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Gegen die Einsamkeit: Das Seniorenkaffee ist eine wichtige Institution im Ortsteil

Von Von außen betrachtet ist es vielleicht für manche Menschen nur ein nettes Kaffeetrinken. Doch was viele auf den ersten Blick nicht sehen, ist die wichtige soziale Aufgabe, die das Friedrichsthaler Seniorenkaffee übernimmt und die erst auf den zweiten Blick erkennbar wird.
Rita Badura (links) und Gisela Hild kümmern sich einmal im Monat beim Seniorennachmittag liebevoll um ihre Gäste. Foto: Tatjana Seibt Rita Badura (links) und Gisela Hild kümmern sich einmal im Monat beim Seniorennachmittag liebevoll um ihre Gäste.
Friedrichsthal. 

In Friedrichsthal gibt es keine Möglichkeiten zum Ausgehen. Keine Kneipe, kein Lokal, das als Treffpunkt für alleinstehende Menschen dient oder solche, denen heute ausnahmsweise einmal die Decke auf den Kopf fällt und die in jedem Fall mal etwas anderes sehen und vor allem mit jemand anderem reden wollen. Oder gar für Menschen, die überhaupt einmal mit jemandem reden möchten, wenn sie alleine leben und in den eigenen vier Wänden keine Ansprache haben.

Auch Bäcker, Metzger oder Kiosk, wo im Allgemeinen die Chance besteht Menschen zu treffen und ein Schwätzchen zu halten – in Friedrichsthal Fehlanzeige. Das ist in Zeiten des demografischen Wandels und da immer mehr Menschen auch im Alter alleine leben, durchaus ein Thema. Wohin und was tun, wenn die Wohnung geputzt ist und der Hund bereits zum fünften Mal Gassi war, man selbst aber nicht mehr problemlos ins Umland kann?

Der Friedrichsthaler Seniorennachmittag ist für Menschen ab dem 70. Lebensjahr wenigstens einmal im Monat ein Treffpunkt. Leiterin Gisela Hild richtet seit rund zehn Jahren mit Hilfe von Rita Badura den Seniorennachmittag im Bürgerhaus Friedrichsthal aus.

Neue Impulse

Nach der langen Sommerpause kamen über 30 Friedrichsthaler zu dem Nachmittag, darunter auch Berta Dommersdorf. „Ich bin erst im August von Königswinter hier in den Ort zu meiner Tochter gezogen“, erzählt die im Rollstuhl sitzende Frau. Klar, die Kinder kümmern sich, doch tagsüber ist sie eben auch viel alleine. „Im Ort kenne ich niemanden“, beschreibt sie ihre Situation und mit dem Rollstuhl von A nach B zu kommen, sei nicht einfach. Der Seniorennachmittag sei zumindest für sie eine Möglichkeit „hier anzukommen und neue Menschen kennen zu lernen.“ Doch auch für diejenigen, die sozial vollkommen in den Ort eingebunden sind, ist das Treffen wichtig. Und das wiederum betrifft nicht nur alleinstehende Frauen, auch Ehepaare profitieren von den Treffen. Wie Lisa Bechtold, die mit ihrem Mann Gerhard Linné kam. „Wir haben nur uns, den ganzen Tag über“, beschreibt die Gehbehinderte Lisa Bechtold die Situation. Das sei schön, doch, wie es in vielen Ehen nach Jahren der Fall ist, es fehle der Impuls von Außen. Menschen sehe man tagsüber fast nie auf den Friedrichsthaler Straßen, selbst die neuen Nachbarn hätten kaum Anstalten zur Kontaktaufnahme unternommen.

Abwechslung vom Alltag

„Es kann hier sehr einsam sein“, bringt es Bechtold auf den Punkt. Das Kaffeetrinken sei Abwechslung vom Alltag, gebe zumindest für eine kleine Weile neue Impulse.

Monika Hild sieht das etwas anders. Langweilig sei es ihr nie, an Beschäftigung oder Möglichkeiten mangelt ihr es nicht. Gleichwohl sei es in der Tat so, dass sich die Friedrichsthaler vorzugsweise zu Festen und Feiern im Ort treffen und wer nicht in einem Verein aktiv sei, kann durchaus etwas vermissen. Auch Hild und Badura wissen um die Bedeutung des Angebots, auch wenn sie gelegentlich dafür noch einmal extra im Ort trommeln müssen, „einfach weil es die Leute auch mal vergessen“, sagte Hild. „Selbstverständlich kennen sich die Leute, doch oft sprechen sie außerhalb nur mit den selben“, sagte Hild. „Was den Senioren gut tut, ist die Abwechslung, selbst wenn’s nur einmal im Monat ist.“

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