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Risiken von Cannabis & Co.: Projekt „Rauchzeichen“: Keine Macht den Drogen

Von Ob Alkohol, Zigaretten, Shishas oder Joints – der Reiz für Jugendliche, verbotene Substanzen auszuprobieren ist groß. Wie sie mit diesen Situationen umgehen können und im richtigen Moment „Nein“ sagen, erfahren sie beim Projekt „Rauchzeichen“ der Deutschen Herzstiftung.
Oft werden Mitschüler von anderen dazu „verführt“, Alkohol zu trinken. Um dazuzugehören machen viele mit und trinken dann mehr als sie eigentlich vertragen oder wollen. Das Projekt „Rauchzeichen“ zeigt, wie man am besten „Nein“ zu Drogen sagt. Foto: Rainer Rüffer Oft werden Mitschüler von anderen dazu „verführt“, Alkohol zu trinken. Um dazuzugehören machen viele mit und trinken dann mehr als sie eigentlich vertragen oder wollen. Das Projekt „Rauchzeichen“ zeigt, wie man am besten „Nein“ zu Drogen sagt.
Riedberg. 

Zitternd liegt Max auf dem Boden. Seine Arme zucken, seine Augen rollen, er hat Schaum vor dem Mund. Vor wenigen Minuten hat der 15-jährige Gymnasiast sich Kokain durch die Nase gezogen. Weil er Liebeskummer hat und seine Freunde ihm gesagt haben, dass es ihm mit den Drogen besser geht. Er hat sich überreden lassen, sich nicht getraut „Nein“ zu sagen. Jetzt muss ein Notarzt dem Jungen helfen.

Auch wenn es nur ein dreiminütiges Rollenspiel ist, das die Neuntklässler des Gymnasiums Riedberg an diesem Vormittag präsentieren, so ist es doch eine Situation, die sie und ihre 14- und 15-jährigen Klassenkameraden zum Nachdenken anregt. Denn sie ist aus dem Leben gegriffen, immer wieder stehen die Jugendlichen vor Situationen, in denen sie entscheiden müssen, ob sie zur Zigarette greifen, ein Glas Wodka trinken oder einen Joint rauchen wollen. Genau an diesem Punkt setzt die Aktion „Rauchzeichen“ der Deutschen Herzstiftung an.

Lehrerin Petra Bolke (l.) und „Rauchzeichen“-Projektleiterin Jule Thomas haben Spaß an der Arbeit mit den Schülern. Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Lehrerin Petra Bolke (l.) und „Rauchzeichen“-Projektleiterin Jule Thomas haben Spaß an der Arbeit mit den Schülern.

Bereits seit 14 Jahren werden siebte Klassen in über 100 hessischen Schulen besucht, zum mittlerweile zweiten Mal wird die Veranstaltung zur Suchtprävention jetzt auch als Pilotprojekt in den neunten Klassen angeboten. Eine der fünf daran teilnehmenden Schulen ist das Gymnasium Riedberg. „Besonders groß ist der Reiz mit dem Rauchen oder Trinken anzufangen bei Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren. Deswegen kamen immer mehr Lehrer auf uns zu und wollten das Thema in den neunten Klassen noch einmal fokussieren“, erklärt Projektmanagerin Jule Thomas.

Eingeführt in das Thema wurden die Neuntklässler vorab von den Schülern des Faches „Darstellendes Spiel“ aus der elften Klasse. Mit kleinen Stücken zeigten sie, welchen Herausforderungen sich die Jugendlichen zwischen Kind- und Erwachsenen-Sein stellen müssen. „Viele Schüler haben sich selber gespielt, allerdings im Schutz der Rolle“, erklärt Thomas.

In Rollen schlüpfen

An den Projekttagen nach der Auftaktveranstaltung schlüpfen auch die Neuntklässler in andere Rollen. Da gibt es Paula, die von ihren Mitschülern gemobbt wird, weil sie zwei Väter hat. Eine Party mit viel Alkohol soll ihr helfen, Freunde zu finden. Der Edding wird zum Joint, die Wasser- zur Wodkaflasche, die Jugendlichen benutzten Wörter, die sonst in der Schule tabu sind. „All das ist erlaubt und muss auch sein. Hier wird nichts tabuisiert“, erklärt die Projektmanagerin, die weiß, dass die Einstiegsdroge bei vielen Jugendlichen nicht mehr die Zigarette, sondern Cannabis ist.

Am Gymnasium Riedberg sind die rauchenden Schüler in der absoluten Minderheit. Ob das daran liegt, dass das Anzünden einer Kippe auf dem Schulgelände verboten ist, mag Petra Rolke, Lehrerin für das Fach „Darstellendes Spiel“, nicht beurteilen. „Entscheidend ist auch die Rolle der Erwachsenen. Was sie vorleben, wird oft adaptiert“, denkt sie und findet die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema enorm wichtig.

Genau dies tun die Schüler bei dem Präventionsprojekt. Indem sie nach dem Rollenspiel darüber diskutieren, ob es wichtig ist für den Moment zu leben, den Rausch zu genießen und die Zukunft zu vergessen. In diesem Punkt sind sich die Neuntklässler einig: Es ist der Augenblick der zählt, das was danach kommt, sollte aber nicht aus den Augen verloren werden. Zudem sollte man sich nicht von Freunden zu etwas überreden lassen, was man nicht will.

Gegen die Gruppe stellen

Warum das aber trotzdem passieren kann, weiß Gustavo. „Man denkt nicht rational, sondern lässt sich vom Zwang leiten“, sagt der 15-Jährige. Es sei vielen Jugendlichen leider zu unbequem, sich alleine gegen die Gruppe zu stellen. „Aber irgendwer muss ja den Anfang machen“, sagt eine Mitschülerin.

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