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Wohnungsbaugesellschaft Vonovia: Wohnungsbau stößt auf Widerstand

Von Die Wohnungsbaugesellschaft Vonovia investiert 13,4 Millionen Euro für Neubau und Modernisierung im Knorrkarree. Der Ortsbeirat 1 will wissen, ob die Milieuschutzsatzung berücksichtigt wird.
Robert Stojanoski zeigt auf dem Plan, wo neue Häuser gebaut werden sollen. Die Grünfläche würde dann verschwinden. Foto: Rainer Rüffer Robert Stojanoski zeigt auf dem Plan, wo neue Häuser gebaut werden sollen. Die Grünfläche würde dann verschwinden.
Gallus. 

„Erhaltungssatzung E9 – ein zahnloser Papiertiger?“ Unter dem provokativen Titel fragen die Linken im Ortsbeirat 1 den Magistrat, ob die Mieter in der Knorrstraße vor dem weitreichenden Neubauvorhaben der Vonovia angehört wurden und wie ihre Interessen künftig geschützt werden. Denn herunterfallende Putzteile im Eingang zur Knorrstraße zeigen, dass auch einige Bestandshäuser außen sanierungsbedürftig sind. Die Vonovia verspricht, schnell zu handeln.

Erst müsse noch der richtige Gebäudeschutz geprüft werden. Derweil rücken die Bagger schon in der Knorrstraße an für die Vorbereitungen zu drei neuen Mietshäusern mit Quadratmeterpreisen von 13 bis 14 Euro. „Wir entwickeln hier nicht nur unseren Wohnungsbestand, sondern auch die Infrastruktur“, betont Mario Stamerra, Regionalgeschäftsführer bei Vonovia. Und so werden zunächst die Straßendecke und das Kanalsystem saniert und eine Stromtrasse ins neue Quartier verlegt. Außerdem entstehen 52 Stellplätze.

Etage wird aufgestockt

Acht Wochen später beginnen die Arbeiten an den Gebäuden: Die beiden Torhäuser zur Idsteiner Straße werden modernisiert, dahinter sowie am Straßenende in Nachbarschaft zum Europaviertel entstehen Neubauten. Die bestehenden Mietshäuser mit den Nummern 5 bis 11 und 8 bis 12 werden um je eine Etage mit Dachterrassen aufgestockt, so dass sich der Wohnungsbestand insgesamt von 110 Wohnungen um 40 Wohnungen erweitert.

Doch viele Mieter sehen das Bauvorhaben kritisch: „Bei uns in der Straße verschwindet viel Grünfläche, die hohen Mieten in den Neubauten richten sich an wohlhabende Bewohner, die zu den Mietern aus anderen sozialen Schichten nicht passen“, befürchtet Robert Stojanoski. Dafür werde es künftig nur noch für die Mieter der Neubauten umzäunte Gärten geben.

Stojanoski verweist auf die Erhaltungssatzung E9, die für das östliche Gallus einen Milieuschutz vorsieht, da hier viele Menschen mit geringem Einkommen wohnen. Mit seinen Mitmietern wandte er sich an die Linke, die in der jüngsten Sitzung eine Eilanfrage zur Abstimmung vorgelegt hatte, die verabschiedet wurde. Der Magistrat soll nun mitteilen, welche Anwendung die E9 in der Knorrstraße findet und ob es eine Anhörung der Mieter gegeben habe.

Bei einem Mietertreffen hat Stojanoski über die Baumaßnahmen informiert und 54 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt. Die Liste hat er an die Bauaufsicht gefaxt, er selbst wird dort persönlich Einspruch gegen das Vorhaben einlegen. „Manche Mieter schauen sich bereits nach neuen Wohnungen um. Wir hätten auf jeden Fall gehört werden müssen“, betont er.

„Eine Erhaltungssatzung soll den bisherigen Bestand mit seinen Mieten schützen, aber nicht generell Neubauvorhaben verhindern“, erklärt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. Zur Frage der Anhörung äußert er sich vorsichtig: Hier komme es auf den Einzelfall an. „Das Baugesetzbuch ist aber eindeutig und sieht keine Ausnahmen von der Pflicht zur Anhörung vor“, entgegnet Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). Dem schließt sich auch Stephan Korte (FDP) an, auch wenn er Milieuschutzsatzungen kritisch sieht. Beide sind Juristen. Einen Baustopp könne aber nur das Verwaltungsgericht verfügen.

„Das Thema Milieuschutz wurde von der Bauaufsicht geprüft und bei der Erteilung der Baugenehmigung berücksichtigt“, versichert Vonovia-Sprecher Max Niklas Gille. Das Neubauvorhaben trage dem hohen Wohnungsbedarf in Frankfurt Rechnung, bei den Bestandsbauten würden nur die Modernisierungen bei den künftigen Mieten berücksichtigt. Zu einer Verdrängung von Mietern solle es keinesfalls kommen, im Gegenteil: „Wir können auch Härtefallregelungen treffen, wenn die Miete nach einer Wohnungsmodernisierung im Einzelfall zu hoch ausfällt.“

Allerdings räumt Gille ein, dass bei einigen Mietern noch Überzeugungsarbeit hinsichtlich der Aufwertung ihrer Häuser durch Balkons oder Aufzüge zu leisten sei.

300 Euro mehr Miete

Im Planungsausschuss im Römer kündigte Planungsdezernent Mike Josef (SPD) an, das Gespräch mit der Vonovia zu suchen. Es gehe ihm darum, dass die Mieter durch die Baumaßnahmen möglichst wenig beeinträchtigt werden. Der Stadtverordnete Sieghard Pawlik (SPD) sprach von Mietsteigerungen nach der Modernisierung von bis zu 300 Euro monatlich und mahnte die Vonovia, ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.

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