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Schwalbacher Serienkiller Manfred S.: Serienmörder: Kripo sucht weiterhin Zeugen

Von Mindestens fünf, vielleicht sogar zehn Prostituierte aus dem Frankfurter Milieu soll der Schwalbacher Manfred S. zwischen 1971 und 2004 getötet haben – möglicherweise auch den 13 Jahre alten Tristan Brübach. Der mutmaßliche Mörder starb vor zwei Jahren an Krebs. Der Fall Gisela Singh († 36) könnte auch auf sein Konto gehen.
Im Schneidersitz, mit einer Zigarette in der rechten Hand, sitzt der junge Manfred S. lässig auf einem Tisch. Das Foto entstand in den 1960er Jahren, kurz vor dem ersten Tötungsdelikt der mutmaßlichen Serie. Foto: Polizei Hessen Im Schneidersitz, mit einer Zigarette in der rechten Hand, sitzt der junge Manfred S. lässig auf einem Tisch. Das Foto entstand in den 1960er Jahren, kurz vor dem ersten Tötungsdelikt der mutmaßlichen Serie.
Frankfurt/Hofheim. 

Es war ein schöner Junitag. Vor rund 25 Jahren feierten die Menschen in der Hofheimer Innenstadt die Eröffnung des Kreisstadtsommers 1991. Doch ein Ehepaar aus Kelsterbach und sein 23-jähriger Sohn gingen an diesem Nachmittag lieber im Hofheimer Wald spazieren. Nahe der Straße nach Langenhain, in der Nähe des Parkplatzes „Am Eselsweg“, waren sie unterwegs, als sie im Unterholz statt gesuchter Pilze eine stark verweste Leiche entdeckten.

Auf 50 bis 60 Jahre schätzte der Gerichtsmediziner zunächst die Frau, deren Überreste mit Laub, Erde und Ästen zugedeckt waren. So berichtete es Polizeireporter Jürgen Dehl zwei Tage nach dem grausigen Fund in dieser Zeitung. Nachdem die Identität der Toten einige Tage später durch die Veröffentlichung von Fotos geklärt werden konnte, stand fest, dass ihr Leben deutlich kürzer gewesen war: Gerade einmal 36 Jahre alt war Gisela Singh, als sie ihrem Mörder begegnete. Der Drogenkonsum hatte sie offenbar früh altern lassen. Zahlreiche Einstiche und Narben soll die Frau gehabt haben, die als Prostituierte Geld verdiente.

Mit diesem Bild versuchte die Polizei vor 25 Jahren, die Identität des Opfers zu klären – es war Gisela Singh. Bild-Zoom
Mit diesem Bild versuchte die Polizei vor 25 Jahren, die Identität des Opfers zu klären – es war Gisela Singh.

Die Verantwortung für ihre Tochter hatte sie zum Zeitpunkt ihres Todes bereits entzogen bekommen. Das Mädchen kam mit zweieinhalb Jahren in eine Pflegefamilie. Ihre Mutter habe sie im Alter von zwölf Jahren ein letztes Mal gesehen, erzählte die Tochter des Mordopfers später der „Bild“-Zeitung. „Da war sie bereits schwer krank und schwach, sie hatte Aids, die Krankheit war ausgebrochen. Es war schlimm für mich. Aber ich hoffte, dass es ihr irgendwann wieder bessergehen, alles wieder gut würde.“

Körperteile entnommen

Doch zwei Jahre später erfuhr sie von ihren Großeltern, dass die Mutter diese Chance nie mehr erhalten würde, weil ihr Leben auf grausame Art beendet worden war. Mutmaßlicher Mörder: der Schwalbacher Manfred S. Das zumindest hält die Arbeitsgruppe „Alaska“ beim Landeskriminalamt (LKA) Wiesbaden für möglich, die aufgrund des Fundes von Leichenteilen in einer von S. gemieteten Garage alte Mordfälle auf auffällige Parallelen hin überprüfte. Dass die Leiche von Gisela Singh Stiche im Unterbauch aufwies, war bereits 1991 bekannt geworden. Damals hieß es aber, sie könnten von einem Kampf mit dem Mörder stammen. Dieser hatte sein Opfer aber laut dem Bericht der Gerichtsmedizin erdrosselt oder erwürgt.

Was die Ermittler damals die Öffentlichkeit nicht wissen ließen: Der Körper von Gisela Singh wurde – wie bei allen anderen Opfern, für die das LKA Manfred S. als mutmaßlichen Mörder ansieht – verstümmelt. Der Täter hatte Körperteile entnommen. Die Motive könnten von sexueller Befriedigung bis hin zu Kannibalismus reichen.

Die Ermittlungen in den Wochen nach dem Fund der Leiche, die vermutlich mindestens 14 Tage im Hofheimer Wald gelegen hatte, konzentrierten sich auf einen Stamm-Freier von Gisela Singh. 40 bis 50 Jahre alt soll er gewesen sein, etwa 1,80 Meter groß und stets gut gekleidet, so die Beschreibung. Der 2014 verstorbene Manfred S. war 1991 44 Jahre alt gewesen. War er der Gesuchte?

„Können Sie Angaben zu Kontakten zwischen Manfred S. und den Opfern machen?“, fragt das LKA heute mit Blick auf die Mordfälle Gisela Singh und Dominique Monrose, einer weiteren Prostituierten, deren Leiche 1993 in Frankfurt gefunden worden war. Die Kripo will wissen, ob Zeugen S. und Singh oder Monrose zusammen gesehen haben und fragt: „Kennen Sie mögliche Freier oder direkte Kolleginnen dieser Opfer aus dem Umfeld des Frankfurter Straßenstrichs, die Auskunft über die Frauen geben können?“

DNA-Proben vergleichen

Bei der Tochter von Gisela Singh ist seit dem Tag im März dieses Jahres, an dem die Kripo vor ihrer Tür stand und um ihre Speichelprobe bat, um DNA-Spuren abgleichen zu können, das Geschehen von einst wieder präsent. „Es ist alles wieder da, die traurigen Gedanken, die Träume“, wird sie von der „Bild“ zitiert. Ob die Polizei Manfred S. als Täter überführen kann, ist derzeit unklar. Noch fehlen dafür konkrete Spuren und Beweise. So musste die LKA-Präsidentin Sabine Thurau in jener Pressekonferenz, in der die Polizei öffentlich machte, dass es möglicherweise weitere Mordopfer von Manfred S. gibt, ausdrücklich darauf hinweisen: Es gilt die Unschuldsvermutung. Auch über den Tod hinaus.

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