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Montagsinterview: So will der Präsident des Großen Rats die Frankfurter Fastnacht verbessern

Die Fastnachtskampagne ist fast geschafft. Heute und morgen sind die Narren noch auf der Straße, dann kehrt für die Narren wieder etwas Ruhe ein. Im Gespräch mit Redakteur Sebastian Semrau zieht der Präsident des Großen Rats der Karnevalvereine Frankfurt, Axel Heilmann, eine erste Bilanz und verrät auch, was er künftig besser machen will.
Axel Heilmann, seit zweieinhalb Jahren Päsident des Großen Rats der Karnevalvereine Frankfurt, sagt selbst: „Ich brenne für die Fastnacht.“ Bilder > Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Axel Heilmann, seit zweieinhalb Jahren Päsident des Großen Rats der Karnevalvereine Frankfurt, sagt selbst: „Ich brenne für die Fastnacht.“

Herr Heilmann, es ist fast geschafft. Sind Sie froh, wenn die Kampagne 2017/18 am Aschermittwoch hinter Ihnen liegt?

AXEL HEILMANN: Ich bin schon froh, dass die Organisation vorbei ist. Vor allem gilt das dafür, dass der Fastnachtsumzug friedlich und fröhlich geblieben ist. Aber wir machen nicht am Aschermittwoch die Türen zu und sagen am 11.11.: Da sind wir wieder. Wir arbeiten das ganze Jahr über.

Also März und April sind doch sicher die Monate, in denen erstmal durchgeatmet werden kann.

HEILMANN: Das schon. Und man muss unterscheiden: Wir feiern weniger Fastnacht, wir machen Fastnacht. Für die, die jede Woche einfach auf eine Sitzung gehen, für die könnte die Kampagne sicher noch drei Wochen länger gehen.

Zur Person: Bühnenmensch mit langer Erfahrung im Karneval

Kommen Sie und Ihre Mitstreiter denn gar nicht zum Feiern?

HEILMANN: Doch. Das nehme ich mir vor und das sollte sich jeder einräumen, auch in der Vereinsarbeit. Es ist nicht hilfreich, wenn man eine große Veranstaltung im Jahr macht und da müssen alle arbeiten. Deswegen ist es schön, wenn sich die Vereine gegenseitig helfen und die Manpower etwas geschont wird. Viele Vereine wollen aber auch alles selbst organisieren.

Was ist Ihr persönlicher Höhepunkt der Kampagne?

HEILMANN: Das war die Inthronisation des Frankfurter Prinzenpaares im Fastnachtszelt. Und natürlich der Umzug. Der bildet auch den Abschluss. Was danach kommt, ist zumindest für uns auch Feiern. Der Umzug ist auch emotional der Höhepunkt.

Bilderstrecke Hessens größter Fastnachtszug: 3000 Karnevalisten in Frankfurt
Mehr als 3000 aktive Karnevalisten und 200 Motiv- und Festwagen haben am Sonntag in Frankfurt auf dem größten Fastnachtzug Hessens dem grauen Himmel und kühlen Temperaturen getrotzt. Es folgen weitere Bilder.

Dann fällt auch etwas von einem ab, wenn es geschafft ist?

HEILMANN: Ja, es gilt ja für die meisten Vereine, die mitlaufen und ihre Veranstaltungen hinter sich haben. Und das hoffentlich erfolgreich. Dann ist es wie ein kleiner Triumphzug. Für jeden einzelnen. Am Römer nochmal erwähnt werden, vielleicht auch ins Fernsehen kommen, da freut man sich. Da ist die halbe Stadt auf den Beinen und das macht schon sehr viel Spaß.

Den Auftakt der Kampagne hat der Große Rat in diesem Jahr verändert. Erstmal ging es an die Hauptwache. War das erfolgreich?

HEILMANN: Ja. Bei dem schlechten Wetter hätten wir mit deutlich weniger Besuchern gerechnet. Es waren viele Aktive da, aber auch Einkäufer von der Zeil. Allerdings mussten wegen der nassen Bühne die Tänze ausfallen. Dennoch waren alle da und es war schön.

Wird es das also wieder geben?

HEILMANN: Wir haben unserem langjährigen Partner Nordwestzentrum versprochen, dass wir am 11.11. dieses Jahres wieder dorthin zurückkehren. Was danach kommt, sehen wir dann.

Sie sind jetzt zweieinhalb Jahre im Amt. Was läuft denn aus Ihrer Sicht bisher gut?

HEILMANN: Auf alle Fälle die Kommunikation. Da mangelte es in der Vergangenheit vielleicht ein bisschen. Wir haben ein Ziel, in das jeder seine Möglichkeiten und seine Kreativität einbringen soll. Wir wollen unseren Vereinen die Möglichkeit geben, sich darzustellen – sei es beim Umzug, bei den Tanzturnieren, am 11.11. oder bei der Inthronisation. Das klappt aus meiner Sicht ganz hervorragend.

