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Telefonzelle mit Lesestoff in Arnoldshain: Buch statt „Tut-Tut“

Von Telefone, die noch eine Strippe haben, und Bücher sind nicht eben Ausdruck der Moderne. Doch alte Telefonzellen haben Charme und öffentliche Bücherschränke liegen seit Jahren im Trend. Zur Dorfbelebung erhält Arnoldshain eine über Spenden finanzierte Büchertelefonzelle.
Ein solches Exemplar wird bald auch in Arnoldshain stehen. Ein solches Exemplar wird bald auch in Arnoldshain stehen.
Arnoldshain. 

Dass sie in drei Monaten das Geld für die Büchertelefonzelle zusammenbekommen, hätten die fünf Initiatoren nicht gedacht. Ihre Idee zur Dorfverschönerung in Arnoldshain haben sie im Frühjahr angeschoben und bis Mai die ersten 500 Euro für den Erwerb einer ausrangierten Telefonzelle gesammelt. Die Auf- und Umbaumaßnahmen am Brunnenplatz neben dem Alten Rathaus wollen sie weitestgehend selbst machen, die Gemeinde Schmitten stiftet das Fundament und Unterstützung erhalten sie von der Bürgerstiftung Schmitten.

Wer sind die jungen Leute, die bei Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) mit ihrem durchdachten Konzept offene Türen eingerannt haben? Und was hat sie umgetrieben, ein solches Projekt anzugehen? Marc Löwenstein fand das Treisberger „Bicherhäusje“ einfach cool. Der 23-Jährige hat dort schon Bücher geholt und hingebracht. Mit seinen Kumpels ist er außerdem bei den Umpas aktiv. „Da ist uns so eine Telefonzelle ohne Telefon mit Bücherregalen, in die jeder kostenlos Bücher reinlegen oder rausnehmen kann, doppelt sympathisch. Man muss ja nicht alles gleich wegwerfen“, stellte er fest. Halit Karadolami, Till Spaniol, Andre Daniel und Büchernarr Aristoteles Kronenberg zogen mit an einem Strang, machten Nägel mit Köpfen. Die Gemeinde richtete für sie das Spendenkonto ein.

Jetzt haben sie 2290 Euro zusammen und die Zelle, die derzeit noch in Bayern lagert, ist schon bezahlt. Für den Transport der 800 Kilogramm schweren Zelle sind noch 750 Euro übrig. Größere Spender waren die Firma Daniel Dachdeckungen aus Niederreifenberg, die Bürgerstiftung Schmitten und die Taunussparkasse. Dazu kamen noch 15 Bürger und Firmen aus der Gemeinde Schmitten. Für Spenden ab 25 Euro gibt es auf Wunsch einen Eintrag auf einer Metalltafel, die an der Büchertelefonzelle angebracht wird. „Wichtig waren für uns auch die Hilfe und die Connections von Bürgermeister Marcus Kinkel – bürokratisch, aber cool“, meinte Kronenberg und sagte: „Sonst hätte alles nicht so schnell und einfach geklappt.“

Für die Initiatoren ist die Büchertelefonzelle eine kulturelle Errungenschaft, die die Lebensqualität in der Gemeinde steigern soll. „Wir haben uns für ein englisches, rotes Modell entschieden, da die gelben Telefonzellen der Deutschen Bundespost vergriffen und die grau-pinken Telekom-Zellen nicht so ansehnlich sind“, so Kronenberg. Er ist überzeugt, das britische Modell K6, das bis 1967 gebaut wurde, und von dem es nur noch zirka 2100 Stück gebe, werde sich wunderbar in das Dorfbild einfügen. Mit einem Solarpanel auf dem Dach wird tagsüber Energie getankt, so dass die Zelle nachts im Inneren mit warmen LED-Licht beleuchtet wird.

Dass die Büchertelefonzelle am Brunnenplatz neben dem Alten Rathaus aufgestellt werden soll, hat mehrere Gründe. Der Platz liegt zentral, hat viel Publikumsverkehr und ist gut einsehbar. Dort stand einst auch die letzte funktionstüchtige Telefonzelle. Auf den Bänken am Brunnen kann man sich gleich hinsetzten und in einem Buch schmökern.

Mitte oder Ende September soll die Büchertelefonzelle renoviert und eingerichtet sein. Dann findet eine Eröffnungsfeier, mit einer Lesung von Uschi Flacke aus einem ihrer Kinderbücher, einem Malwettbewerb, sowie Kaffee und Kuchen statt. Ziel der Initiatoren ist es in Wikipedia ins „Verzeichnis aller Bücherschränke in Deutschland“ zu kommen.

Ins Fundament wird eine Zeitkapsel eingelassen, die in 100 Jahren wieder geöffnet werden soll. Die hat Löwenstein schon vorbereitet unter anderem mit Texten von Grundschülern der Jürgen Schumann Schule Arnoldshain.

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