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Fälle von gerissenen Rehen: Hetztrieb bändigen

Von Ist es in Ordnung, wenn Hundebesitzer aus dem Usinger Land ihre Tiere im Wald ohne Leine laufen lassen? Doch Vorsicht, manchmal wird Gassi-Gehen zu einer echten Gefahr für die Tiere, die im Wald leben.
Unnötiger Tod: Ein verendetes Rehkitz. Unnötiger Tod: Ein verendetes Rehkitz.
Grävenwiesbach. 

Blutüberströmt liegt das Reh im Dickicht. Der Todeskampf ist ihm immer noch anzusehen. Eine tiefe Wunde am Hals zeugt davon, dass es einen Kampf auf Leben und Tod hinter sich hat und das Reh leider nicht als Sieger daraus hervorging.

Das ist keine Szene aus einem Horrorfilm, sondern laut Christoph Fandel schreckliche Realität. Er ist Jagdpächter und findet immer wieder Wild, das von Hunden gerissen wurde. „Ich bin fassungslos“, sagte er nach dem neuesten Vorfall. „Den toten Jährlingsbock, den ich auf der Waldwiese am Pfaffenstein in Grävenwiesbach entdeckt habe, wies Bisswunden am Hals und an den Weichteilen auf“, berichtete der Jagdpächter.

Der Bock sei auf eine ziemlich qualvolle Art gestorben. Traurig, denn es war bereits das fünfte Reh in kurzer Zeit. Eines davon sei auf einem landwirtschaftlichen Nutzweg von einem Fahrzeug angefahren und schwer verletzt worden. „Der Fahrer hat das Tier einfach seinem Schicksal überlassen und den Vorfall nicht gemeldet“, empörte sich Christoph Fandel. Es sind also nicht nur Hunde, denen Tiere zum Opfer fallen.

Kitze verhungern

Wenn das dann auch noch ein führendes Reh sei, also ein Mutter-Reh, sei das noch tragischer. „Die Kitze sind meist gut versteckt und werden dadurch nicht so schnell gefunden“, gab Fandel zu bedenken. Die Folgen seien aber ebenso schrecklich: Die jungen Tiere verhungern ohne ihre Mutter. Interessiert es einige Hundebesitzer nicht, welches Unheil ihre Tiere anrichten und welches Leid dadurch entsteht? Auf Nachfragen bei Hessenforst teilte Revierförster Uwe Neun mit, dass so etwas tatsächlich immer wieder mal vorkomme. Allerdings könne er die geschilderten Vorkommnisse weder bestätigen noch dementieren.

Klaus Pöhlmann, der Präsident der Usinger Jägervereinigung, hat da schon des Öfteren solche gruseligen Entdeckungen machen müssen.

Erst vor zwei Monaten gab es einen solchen Fall in Westerfeld, berichtete er. In der Nähe der Bogensportanlage wurde ein trächtiges Reh tot aufgefunden. Die Ricke sei von einem Hund in einen Zaun gehetzt worden. Von dort gab es kein Entkommen mehr für sie. Das Tier wurde derart zerfetzt, so dass das Jungtier daneben gefunden wurde (TZ berichtete).

Ein schrecklicher Anblick und ein fürchterlicher Todeskampf. Doch Klaus Pöhlmann will nicht nur über die „bösen Hundebesitzer“ schimpfen, wie er betonte. „Das sind Ausnahmen.“ Der Großteil der Hundebesitzer verhalte sich vorbildlich und fürsorglich, lässt die Hunde im Wald nicht von der Leine. Dem Hund sei nun mal ein Jagdtrieb angeboren, manchen Hunden eben sehr stark, erklärte der Jäger. In solch einem Fall helfe nur die lange Leine.

Sollte der Hund dennoch losrennen und dann auch noch nach ein bis zwei Stunden ermüdet und erschöpft nach Hause zurückkehren, könne der Halter mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Hund gewildert habe. „Einmal Erfolg gehabt, und der Hund macht es immer wieder“, sagte Pöhlmann. Genau an diese Gruppe von Hundehaltern gehe sein Appell, damit der Tierfreund nicht zum Tierfeind werde. „Dann muss der Hetztrieb des Hundes gebändigt werden.“

In Schmitten häufig

Nach Meinung von Klaus Pöhlmann ist das Problem der reißenden Hunde besonders in Schmitten sehr verbreitet. Dort wohnen viele Menschen in der Nähe des Waldes. „Niemals darf dort ein Hund ganz alleine Gassi geschickt werden“, mahnt er an. Manche Hundehalter wüssten gar nicht, dass ihr Hund Rehe reiße.

Eine Anleinpflicht könne von der Gemeindeverwaltung ausgesprochen werden, machte Pöhlmann klar. Dies mache vor allem im Frühsommer während der Brutzeit Sinn, wenn die Ricken nicht mehr so schnell laufen könnten.

Dass auch die Jäger Tiere töten, darauf ging Pöhlmann ebenso ein. „Doch ein Schuss bedeutet für das Tier nicht so eine Qual, wie das Gerissen-werden bei lebendigem Leib.“

Wilderei durch einen Hund hat für den Hundebesitzer Folgen. Es handelt sich dabei um eine Straftat, nämlich um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Jäger wiederum dürfen wildernde, herrenlose Hunden (und auch Katzen) auch abschießen. Das steht im Hessischen Jagdgesetz unter § 32. Die Jäger üben damit Jagdschutz aus. Doch die Tötung eines nicht herrenlosen Hundes ist wiederum auch ein Eingriff in fremdes Eigentum.

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