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Kerb in Arnoldshain: "Kerbepfarrer" aus Norddeutschland bleibt dem Dorf treu

Von In diesem Jahr kam Pastor Dieter Timm aus Norddeutschland zum ersten Mal ohne die Seniorengruppe aus seiner Gemeinde nach Arnoldshain. Auf seine humorige Predigt zum Kerbegottesdienst wollen die Arnoldshainer nicht mehr verzichten. Auch wenn der „Kerbepfarrer“ in den Ruhestand geht, will er weiter in den Taunus kommen.
Pastor Dieter Timm ist auch ohne die Senioren aus Norddeutschland angereist und lässt sich von „Bembelwatz“ Thorsten Rössler gerne einen Ebbelwei einschenken. Foto: Evelyn Kreutz Pastor Dieter Timm ist auch ohne die Senioren aus Norddeutschland angereist und lässt sich von „Bembelwatz“ Thorsten Rössler gerne einen Ebbelwei einschenken.
Arnoldshain. 

Beim internen Hammelessen der Arnoldshainer Kerbeborschen und –mädels gehört Dieter Timm zu den geladenen Gästen. Er feiert bei der goldenen Sitzung ausgiebig mit und lässt sich auch als Zuschauer beim Kerbebaumstellen gerne einen Ebbelwei einschenken. Mit der weiter schrumpfenden Seniorengruppe aus dem norddeutschen Barmstedt gehört der Pastor seit 1990 zu den treuesten Besuchern der Arnoldshainer Kerb.

Auch in diesem Jahr hatte er für die Senioren seiner Gemeinde wieder eine zehntägige Reise in den Taunus ausgeschrieben. Aber es gab keine Anmeldungen. „Einige leben nicht mehr, und viele, die immer dabei waren, werden älter und können nicht mehr so weit fahren“, sagt Timm.

Doch der 63-Jährige hatte längst zugesagt, dass er am Samstagabend wieder die Predigt beim Kerbegottesdienst hält. Den hatte der Arnoldshainer Pfarrer Martin Hoffmann eingeführt. Und seit Jahren übernimmt Timm dabei die Predigt. Ihm gehe es darum, zu zeigen, dass die Kerb trotz ausgelassenem Feiern ihren Ursprung in der Kirche habe.

Allein angereist

„Also bin ich am Freitag allein gefahren, bleibe nur zur Kerb und zwei weitere Tage“, erzählt er. Und warum ist ihm das so wichtig? Auch sein Arnoldshainer Amtskollege Christoph Wildfang hätte die Predigt halten können.

Seit der Brunnentaufe fühlt sich Timm den Arnoldshainern besonders verbunden, sagt er. Das beruht wahrscheinlich auf Gegenseitigkeit. Gleich beim ersten Besuch muss er den Arnoldshainern mächtig sympathisch gewesen sein. „Wir waren gerade drei Tage im Dorf, haben Samstagabends gleich tüchtig mitgefeiert und sonntags wurde er vom Kerbe-Merkwürden im Dorfbrunnen zum Arnoldshainer getauft.

Seitdem führte der Seniorenausflug immer zu dem Zeitpunkt in den Taunus, wenn in Arnoldshain Kerb war. Solange es das Haus Hattstein gab, haben die Senioren bei Irmgard Brendel übernachtet. Die hat in ihrem Privathaus dem Gast aus Norddeutschland jetzt ihre Kellerwohnung zur Verfügung gestellt. Von dort hat er es nicht weit, wenn er sich ins Kerbegeschehen stürzt. „Nicht nur weil ich mit der Kerbetaufe die Bachrechte habe und ein waschechter Arnoldshainer bin, fühle ich mich ein Stück weit für das Dorf mitverantwortlich“, sagt Timm.

So eine tolle Dorfgemeinschaft müsse erhalten werden. Deshalb wolle er aus rund 500 Kilometern Entfernung dafür das tun, was ihm möglich ist.

Tradition erhalten

Es gab immer mal Jahre, in denen es zu wenig Kerbeburschen gab. „Wenn dann auch Besucher fehlen, kann es passieren, dass so eine schöne Tradition irgendwann nicht mehr weitergeführt wird“, befürchtet er. Deshalb, und weil er die Arnoldshainer und ihre Art mag, komme er nicht nur zu jeder Kerb, sondern auch zu anderen Anlässen. Auch an Fasching mischt er sich hier unters Volk.

„Offiziell als Kerbepfarrer bin ich in diesem Jahr zum drittletzten Mal her“, verrät Timm. Denn er geht 2019 in den Ruhestand. Wenn er nicht mehr im Amt ist, will er aber trotzdem weiterhin nach Arnoldshain kommen. „Mir wird es hier nie langweilig, außerdem ist es irgendwie für mich wie ein zweites Zuhause“, gibt er zu.

Als Pfarrer im Ruhestand könnte er auch weiterhin predigen. „Da wird uns schon was einfallen“, meint er lachend und lässt sich erst mal einen Schoppen aus dem Bembel nachgießen.

Vielleicht zieht er als im Brunnen getaufter Arnoldshainer auch später mal ganz hierher? Darüber habe er bisher noch nicht nachgedacht, sagt er.

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