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In Harheim entstehen Reihenhäuser: Weiler räumt das Firmengelände

Von Nach 53 Jahren verlässt Bauunternehmer Lutz Weiler das Harheimer Gewerbegebiet. Dort sollen ab September die Bauarbeiten für 85 Reihenhäuser beginnen.
Auf zu neuen Ufern: Weiler-Mitarbeiter starteten die Motoren und brachen mit dem kompletten Fuhrpark von Harheim zum Standort in der Sprendlinger Straße in Offenbach auf. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Auf zu neuen Ufern: Weiler-Mitarbeiter starteten die Motoren und brachen mit dem kompletten Fuhrpark von Harheim zum Standort in der Sprendlinger Straße in Offenbach auf.
Harheim. 

So richtig fröhlich war der Abschied nicht, den Lutz Weiler auf dem Firmengelände Im Kalk organisierte. Es gab Würstchen, der Harheimer Musikverein spielte auf – doch vom Flohmarkt mit Firmenmobiliar war noch sehr viel übrig. Den Erlös will Weiler dem Sozialbezirksvorsteher spenden, das Geld ist für soziale Zwecke im Ort bestimmt. Doch nur ganz wenige Harheimer Nachbarn schauten vorbei, als Weiler auf der Hubbühne das Firmenschild abmontierte und eine Plane mit der neuen Offenbacher Adresse aufzog.

Wohngebiet entstand

1963, als sein Vater das Bauunternehmen Im Kalk startete, „stand hier nichts, rundherum war Grün“, erzählt Weiler. Damals sollte das Gewerbegebiet über den Urnbergweg an die Homburger Landstraße im Niddatal angeschlossen werden. Daraus wurde aber nichts. Stattdessen entstand 1969 direkt neben dem Gewerbe- ein Wohngebiet. „Am Anfang war es noch schön“, erinnert sich Weilers erste Ehefrau Waltraud. Weilers Vater habe den jungen Bauherren noch geholfen, aber schon bald hätten sich diese durch Verkehrslärm gestört gefühlt, denn Weilers Lastwagen mussten mangels Alternative durch die Philipp-Schnell-Straße rollen.

Lutz Weiler erinnert sich noch einmal an den Standort, an dem bisher drei Firmen ihren Sitz hatten: Weiler Tief- und Rohrleitungsbau, die Asphaltbau und Mischwerke GmbH und die A+L Handels-GmbH. Alle 75 Mitarbeiter ziehen von Harheim an den neuen Arbeitsplatz in Offenbach. Er erinnert daran, dass die Stadt Frankfurt von der neuen Verkehrserschließung schon 1972 nichts mehr wissen wollte, auch daran, dass Harheim 1987 zu Fernsehruhm kam. Auf dem Gelände wurde die Serie „Die Wilsheimer“ um den fiktiven Baulöwen Jean Ziegler gedreht.

Dann, vor genau zehn Jahren, trat der neu gewählte grüne Ortsvorsteher Helmut Seuffert an Weiler heran. Seine Idee war es, das Unternehmen umzusiedeln und so für Ruhe in Harheim zu sorgen. Weiler war natürlich aufgeschlossen, doch der Plan ging nicht auf. Aus dem Umzug wurde lange nichts, „in Frankfurt geht nichts schnell“, meint Seuffert resigniert. Ein ums andere Grundstück in Frankfurt wurde verworfen (wir berichteten mehrfach). Im Sommer 2013 sah Weiler in Offenbach dann zufällig eine Werbetafel für Gewerbeimmobilien. Schon im Januar 2015 fand er mit der Werner Wohnbau einen Investor, der das 14 000 Quadratmeter große Grundstück in Harheim kaufen wollte.

Das neue Areal an der Sprendlinger Landstraße ist mit 185 000 Quadratmeter nicht nur größer, es hat auch eine Anbindungen an die A 661 und A 3. Vor allem aber gibt es weit und breit kein Wohngebiet. Da störe es nicht, wenn mal sonntags gearbeitet werde, etwa weil seine Firma Autobahnen nach Unfällen oder Brandschäden reparieren müsse. Die Hälfte des neuen Firmengrundstücks werde an die Karbener Firma Satis&Fy und die Firma „Spaces“ vermietet, die dort Firmen-Events bis hin zu Rockkonzerten organisieren: „Da wird auch kulturell was zu hören sein“, sagt Weiler und setzt zum unsentimentalen Abschiedsgruß an: „Ciao Harheim – Hallo Offenbach“.

Ein bisschen Enttäuschung schwingt im Abschied schon mit: „Zu Wohngebieten gehören auch Gewerbegebiete, wo die Leute ihr Brot verdienen – das wird meistens vergessen“, sagt der Unternehmer. Doch Weilers Schwester Marion wird am Ort bleiben, sie führt den Harheimer Hof.

Wegzug tut weh

Der Wegzug des Tiefbauunternehmens „tut uns leid“, meint Barbara Jaschke, eine der wenigen Harheimer, die zum Abschied vorbeigekommen sind. Sie wohnt seit 50 Jahren hier und erinnert sich an Weiler als „angenehmen Menschen“. Allerdings habe der Lastwagen-Verkehr durch die Philipp-Schnell-Straße auch viele Probleme bereitet. Bei dem neuen Wohngebiet ist sie auch etwas skeptisch: „Die Leute wollen alle aufs Land ziehen, aber da müssten auch weitere Einkaufsmöglichkeiten geschaffen werden.“ Bislang sei der Zusammenhalt im alten Harheim einzigartig, aber die Vereine hätten immer weniger Zulauf. Entspannt sieht dagegen Weiler-Mitarbeiter Bernhard Pela den Umzug. „Für mich ist das dann näher, da muss ich nur 40 statt 60 Kilometer weit fahren.“ Außerdem sei das neue Gelände „ein schöner Platz“.

In 14 Tagen werde das Areal komplett leergeräumt sein, erläutert der neue Eigentümer, Alexander Werner. In Kürze sei der Bebauungsplan fertig, dann könne im Mai, Juni mit dem Abriss begonnen werden. Nach den Sommerferien, voraussichtlich im September, werde mit dem Rohbau der 85 Reihenhäuser begonnen. Wie viel Werner Bau investiere, sei noch nicht kalkuliert, sagt der Geschäftsführer. Er verrät aber, dass die Reihenhäuser mit 136 Quadratmeter Wohnfläche schlüsselfertig 430 000 Euro kosten. Die ersten sollen Ende 2017 bezugsfertig sein. In spätestens zwei Monaten soll auch die Vermarktung starten.

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