Welches Ziel meinen Sie konkret?

HEILMANN: Das Ziel ist vor allem, dass der Fastnachtsumzug weiter Bestand hat – trotz der Sicherheitsauflagen. Das ist das größte Straßenereignis in der fünftgrößten Stadt Deutschlands. Da kann man sich vorstellen, was das alles kostet. Das fängt bei kleinen Dingen wie einer Lampe eines Energieversorgers unten am Römerberg an. Die muss für den Sonntag entfernt werden, weil sonst die Wagen nicht um die Kurve kommen. Der Ab- und Wiederaufbau kostet einen mittelgroßen vierstelligen Betrag. Das hat noch nicht einmal etwas mit der Sicherheit zu tun. Die Betonklötze bekommen wir von der Stadt zwar gestellt. Aber die müssen auf- und wieder abgebaut werden. Das machen Privatfirmen, die nehmen Geld. Deswegen ist das Ziel, den Zug, der wichtig für diese Stadt ist, trotz aller Widrigkeiten durchzuziehen. Die Vereine brauchen außerdem ein Brauchtumsgutachten, das jeweils rund 150 Euro kostet. Aber wenn die uns wegbrechen, weil sie sagen, das ist alles zu teuer geworden: Was soll das für ein Zug sein?

Was kommt denn an Kosten für den Zug auf den Großen Rat zu?

HEILMANN: Das sind rund 200 000 Euro. Das kann sich aber wegen der Sicherheitslage schnell verändern, etwa weil noch einmal eine Straße mehr abgesperrt werden muss.

Wie kommt denn das Geld zusammen?

HEILMANN: Wir werden gesponsert. Dafür wird aber immer auch eine Gegenleistung erwartet. Dazu kommen Spender. Außerdem unterstützt uns die Stadt großzügig. Aber wir wollen möglichst viel beitragen. Deshalb haben wir auch eine Spendenaktion gestartet.

Wie wird die bisher angenommen?

HEILMANN: Wir haben die Dosen an die Vereine verteilt, weil sie selbst keinen finanziellen Beitrag zum Zug leisten sollen. Über den Rücklauf kann ich noch nichts sagen. Aber wir haben mehr als 200 000 Menschen am Zugweg stehen. Von denen hätten wir gerne einen kleinen Beitrag. Wenn jeder zehnte davon einen Euro gibt, ist uns schon sehr geholfen.

Reicht das Geld des Großen Rats denn für den Zug?

HEILMANN: Wenn wir klug und sparsam haushalten, geht es. Zu den Kosten für die Sicherheit kommen ja auch welche für die Attraktivität des Zuges. Wir haben etwa 15 Spielmannszüge. Die erhalten eine Gage. Aber auch hier gibt es Sponsoring.

Als Sie angetreten sind, gab es Befürchtungen, dass Sponsoren wegbrechen könnten, weil Ihre Vorgänger teilweise sogar von den großen Sponsoren kamen. Ist das eingetreten?

HEILMANN: Es gab Gönner, die nicht mehr auf der Bildfläche erschienen sind. Aber es gab auch welche, die sich, weil wir vereinsnah sind, jetzt erst einbringen. Und manche sind auch wieder zurückgekommen. Und nächstes Jahr wird es noch besser, weil die Kampagne wieder länger ist. Da hat man als Sponsor einige Wochen mehr, um sich darzustellen.

Diesmal haben sie sogar die Tanzturniere auf Ende Februar und damit hinter die Kampagne gelegt…

HEILMANN: Das stimmt. Aber das werden wir so beibehalten, weil das immer an einem Wochenende ist und damit während der Kampagne immer mit Terminen der Vereine kollidiert. So ist es durchaus klug, dass später zu machen. Das trifft den Wunsch der Vereine und organisatorisch ist es auch einfacher.

Was muss denn noch besser werden beim Großen Rat?

HEILMANN: Die Zusammenarbeit mit den Vereinen kann noch besser werden. Wir brauchen etwa für den Zug noch mehr Hilfe.

Ist der Abstand zwischen Großem Rat und Vereinen also immer noch zu groß? Von dort kommt immer noch Kritik, wird von denen da oben gesprochen oder die Informationspolitik kritisiert.

HEILMANN: Informiert werden sie. Und jeder darf während der Jahreshauptversammlung seine Meinung und Ideen einbringen. Ich bin seit mehr als 30 Jahren in einem Karnevalverein. Ich kenne die Probleme. Es gibt für alles eine Lösung. Man muss aber auch mit uns sprechen.

Es geht aber auch nicht nur um den Zug. Wir haben vom Narrenzelt gesprochen. Ist man da nicht auch Konkurrenz zu den Vereinen.

