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Den Gefallenen ein Gesicht geben

Von Hinter Kriegen stehen viele menschliche Schicksale. Eines davon ist das des jungen Paul Beuth aus Niederreifenberg.
Paul Beuth fiel bereits drei Wochen nach Kriegsausbruch in Frankreich. 	Repros: Appel Bilder > Paul Beuth fiel bereits drei Wochen nach Kriegsausbruch in Frankreich. Repros: Appel
Niederreifenberg. 

„Lieber Paul, ergreife hiermit die Feder, dich durch unsere Zeilen an uns zu erinnern, weil du in letzter Zeit gar nicht mehr von dir hören ließt . . .“ So beginnt der Text auf der Feld-Postkarte an den Musketier Beuth, 4. Armee, 42. Brigade. Weiter wird der Adressat gebeten, doch gleich ein paar Zeilen zu schreiben, damit man wisse, wie es ihm gehe und wo er gerade sei. „Ist dir vielleicht etwas passiert, so schreibe es uns, wie es ist, denn wir sind ja gefasst auf alles“, bittet der Unterzeichner Johann Philipp Burkard.

Paul Beuth konnte darauf nicht mehr antworten. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits tot. „Gefallen“, wie es handschriftlich auf der Feldpostkarte vermerkt ist, die am 13. September 1914, also heute vor 100 Jahren, zum Absender zurückkam. Kein Wie, kein Wo, nur „gefallen“.

Aufwendige Recherchen von der Niederreifenbergerin Susanne Eckermann, die sich mit der Heimatgeschichte beschäftigt, haben ergeben, dass Paul Beuth in Frankreich gestorben ist. In einer Schulchronik (Quelle: Kreisarchiv Bad Homburg) hatte der damalige Lehrer Abel die Mitbürger vermerkt, die „den Heldentod“ gestorben sind. Paul Beuth war der erste Niederreifenberger, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Das war bereits am 22. August 1914 gewesen, also drei Wochen nach Kriegs-Ausbruch. In einer Extra-Ausgabe der Taunus-Zeitung vom 1. August 1914 war in großen Lettern über „Die Mobilmachung in unmittelbarer Nähe“ zu lesen.

Der besorgte Verfasser der Feldpostkarte, Johann Philipp Burkard, war wohl ein Onkel des Musketiers. Unterschrieben war die Karte mit „Viele herzliche Grüße von deinem Onkel, Tante und ganze Familie“ sowie „Viele Grüße von deinen Eltern und Geschwistern“. Eckermann hat nicht nur den Brief, der in Sütterlin geschrieben war, für die TZ übersetzt. Durch Unterlagen, die sie in ihrem Heimat-Archiv aufbewahrt und aufarbeitet, konnte sie auch einen Teil des Lebensweges von Paul Beuth nachvollziehen.

Im gut erhaltenen Hebammen-Buch von 1870 hatte die damalige Geburtshelferin verzeichnet, dass der kleine Paul am 5. August 1891 geboren wurde. „Die Geburt war zeitig“, hatte sie notiert. Seine Eltern waren Katharina Beuth und Paul (Nadler-)Beuth. Die Familie hatte acht Kinder, Paul war der Zweitgeborene.

Anhand der Einwohnerliste vom 15. Oktober 1912 hatte sie herausgefunden, dass die Familie in der Kirchgasse 1 wohnte. Die „Haus-Liste“ ging an den Haushaltsvorstand Paul Beuth. Darin waren alle Mitglieder des Haushaltes mit Geburtsdatum aufgeführt. Zu dieser Zeit war Paul junior 21 Jahre alt, dessen jüngster Bruder Philipp vier.

Seine ältere Schwester Anna hat später Anton Dinges geheiratet, und aus dieser Ehe ging Anni hervor, die am 8. August 1924 geboren wurde. Die 90-Jährige lebt noch heute in Niederreifenberg. Sie kann sich nur vage an Erzählungen ihrer Mutter erinnern, die berichtet hat, dass sie sich gut mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Paul verstanden habe.

Im Ersten Weltkrieg mussten etliche Niederreifenberger ihr Leben lassen. Um ihnen ein Gesicht zu geben, wurde von deren Nachfahren eine Ehrentafel erstellt. Erst vor einigen Wochen hat Susanne Eckermann eine solche Ehrentafel aus einer Haushaltsauflösung gerettet und schon vor einigen Jahren gemeinsam mit dem Oberreifenberger Bernd Kärtner eine Liste aller Gefallenen und aus dem Krieg Zurückgekehrten mit Foto und Namen erstellt.

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