wie sie ihn vor der Graffiti-Kulisse am besten ablichten könnte. „Manche sagen ja, ich hätte ein gutes Händchen für Fotos“, sagt er schmunzelnd. Er spielt auf die Kritik an den vielen Bildern an, die sein städtischer PR-Apparat von ihm verbreitet.

Jugendliche sind am frühen Nachmittag noch keine da. Feldmann kann daher ungestört durch seine frühere Wirkungsstätte führen. Im jetzt als Tonstudio genutzten Keller war seinerzeit eine Disco. An einer Wand hängt noch ein riesiger Spiegel. „Das war für unsere eitlen Tänzer“, sagt Feldmann.

Als Jugendhausleiter, das betont Feldmann mehrmals, habe er eng mit der Polizei zusammengearbeitet. Und er sei immer dafür gewesen, dass jugendliche Straftäter harte Konsequenzen zu spüren bekommen. „Wenn einer auf der Kippe ist, kann so ein Schuss vor den Bug helfen.“ Er meint einen Kurzaufenthalt im Jugendgefängnis.

Peter Feldmann will wohl klarmachen, dass er die Phase sozialistischer Träumereien am Niddaufer längst überwunden hat. Er will nun als zupackender Pragmatiker wahrgenommen werden.

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