HEILMANN: Das muss man ganz klar auseinanderhalten. Es gibt in Frankfurt eine Unmenge an Fastnachtsveranstaltungen. Jede Disco oder jede Kneipe versucht, die lustigen Tage zu nutzen. Für mich hat das aber mit der Frankfurter Fastnacht nichts zu tun. Das Fastnachtszelt aber soll eine Stätte sein, die Veranstaltungen anbietet, die sonst von der Größe und den Auftritten her gar nicht möglich wären. Da gibt es auch Dinge, die mit der Frankfurter Fastnacht nichts zu tun haben und rein privatwirtschaftlich sind. Aber die Hausmanns sind neben dem Nordwestzentrum die einzigen, die auch unsere Vereine und den Großen Rat einbinden. Bei der Kinder- und Jugendsitzung waren 20 Vereine dabei.

Das ist also eine Zusammenarbeit, die fortgesetzt werden soll…

HEILMANN: Ja, gerne. Wir hatten am 27. Januar einen freien Termin, den wir allen Vereinen angeboten haben, die vielleicht keine eigene Sitzung mehr auf die Beine stellen wollen oder können. Es sollte eine große Gemeinschaftssitzung werden. Wir hätten da gerne einen großen Punkt gesponsert. Aber am Ende wurde das nicht angenommen. Das werden wir im nächsten Jahr noch einmal probieren. Das kann aber nicht an der Kommunikation gelegen haben.

Woran denn dann?

HEILMANN: Das ist die Frage. Von jedem Verein sind zwei Mitglieder bei unserer Jahreshauptversammlung, Aber vielleicht gehen die in ihre Vereine und erwähnen das gar nicht. Da werden wir uns aber eine Lösung überlegen.

Wie soll die aussehen?

HEILMANN: Das ist zwar etwas arbeitsintensiv, aber wir als Großer Rat wollen allen Vereinen anbieten, in ihre Mitgliederversammlungen zu gehen. Die Zeit nehme ich mir gerne. Da bekommen wir Ideen mit, die sonst nie bei uns ankämen. Außerdem können wir unsere Ideen weitergeben. Da kommt noch mehr bei raus.

Es heißt ja immer wieder, die Fastnacht stirbt, es gibt keinen Nachwuchs. Was ist an solchen Aussagen dran, die ja durchaus auch von Vereinsvertretern kommen?

HEILMANN: Das ist immer schnell gesagt. Leute, die Fastnacht gerne feiern, gibt es viel mehr, als die, die Fastnacht machen. Man ist sogar bereit, dafür zu bezahlen, manche mehr, manche weniger. Diese Nachfrage kann man bedienen. Die Fastnacht ist nicht vorbei.

Aber die Frankfurter Fastnacht lebt ja davon, dass es Menschen gibt, die sie machen und damit nicht in erster Linie Geld verdienen wollen. Gibt es Ideen, junge Leute zu gewinnen?

HEILMANN: Es gibt gar kein Problem, junge Leute heranzuführen. Welches Kind hat nicht total Lust, sich zu verkleiden. Und sie gehen auch gerne mit den Eltern auf Veranstaltungen. Da gehen Generationen von der Oma über die Eltern bis zu den Kindern zusammen. Wo gibt es das sonst? Die Kinder zu finden, ist nicht schwer. Wenn, dann hängt es an den Eltern.

Aber die haben den Aufwand…

HEILMANN: Das ist richtig, aber auch beim Sport etwa nicht anders. Jeder möchte doch, dass sich seine Kinder für etwas begeistern. Ich bedanke mich daher bei den Sitzungen immer bei den Eltern. Ohne deren Leidenschaft geht es nicht. Wir wissen aber, dass wir eine Nische sind.

Sie fischen da also in einem großen Teich…

HEILMANN: Ich sage immer: Wir brauchen nicht junges, wir brauchen frisches Blut. Und im Karnevalverein kann jeder etwas machen, auf der Bühne oder im Hintergrund. Woanders gibt es das nicht: Wer Fußball spielt, kann es oder nicht. Bei uns sind ganz viele verschiedene Menschen wichtig.

In Sindlingen ist dieses Jahr der Kinderumzug wegen fehlender Teilnehmer abgesagt worden. Was sagen Sie dazu?

HEILMANN: Das liegt sicher auch an der kurzen Kampagne. Und es ist viel Aufwand. Aber das ist schade. Uns haben sie gar nicht informiert. Aber wir als Großer Rat würden da gerne helfen, andere informieren, uns engagieren.

Sie waren ja mal für den Übergang angetreten, scheinen aber weiter für die Aufgabe zu brennen. Wollen Sie als Präsident weitermachen?

HEILMANN: Ich klebe nicht an dem Stuhl. Aber noch bin ich gewählt und ich sehne mich auch keinem Amtsende entgegen. Ich tue das, was jetzt notwendig ist. Ich will der Fastnacht dienen und den Menschen auch Neues anbieten. Und ja: Ich brenne für die Fastnacht. Das ist so.

www.fnp.de

Hier finden Sie alle Folgen der Montagsinterviews.

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