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Interview: Was es bei dem Main- und Opernspielen alles zu erleben gibt

Wohl alle Frankfurter Kinder kennen die Mainufer- und die Opernplatzspiele. Seit 25 Jahren veranstaltet sie der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald in den Sommerferien. Unser Reporter Andreas Haupt unterhielt sich über die Veranstaltungen mit dem Vereinsvorsitzenden Michael Paris (62) und Yannika Lietz (21).
Michael Paris und Yannika Lietz im Lager des Abenteuerspielplatzes Riederwald am Osthafen Foto: Heike Lyding Michael Paris und Yannika Lietz im Lager des Abenteuerspielplatzes Riederwald am Osthafen
Sachsenhausen/Innenstadt. 

Wohl alle Frankfurter Kinder kennen die Mainufer- und die Opernplatzspiele. Seit 25 Jahren veranstaltet sie der Verein Abenteuerspielplatz Riederwald in den Sommerferien – drei Wochen lang am Fluss, drei Wochen lang an der Alten Oper. Unser Reporter Andreas Haupt unterhielt sich über beide Veranstaltungen mit dem Vereinsvorsitzenden Michael Paris (62) und Yannika Lietz (21), die seit sechs Jahren bei den Spielen mitarbeitet.

Frau Lietz, wie lange kennen Sie die Main- und Opernspiele schon?

YANNIKA LIETZ: Ich war schon als kleines Kind mit Oma und Opa bei den Main- und Opernspielen. Ich fand es immer toll dort. Natürlich sind immer mal neue Sachen dazugekommen, aber gerade an die Rollenrutsche erinnere ich mich noch aus meiner Kindheit, sie war immer eines meiner Lieblingsgeräte. Als ich älter wurde, meinte mein Opa: Du kannst da ja auch mal arbeiten. Mit 17 Jahren bewarb ich mich erstmals als Honorarkraft.

Was hat sich denn verändert?

MICHAEL PARIS: Die Halfpipe für die Skateboarder etwa bauen wir nächstes Jahr nicht mehr auf, dieser Trend ist vorbei. Sie war 17, 18 Jahre lang sehr beliebt. Vor 10 Jahren kam das Bungee-Trampolin auf, das inzwischen die Halfpipe in der Beliebtheit abgelöst hat. Gleichzeitig nahm die Besucherzahl stark zu. Früher kamen 200 Kinder, heute sind es an schönen Sonntagen 3000. Die Mitarbeiter können das kaum noch bewältigen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Hüpfkissen auch wochentags voll sind.

PARIS: Deswegen stellen wir mehrere auf, die wir aus Sicherheitsgründen nach Größe und Gewicht der Kinder einteilen. Ihre Schuhe müssen die Kinder nicht ausziehen, weil das Kissen kaputtgehen könnte. Die Kissen halten das aus – die Gesichter der anderen Kinder aber nicht. Unser größtes Problem ist die begrenzte Fläche.

Können Sie nicht das Ufer jenseits der Untermainbrücke dazunehmen?

PARIS: Nein, das funktioniert nicht. Zum einen ist auf der anderen Seite der Zirkus. Zum anderen bildet die Brücke eine Barriere.

Müssen Sie bei viel Andrang während des Tages auch mal umdisponieren?

LIETZ: Nein, das geht nicht. Wenn abzusehen ist, dass viel los ist, bauen wir zusätzliche Hüpfkissen auf. Soll es heiß werden, stellen wir mehr Spiele mit Wasser auf, etwa Rasensprenger. Sonnenschirme und Sonnensegel gibt es sowieso. Wenn es regnet, müssen wir schnell Zeltdächer aufstellen oder empfindliche Sachen zusammenpacken.

Dann wird es sicher auch stressig.

LIETZ: Ja. Besonders wenn es zu regnen beginnt und man alleine an einer Station ist. Manchmal muss man erst auf andere warten, die schnell helfen, alles wegzutragen.

PARIS: Mein Spruch ist immer: Das Spiel mit Kindern ist kein Kinderspiel, sondern harte Arbeit. Seit 2007 veranstalten wir die Mainspiele auch sonntags, dann ist es besonders stressig. Denn dann kommt die ganze Familie mit.

Was macht das Ganze so arbeitsintensiv?

