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Wohnungsbau: Seckbach: Verdichten auf engem Raum

In Frankfurt fehlt Wohnraum und der geplante neue Stadtteil erregt Protest. Aber auch Nachverdichtung hat ihre Schattenseiten. Etwa, dass in dicht besiedelten Gebieten gebaut wird. So wie in der Ellerstraße.
Brigitte Drumm in der Ellerstraße: Viel Platz ist hier nicht. Foto: Leonhard Hamerski Brigitte Drumm in der Ellerstraße: Viel Platz ist hier nicht.
Seckbach. 

Die Ellerstraße in Seckbach ist schmal. So schmal, dass Walter Jentsch mit dem Außenspiegel seines Autos gelegentlich aneckt, wenn er seine Frau Brigitte Drumm durch die Einbahnstraße vor die Haustür fährt. Dabei ist er ein Könner mit dem Rückwärtsgang, wie er sagt. Da die Straße so eng ist, fragen sich die beiden, wie es werden soll, wenn die Baufahrzeuge anrücken.

Gegenüber ihres kleinen Hauses sollen nämlich demnächst fünf Reihenhäuser, Parkplätze und ein weiteres Gebäude gebaut werden; dort auf den rund 1000 Quadratmetern, wo jetzt meterhoch Sträucher und Büsche wachsen. Eigentlich soll ab Mitte Oktober mit den Bauarbeiten begonnen werden. Brigitte Drumm hat aber Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingelegt. Da sie unter Multipler Sklerose leidet, ist sie darauf angewiesen, dass sie vor die Tür gefahren wird. Einen anderen Zugang als die Ellerstraße gibt es zu ihrem Haus nicht. Versperrten Baufahrzeuge den Weg, sei ein Konflikt vorprogrammiert, sagt sie.

Freie Wege zugesagt

Der Bauherr, die Firma „Werner Wohnbau“ versichert dagegen, Rettungswege freizuhalten. Nur wenn Material angeliefert werde, könne es sein, dass man drei Minuten warten müsste. Das sei bei der Müllabfuhr aber nicht anders.

Drumm will dennoch klagen, wenn ihr Widerspruch abgelehnt wird. Der Familie gehe es auch darum, das Grün zu bewahren. Erzählt ihr Mann davon, kommt er bald auf verschiedene Schmetterlingsarten und Spatzen zu sprechen. Er sagt auch, dass dieses Grün wichtig sei, damit sich die Straße im Sommer nicht klimatisch aufheize.

Diese Bedenken hat die Familie auch der Frankfurter Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) geschrieben. Die gibt zu bedenken, dass in Frankfurt dringend Wohnungen gebaut werden müssten. Dabei werde man immer Grünflächen versiegeln müssen, egal, ob in der Stadt oder an den äußeren Stadtteilen auf dem Feld. Auch geschützte Tierarten seien in den Sträuchern in der Ellerstraße nicht zu vermuten und bei den drei Bäumen sei absehbar, dass sie bald abstürben.

Sorgen bereitet Drumm nicht nur die Bauphase. Durch die dreistöckigen Gebäude wird sich auch die Straße verändern. Die Anwohner der Zentgrafenstraße 20 A bis G werden aus dem Fenster statt auf eine grüne Wiese auf eine Häuserfassade blicken. Kaum fünf Meter wird sie entfernt sein. „Die müssen dann auch am Tag die Lampen anmachen“, mutmaßt Jentsch. „Sonnenlicht fällt da dann keines mehr rein.“

300 000 Euro für ein Haus

Auch Jentsch und Drumm ärgert der Schatten, den die Häuser wohl auf ihr Haus werfen wird. Vor zwei Jahren haben sie sich erst für 14 000 Euro eine Solaranlage auf das Dach bauen lassen. „Die Ausrichtung des Hauses hat sich dafür angeboten“, sagt Drumm. „Direkt nach Süden.“ Dann winkt sie ab. So entscheidend sei für sie der finanzielle Verlust nicht. Was sie eher ärgert: „Hier entsteht kein sozialgeförderter Wohnraum oder Genossenschaften.“

300 000 Euro wird eines der 120 Quadratmeter großen Häuser auf dem Erbpachtgrundstück kosten. Das heißt, dass der Käufer nur das Gebäude erwirbt, nicht aber das Grundstück. Dafür, dass er die Fläche nutzt, zahlt er dann eine Pacht. Die entspricht drei bis fünf Prozent des Grundstückswertes. Mit steigendem Grundstückspreisen steigt also die Pacht.

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