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Pflege-Serie: Von der Last, Angehörige zu pflegen

Von Pflege geht uns alle früher oder später an. Sei’s, dass ein Angehöriger zum Pflegefall wird, sei’s, dass wir selbst auf Pflege angewiesen sind. Doch Pflege in Deutschland ist kompliziert – und teuer.
Zwei Drittel der Pflegebedürftigen, die zu Hause leben, werden von ihren Angehörigen gepflegt, häufig vom Ehepartner. Für den Pflegenden bedeutet das oftmals eine enorme Belastung. Foto: Felix Kästle (dpa) Zwei Drittel der Pflegebedürftigen, die zu Hause leben, werden von ihren Angehörigen gepflegt, häufig vom Ehepartner. Für den Pflegenden bedeutet das oftmals eine enorme Belastung.
Frankfurt. 

In einer Serie rund ums Thema beleuchtet die Frankfurter Neue Presse die wichtigsten Aspekte – von der Wahl des richtigen Pflegeheims bis hin zu Sinn oder Unsinn der privaten Pflegezusatzversicherung. Heute geht es um die Herausforderung, einen Verwandten zu pflegen. In Frankfurt leben drei von vier Pflegebedürftigen in den eigenen vier Wänden. Um zwei Drittel von ihnen kümmern sich die Angehörigen.

„Manchmal habe ich meinen Mann angeschrien, bin aggressiv geworden. Einmal habe ich ihn geschlagen. Ich war total überfordert. Hinterher habe ich mich geschämt“, erzählt die 73-Jährige aus Sachsenhausen. Die anderen nicken. Sie kennen dieses Gefühl, sind selbst schon manches Mal an ihre Grenzen gestoßen. Im zweiten Stock des Caritas-Gebäudes in der Alten Mainzer Gasse gibt es bei Kaffee und Kuchen an diesem Nachmittag keine Tabus. Hier kann jeder offen über seine Probleme sprechen – und trifft auf Menschen, die ihn verstehen, die Tag für Tag selbst ähnliches erleben. Alle, die hier am Tisch sitzen, pflegen einen Angehörigen. Manche die Eltern, andere den Ehepartner, manche seit Monaten, andere seit Jahren. Und auf jedem einzelnen von ihnen lastet ein enormer Druck. Genau deshalb gibt es den Gesprächskreis für Pflegende Angehörige der Caritas – weil es hilft, darüber zu reden.

„Ich sag’ zu meinem Mann immer: ,Ich geh’ in meine Therapie.‘“, erzählt Roswitha Bohn (76) aus der Nordweststadt und lacht. Ohnehin wird viel gelacht in dieser Runde, die doch so ein ernstes Thema hat. Zumindest für ein paar Stunden scheint ein Teil des Drucks von den Teilnehmern abzufallen.

Hier gibt es Rat und Unterstützung

Für pflegende Angehörige gibt es eine Vielzahl von Beratungs- und Kursangeboten. Einige davon haben wir hier zusammengestellt: Pflegekurs: In diesen Seminaren lernen Angehörige die Grundlagen der Pflege.

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Und dieser Druck ist enorm. So enorm, dass er sich meist auch gesundheitlich bemerkbar macht. „Man kann davon ausgehen, dass die meisten pflegenden Angehörigen körperliche Beschwerden haben, weil sie ständig unter Spannung stehen“, weiß Rita Wagener, die den Gesprächskreis leitet. „Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Depressionen“, nennt sie Beispiele. Besonders groß sei die Belastung für die Angehörigen, wenn jemand an Demenz erkrankt sei, sagt Wagener. „Das ist Dauerstress.“

Bohn kann das bestätigen. Ihr Mann – „Kurti“ nennt sie ihn liebevoll – hat einen künstlichen Ausgang (Stoma) und einen Blasenkatheder, „das ist alles für mich kein Problem. Das Problem ist Alzheimer“, erzählt die Seniorin. Diese Krankheit und die Dinge, die mit ihr einhergehen zu akzeptieren – das Vergessen etwa und die Unfähigkeit, den Alltag zu bewältigen –, ist für die Angehörigen ein schwieriger Prozess, weiß Wagener.

Neben der Last der Verantwortung erschweren häufig persönliche Konflikte die Pflege. „Die Betroffenen spüren selbst, dass sie eingeschränkt sind. Das schürt Ängste, sie reagieren empfindlicher“, nennt Wagener einen der Gründe. Auch die Vergangenheit spiele eine Rolle. „Wenn das Verhältnis schon immer spannungsgeladen war, potenziert sich das“, weiß die Expertin.

Grundsätzlich sei es wichtig, dass Angehörige lernen, sich von diesen Konflikten „ein Stück weit abzugrenzen“ und sich Hilfe zu holen, wenn diese nötig ist. Zwar lehnen viele Betroffene es ab, von Fremden gepflegt zu werden, doch Wagener plädiert dafür, sich gerade bei Demenzkranken so früh wie möglich Hilfe zu holen, weil mit Fortschreiten der Erkrankung alles nur schwieriger werde. „Manchmal muss man vollendete Tatsachen schaffen“, sagt die Beraterin. „Da kommt dann halt jemand zu Besuch.“

Pflegende Angehörige sollten aber auch nicht davor zurückschrecken, selbst Hilfsangebote wahrzunehmen. Gesprächskreise wie jener der Caritas sind eine Möglichkeit. Darüberhinaus gibt es jedoch noch viele weitere Beratungsangebote und Kurse für pflegende Angehörige (siehe Text unten).

Im dritten Teil lesen Sie morgen, wie Ambulante Pflegedienste Sie unterstützen können.

 

Hilfreiche Informationen rund um die Pflege zu Hause hat das Bundesministerium für Gesundheit in einer Broschüre zusammengestellt. Diese können Interessierte im Internet unter www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Pflege/Broschueren/140909_Pflegen_zu_Hause_bf.pdf kostenlos herunterladen.

 

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