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Tierschützer Hochtaunus: Katzen besser kastrieren

Von Unkastrierte Katzen und Kater sind ein Problem im ländlichen Raum. Auch im Usinger Land haben Tierschützer immer wieder mit uneinsichtigen Landwirten und Katzenbesitzern zu tun. Bei Aktionen fangen sie deshalb regelmäßig streunende Tiere ein und lassen sie kastrieren.
Dieser verwilderte Kater ist von den Tierschützern Mitte April gefangen und kastriert worden. Bilder > Dieser verwilderte Kater ist von den Tierschützern Mitte April gefangen und kastriert worden.
Usinger Land. 

„Wir kastrieren unsere Katze nicht, weil sie sonst auf dem Hof keine Mäuse mehr fängt.“ „Wir kastrieren unseren Kater nicht, weil er ja sowieso keinen Nachwuchs bekommt und überhaupt, der arme Kater, dann ist er ja kein echter Mann mehr.“ Solche und ähnliche Sätze bekommen die Aktiven des Vereins Tierschützer Hochtaunus regelmäßig im Usinger Land zu hören. Doch diejenigen, die sie aussprechen, sind sich der Tragweite ihrer „Ausreden“ wohl nicht klar. „Dem Kater ist es wurscht, ob er noch seine Fortpflanzungsorgane besitzt oder nicht. Viel wichtiger sind die positiven Folgen für die Besitzer: Der kastrierte Kater ist viel anhänglicher und auch nicht unglücklich über die Kastration“, sagt Claudia Lanzke-Vietz, stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Kater entlaufen oft

Die unkastrierten Kater sind ein Problem im Hochtaunuskreis, besonders aber im Usinger Land, wo es viele Bauernhöfe gibt – bewohnte und leerstehende. „Die Kater sind hormongesteuert, rennen teilweise kilometerweit, um die rollige Katze zu finden. Nach Hause kommen sie oft nicht mehr zurück“, sagt Lanzke-Vietz. Viele Tiere würden auch überfahren.

Eine Aufnahme der Nachtsichtkamera auf einem Hof.
Zum Thema: Wie Fangaktionen ablaufen

Wenn die Tierschützer Fangaktionen machen, beobachten sie zuvor eine Futterstelle mit einer Wildkamera, um einschätzen zu können, wie viele Tiere sich an Ort und Stelle befinden.

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Dabei sei es nur ein kleiner Schnitt bei den Katern, bei den Katzen ein etwas größerer Eingriff und dadurch auch eine teurere Operation, so Vereinsvorsitzende Anne Werner.

Neben der Ignoranz mancher, die aber weniger würden, denn gerade jüngere Bauern seien kooperativer, gebe es noch andere Gründe, nicht zu kastrieren. Ein Grund könnten die Kosten sein, rund 150 Euro pro Kastration. „Manche Besitzer haben auch Hemmungen, ihr Tier ins Tierheim zu bringen, wo sie sich begründen, ein Formular ausfüllen und eine Abgabe zahlen müssen“, sagt Werner. „Der Hauptgrund ist aber Unwissenheit, bei einem Wurf mit bis zu sechs Katzen gehen immer welche durch die Lappen“, sagt Lanzke-Vietz.

Katzen seien mit sechs Monaten geschlechtsreif, sie brächten zwei bis sechs Kätzchen zur Welt, trächtig seien sie rund 60 Tage. „Maimütter können im August also wieder Kinder bekommen“, sagt Lanzke-Vietz.

Fatale Folgen

Die Tierschutzorganisation Peta hat für ein Plakat („Darum hilft jede Katzen-Kastration“) mal ausgerechnet, welche fatalen Folgen es haben kann, wenn die Vierbeiner nicht kastriert werden: „Wenn man davon ausgeht, dass ein Katzenpaar pro Jahr zweimal Nachwuchs bekommt und jeweils drei Kätzchen pro Wurf überleben, dann ergibt das nach sieben Jahren über 420 000 Tiere.“

Die Tierschützer versuchen, dem durch Kastrations-Aktionen etwas entgegenzusetzen, zuletzt haben sie im April Katzen eingefangen. Manchmal sind es richtig viele: Sechs Kätzchen und zwischen 10 und 15 erwachsene Tiere haben sie im vergangenen Sommer in der Nähe einer Fabrik am Waldrand aufgelesen. Die Tiere haben in einer Fabrikhalle gewohnt, die Tierschützer haben sie mit Marder-Lebendfallen eingefangen (lesen Sie bitte auch „Zum Thema“). „Wo genau wir die Tiere gefangen haben, dürfen wir aber nicht sagen, sonst rufen uns unsere Informanten nicht mehr an“, sagt Anne Werner. Damals seien die Informanten Fabrikmitarbeiter gewesen.

„Die Katzen werden nur für die Kastration gefangen, die sind so wild, dass es keinen Sinn macht, sie im Tierheim abzugeben, um sie von dort an Menschen weiterzuvermitteln“, sagt Anne Werner. Bei noch kleinen Kätzchen werde dies wiederum versucht, denn sie sind noch nicht an das Leben in der Wildnis gewöhnt.

Hinweise bekommen die Tierschützer aus der Bevölkerung, etwa von Anwohnern oder Kleingartenbesitzern, dass die Katzen an einem gewissen Ort immer Unterschlupf und/oder Futter suchen würden. Aber auch das Tierheim Hochtaunus in Oberursel informiert den Verein über mögliche Orte. Das Tierheim selbst habe keine Kapazitäten, die Tiere einzufangen, so Anne Werner. „Oft werden wir auch gebten, die Tiere nicht an die Fangstellen zurückzubringen, weil es keinen Sinn macht oder weil die Tieren dort in Gefahr ind.“

Mehr Initiativen

Immer mehr Menschen im Taunus stellen sogar auch selbst Fallen auf, betont Claudia Lanzke-Vietz. „In Weilrod gab es auf ehemaligen Bauernhöfen Kätzchen, die in Scheunen lebten, in denen noch Heu lag. Eine Frau, die dort in Nähe wohnte, hatte uns kontaktiert und selbst Fallen aufgestellt“, sagt Lanzke-Vietz.

Ein Problem, das Reiterhofbesitzer, aber auch Landwirte haben: Menschen (auch Reiter) lassen ihre Katzen auf den Höfen einfach zurück. „Es gibt einen Hof, der jedes Jahr anruft, dass wieder neue Katzen ausgesetzt worden sind.“ Es gebe aber auch andere Tierbesitzer, die scheinbar nicht nachdenken. „Weil die Oma verstorben war, hat die Familie ihre Wellensittiche fliegen lassen. . . “

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