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Lutherische und Reformierte Kirche: Das Abendmahl war die Crux

Von Martin Luther hat zwar den Grundstein für den protestantischen Glauben gelegt. Doch in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten fanden weitere Reformationen des evangelischen Glaubens statt.
Das Denkmal für Martin Luther auf dem Marktplatz in Wittenberg (Sachsen-Anhalt).	Archivfoto: dpa Foto: Jens Wolf (dpa-Zentralbild) Das Denkmal für Martin Luther auf dem Marktplatz in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Archivfoto: dpa
Arnoldshain. 

2017: Lutherjahr! Michael Tönges-Braungart lächelt. „2017: Reformationsjahr“, stellt der Dekan dann richtig. Zwar hat Martin Luther damals, vor 500 Jahren, den Stein für die evangelische Glaubensrichtung ins Rollen gebracht. Aber da es sich eben um eine umfassende Reformation gehandelt hat, in deren Folge mehrere protestantische Strömungen entstanden sind, heißt es einfach „Reformationsjahr“.

Kommen wir nun aber zu den eben erwähnten protestantischen Strömungen: Die lutherische, die reformierte und die unierte. In einer interessanten Präsentation zeigte der Dekan im mäßig besuchten evangelischen Gemeindezentrum die Unterschiede auf.

Lutherische Kirchen:

Geschichte: Der Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 bildete den Startpunkt. „Ob Martin Luther, die wirklich in Wittenberg an die Kirchentür geschlagen hat, darüber streiten sich die Gelehrten bestimmt noch bis zum jüngsten Tag“, stellte Tönges-Braungart dazu fest. Aber damit hatte man ein Datum. Die Keimzelle der Reformation habe in der neu gegründeten Universität Wittenberg und deren intellektuellen Kreisen gelegen. Luther schrieb die Thesen an die Bischöfe, um gegen die damaligen Zustände, vor allem den Ablasshandel, zu protestieren und seine Sichtweise darzulegen. Das noch junge Handwerk des Buchdrucks begünstigte die sehr schnelle Verbreitung seiner Ideen. Ob die Reformation sich durchsetzen konnte, hing allerdings sehr stark mit der Gesinnung der jeweiligen Landesherren zusammen. Diese übernahmen – aufgrund der Tatsache, dass es keine evangelischen Bischöfe gab – die Leitung der jeweiligen Kirchen. Noch heute heißt es daher Landeskirche.

Dekan Michael Tönges-Braungart Bild-Zoom
Dekan Michael Tönges-Braungart

Verbreitung: Die lutherische Richtung ist in Staats- und Landeskirchen organisiert. Es gibt 140 Mitgliedskirchen in 78 Ländern mit rund 11 Millionen Protestanten. Ganz Nordeuropa ist stark lutherisch geprägt.

Kirche und Gesellschaft: Martin Luther ging davon aus, dass der christliche Gott die Welt auf zwei Arten regiert: weltlich und geistlich. Im weltlichen Regiment durch Staat, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft regiert die dazu verliehene Vernunft. Im geistlichen Regiment, also der Kirche, gilt der Grundsatz: allein durch Gottes Wort, ohne Gewalt. Die Gefahr, die dabei bestehe sei, dass Glaube und Kirche nur fürs Seelenheil zuständig sind und der weltliche Bereich seinen eigenen Gesetzen folgt.

Gottesdienst: Vom Glockengeläut zu Beginn bis zur Kollekte am Ende des Gottesdienstes gibt es in der lutherischen Variante einen Ablauf von 24 Punkten. Die Predigt nimmt im Gegensatz zu den Reformierten verhältnismäßig wenig Raum ein. Dafür haben Musik und Gesang einen hohen Stellenwert. Wortverkündung und Abendmahl wird regelmäßig, in der Regel einmal pro Monat, gefeiert und die Liturgie ist recht ausführlich. Den Kirchenraum schmücken bunte Kirchenfenster, Bilder, ein Altar, Bibel, Kerzen und Kreuz. Die Kanzel steht seitlich. Der Glaube gilt als voraussetzungsloses Geschenk Gottes.

Reformierte Kirchen:

Geschichte: Die reformierten Kirchen waren ähnlich angelegt, wie Städte hatte seinen Ursprung im Bürgertum und war in Deutschland nicht sehr stark vertreten. Erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden wurde sie als eigenständige Konfession anerkannt. Zu den Reformierten gehörte auch Johannes Calvin. Er war tief religiös, in seinen Anschauungen strenger als Luther und sehr willensstark.

Verbreitung: Die Gemeinden sind weitgehend eigenständig und in Verbänden oder Kirchen zusammen geschlossen. Es gibt 216 Mitgliedskirchen in 107 Ländern. In Deutschland gibt es den Reformierten Bund mit 430 Gemeinden, Synoden Kirchen etc. Insgesamt gehören der reformierten protestantischen Kirche 2 Millionen Mitglieder an.

Kirche und Gesellschaft: In der reformierten Kirche gilt die Lehre von der Königsherrschaft Christi. Das gesamte Leben – öffentlich und privat – hat sich nach den biblischen Maßstäben zu richten. Die Gefahr dabei besteht in der Bevormundung des weltlichen Bereichs durch die Kirche.

Gottesdienst: Die Predigt nimmt einen großen Zeitraum des Gottesdienstes ein. Ansonsten gibt es noch 15 weitere Ritualpunkte von der Musik zum Eingang bis zur Musik zum Ausgang. Ansonsten spielt die Musik keine große Rolle. Der Kirchenraum ist schlicht und schmucklos, ohne Bilder, Bibel, Kreuz. Die Kanzel steht in der Mitte. Statt Altar gibt es einen Tisch. Allein Bibelworte dürfen die Wände zieren. Das Abendmahl wurde selten gefeiert – oft nur viermal im Jahr.

Unierte Kirchen:

Vor allem die Auffassung zum Abendmahl trennte die beiden protestantischen Richtungen. Luther sagte, dass Christus in Brot und Wein gegenwärtig sei. Die Reformierten hingegen sahen den Geist Gottes als anwesend. Nun kommt die recht junge Unierte Kirche ins Spiel: Sie arbeitet darauf hin, dass lutherische und reformierte Kirche zusammengeführt wird.

Die ersten Bestrebungen hierzu fanden 1815 mit dem Wiener Kongress statt. 1817 erließ Friedrich Wilhelm III. eine gemeinsame Kirchenordnung und Agenda. Auch die Arnoldshainer Konferenz von 1967 spielte eine gewichtige Rolle für den Zusammenschluss. Aber erst 1973 in der Leuenberger Konkordie wurde die volle Abendmahlsgemeinschaft zwischen Lutheranern und Reformierten beschlossen.

Die Unierten Kirchen sind in der Union evangelischer Kirchen in Deutschland seit 2003 zusammengeschlossen. Sie geht in ihrer Grundordnung von der Übereinstimmung ihrer Mitgliedskirchen im Verständnis des Evangeliums und in der Verwaltung von Taufe und Abendmahl aus, wie sie nach reformatorischer Einsicht für die Einheit der Kirche notwendig ist.

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