LIETZ: Man muss ständig aufpassen, dass nichts passiert. Beim Hüpfkissen etwa ist man alleine. Beim Schminken sind wir zu viert oder fünft, müssen uns aber beeilen, weil so viele Kinder warten. Auch der tägliche Auf- und Abbau ist anstrengend. Seit wir Geld nehmen, etwa für das Kinderschminken, wurde es besser. Früher bildeten sich lange Schlangen, aber die Kinder können ja nicht eine Stunde in der Sonne warten. Seit wir Karten ausgeben, weiß jeder ungefähr, wann er dran ist. Wären die Karten kostenlos, hätten sie keinen Wert, viele Leute verschwänden einfach.

Also die zwei Euro nehmen Sie nicht, weil Sie das Geld brauchen?

PARIS: Im Vordergrund stand, das Geschehen zu regulieren. Auch bei den Bootsfahrten. Natürlich brauchen wir auch das Geld. Der Zuschuss wurde in den 25 Jahren nicht verändert. Die Besucherzahlen verzehnfachten sich, das Geld aber ist 40 Prozent weniger wert.

Das klingt so, als ob das Geld hinten und vorne nicht reicht.

PARIS: Am Anfang waren die jährlichen 100 000 D-Mark so viel Geld, dass wir jedes Jahr neue Geräte kaufen konnten. Das können wir längst nicht mehr. Ein großes Hüpfkissen kostet 10 000 Euro, ein Bunjee-Trampolin bis zu 20 000, der Kletterturm 30 000. Eigentlich sollen alle Angebote kostenlos sein, anfangs war das auch so. Für das Bungee-Trampolin nehmen wir heute drei Euro, das ist billiger als etwa auf Volksfesten. Wären wir ein professioneller Anbieter, müssten wir mehr als 300 000 Euro für Main- und Opernspiele nehmen. Der städtische Zuschuss reicht gerade für die Honorarkosten. Aber es gibt viele weitere Kosten, etwa für Strom, Toiletten, Versicherungen.

Wie finanzieren Sie die Spiele dann überhaupt?

PARIS: Wir haben auch Einnahmen, etwa indem wir Essen und Getränke verkaufen. Und wir haben die Spielgeräte alle im Lager.

Wie entstanden die Main- und Opernspiele eigentlich?

PARIS: Als einige Mitarbeiter des Spielmobils im Sommer 1992 beim Mainfest zusammensaßen, sprachen wir darüber, dass in den Sommerferien weniger Kinder in der Stadt sind. Dann könnte man eigentlich gemeinsam ein größeres Fest veranstalten. Damals war das Südufer noch nicht so schön gestaltet. Wir fingen 1993 unterhalb der Untermainbrücke an, wo heute der Zirkus steht.

Das waren aber noch nicht die Mainspiele, oder? Sonst wären sie ja 26 und nicht 25 Jahre alt . . .

PARIS: Das stimmt. Im nächsten Jahr war die 1200-Jahr-Feier Frankfurts. Die Veranstalter hatten aber die Kinder vergessen und fragten uns, ob wir nicht etwas anbieten könnten – und so fanden 1994 die ersten Mainspiele statt. Im nächsten Jahr kollidierten sie aber mit dem Museumsuferfest. Wir entschieden, für einen Teil der Sommerferien dorthin zu gehen, wo sich sonst die Reichen und Schönen treffen: vor die Alte Oper. Aber auf den Steinen in der prallen Sonne war es viel zu heiß. Wir wichen daher 1996 in die Grünanlage aus, fuhren aber auch mit der Rollenrutsche in den Brunnen vor der Oper. Heute fahren dort die Kinder Boot und auf dem Platz mit Kinderfahrzeugen.

Gibt es Unterschiede zwischen Main- und Opernspielen?

LIETZ: Beide haben ihren Reiz. Die Brunnen sind an der Oper besonders, das Skatemobil gibt es am Main auch nicht. Am Main wiederum haben wir die beiden Boote, die Hafenpolizei und das Piratenboot. Der Kletterturm steht nur am Opernplatz. Ebenso die Fahrzeuge, am Mainufer gibt es kein Geländer.

Welche Altersgruppe sprechen Sie an?

LIETZ: Das kommt darauf an. Am Kletterturm, an dem Bullenreiten oder den Fahrzeugen haben auch die Älteren noch Spaß. Sie können auch am Bungee-Trampolin mitmachen. Die Hauptzielgruppe sind aber die Acht- bis Zwölfjährigen. Es kommen aber auch immer wieder Gruppen in meinem Alter, die sich sogar noch in die Kisten der Rollenrutsche quetschen, weil sie das noch von früher kennen.

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