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Bier-Herstellung: Am besten selbst gebraut

Von Am Samstag eröffnet in der Bahnhofstraße ein Laden für Hobbybrauer. Bei Martin Deschauer können Bierfreunde aber nicht nur Zubehör kaufen, er zeigt ihnen auch, wie der Gerstensaft produziert wird.
In Arbeitskleidung: Bis zur Eröffnung am Samstag hat Martin Deschauer in seinem Laden, den er „Taunusbrauer“ genannt hat, noch ganz schön viel zu tun. In Arbeitskleidung: Bis zur Eröffnung am Samstag hat Martin Deschauer in seinem Laden, den er „Taunusbrauer“ genannt hat, noch ganz schön viel zu tun.
Neu-Anspach. 

Schwester Nikola ist da, Bruder Tobias auch, und sogar die Schwiegereltern aus Spanien sind angereist. Sie alle helfen, damit Martin Deschauer am Samstag seinen „Laden für Hobbybrauer“ eröffnen kann. Das deutschlandweit einzige stationäre Geschäft seiner Art – und das mitten in Neu-Anspach.

Hopfen, Malze und Hefen

Martin Deschauer hat in seinem Hobbybrauladen rund 25 Hopfensorten in Pellet-Form, 30 verschiedene Malze und an die 30 Hefen im Angebot.

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Wie kommt einer auf so etwas? „Sozialwissenschaftler eröffnet Kneipe“, sagt der 36-Jährige lächelnd und bedient damit ein gängiges Klischee. Eines, das natürlich gleich ein Lächeln beim Gesprächspartner auslöst, es aber gar nicht wirklich trifft, denn Bier wird in dem Laden nicht verkauft, sondern nur in kleinen Mengen zum Verkosten angeboten.

Und doch war es so, dass Deschauer, der als Wissenschaftler an der Uni Frankfurt und zuletzt an einer Forschungseinrichtung in Ahrweiler gearbeitet und sogar eine Doktorarbeit zum Thema „Wissensgewinnung in den Neuro-Wissenschaften“ begonnen hatte, irgendwann nicht mehr in seinem Beruf arbeiten wollte: „Die Arbeitsbedingungen sind einfach zu schwer und unsicher. Außerdem hatte ich Lust auf Selbstständigkeit.“

Deschauer war vor zwei Jahren mit seiner Frau Marta Parrilla Monge, einer Biologin, von Frankfurt nach Anspach gezogen. Die kleine Familie, zu der auch die zwei Jahre alte Tochter Noa gehört, hatte sich dort ein Wohn- und Geschäftshaus in der Bahnhofstraße gekauft. „Mit dem Kind wollten wir lieber auf dem Land leben“, berichtet Deschauer. Als dann vor wenigen Monaten der Laden in ihrem Haus frei wurde, ergab sich die Gelegenheit, selbst ein Geschäft aufzumachen.

Ein Weihnachtsgeschenk

Dass es ausgerechnet ein Hobbybrauladen wurde, hat Deschauer, der aus der thüringischen Bierstadt Apolda kommt, im Grunde seiner Frau zu verdanken. Marta Parrilla Monge hat ihrem Mann zum letzten Weihnachtsfest nämlich ein Einsteiger-Set für Hobby-Brauer geschenkt: ein „40 Pint Craft Brewing Kit“ Black Ale – inklusive 36-Liter-Topf und Gärungseimer. Und Deschauer, der in der elften Klasse im Geschichtsunterricht lediglich einmal eine Projektarbeit über die in Apolda ansässige „Volksbrauerei“ geschrieben, ansonsten aber noch keine Erfahrungen auf dem Gebiet des Bierbrauens hatte, stellte dann im Januar Folgendes fest: „Eigentlich dachte ich immer, es ist schwer, Bier zu brauen, aber eigentlich ist ganz einfach.“

Weg vom „Tütenprodukt“

Als er dann im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack kam, vom „Tütenprodukt“ wegkommen und mit unterschiedlichen Malz- und Hopfensorten eigene Biere kreieren wollte, musste er feststellen, dass es in ganz Deutschland kein Geschäft für Hobbybrauer gibt, lediglich Online-Shops – ohne Beratung und Bedienung und ohne die Möglichkeit, für die Bier-Herstellung benötigte Zutaten auch in kleinen Mengen zu kaufen.

Gut möglich, dass Deschauer mit seinem Laden nun eine richtige Marktlücke aufgetan hat. Schließlich ist „Craft Beer“, also handwerklich gemachtes und nicht von einer etablierten Brauerei hergestelltes industrielles Bier mit besonderen Aromen, gerade auch in Deutschland schwer im Kommen. Viele von diesen Sorten seien auch aus „den Versuchen kleiner Hobbybrauer“ entstanden, erzählt der gebürtige Thüringer. Für ihn geht dieser Trend einher mit dem grundsätzlichen Interesse der Menschen an einer bewussten Ernährung. Und dem Wunsch, genau wissen zu wollen, was sie zu sich nehmen.

Er habe sich schon immer gewundert, dass es in Deutschland zwar viele Brauereien gibt, aber nur wenige Menschen, welche die Bierherstellung in ihrer Freizeit und zum Hausgebrauch betreiben – anders als zum Beispiel in den USA, wo es diese Tradition bereits seit 40 Jahren gibt, erzählt er. „Jetzt aber wollen die Leute auch hier ausgefallene Rezepte probieren und mit verschiedenen Malz- und Hopfensorten experimentieren.“ Wer Interesse hat, ebenfalls mit dem Brauen zu beginnen, kann bei dem „Jungbrauer“ deshalb nicht nur das Zubehör kaufen, er kann bei ihm in den wöchentlich angebotenen Einsteiger-Seminaren auch lernen, wie er dabei am besten vorgeht.

„Taunusbrauer“ hat Deschauer sein kleines Unternehmen genannt, und dies zeigt, dass er nicht nur Neu-Anspach, sondern den ganzen Taunus inzwischen zu schätzen gelernt hat. „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagt er und sieht die Namensnennung auch als „kleines Statement“, denn: „Bislang gibt es im Taunus nicht viel, was mit Bier zu tun hat.“

Noch viel zu tun

In den letzten Tagen vor der Eröffnung ist Deschauer noch intensiv damit beschäftigt, seinen Laden fertigzustellen. Die eingangs erwähnte Unterstützung ist nötig, denn noch müssen Regalbretter gestrichen und angebracht werden. Auch die Theke ist noch nicht komplett verkleidet. Auf dem Tisch liegen aber bereits die hübsch gestalteten Bierdeckel. „Taunusbrauer“ steht auch hier darauf, das Logo versehen mit zwei Ähren und einer Hopfendolde. „Gutes Bier ist selbstgebraut“ ist auf der einen Seite zu lesen, auf der anderen „Nur für gutes Bier“.

Und welche Sorten schätzt Deschauer selbst am meisten? „Ich habe eigentlich kein Lieblingsbier“, sagt er. Im Sommer bevorzuge er aber ein helles Bier, beispielsweise ein Weizen, im Winter ein dunkles. „Generell aber mag ich regionale Biere von kleinen Brauereien, und süffig dürfen sie gerne sein.“

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