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Stau: Pendler-Zorn im Mega-Stau nach Bundesstraßen-Sperrung

„Unfähiger politischer Tyrann, Depp, Schildbürger“ – die Titel, die Bürgermeister Gregor Sommer derzeit von zahlreichen Bürgern – offen und anonym – verliehen bekommt, sind wenig schmeichelhaft. Und sie treffen ja nun wirklich den falschen. Denn am Verkehrschaos in Wehrheim trägt die Gemeinde die geringste Schuld. Dass Hessen Mobil die Bundesstraße von Usingen nach Homburg saniert und die Umleitung durch Wehrheim führt – das ärgert schon viele. Aber jetzt hat Friedrichsdorf auch noch die Köpperner Straße dichtgemacht. Und wer ist schuld? Natürlich keiner.
Wer aus der Köpperner Straße kommt, hat kaum eine Möglichkeit, sich in den fließenden Verkehr auf der Bahnhofstraße einzugliedern. Foto: Gerrit Mai Wer aus der Köpperner Straße kommt, hat kaum eine Möglichkeit, sich in den fließenden Verkehr auf der Bahnhofstraße einzugliedern.
Usinger Land. 

Es wäre ja eigentlich alles einfach gewesen. Hessen Mobil saniert und sperrt die Bundesstraße B 456, die Umleitung führt durch Wehrheim über die Bahnhofstraße und Kastellstraße wieder gen Kreisstadt. Dass sich bereits mit dieser Umleitung die Pendler und Anwohner wenig einverstanden zeigten, war bereits zu lesen – und in Wehrheim lautstark zu hören, oder, wie es Bürgermeister Gregor Sommer formulierte: „Die Bürger haben die Hupe entdeckt.“

Die Blechlawine gen Ampel an der L 3041 verhinderte schon im Ort selbst, dass Pendler aus Seitenstraßen sich zügig einordnen konnten. Also suchten und fanden findige Fahrer Ausweichwege – etwa über die Köpperner Straße gen Friedrichsdorf. Dass aus dieser Straße am Quarzitwerk das Einfädeln ebenfalls schwierig ist, haben die Fahrer hingenommen. Nun ist aber auch dieses Einfädeln Geschichte – Friedrichsdorf hat am Bahnhof die Straße gesperrt. Seit Montag werden auch noch die Bewohner von Saalburgsiedlung und dem Wohngebiet in der Mark kurz vor dem Bahnübergang auf die Bahnhofstraße geschickt.

Herbst-Planung

Warum macht Friedrichsdorf zu? Da müssen wir einige Monate zurückblicken. Das Eck Köpperner Straße bis etwa Höhe Lochmühle ist Friedrichsdorfer Gemarkung und befindet sich in einem desolaten Zustand. Loch an Loch und hält doch, lautet die Straßen-Devise. Also plante die Stadt bereits 2017, ihren Teil der Köpperner Straße zu sanieren. Auch in Absprache mit Hessen Mobil, Wehrheim und der Hessischen Landesbahn. Denn eben jene will Ende Juni den dortigen Bahnübergang ebenfalls sanieren. Dazu muss der Schienenersatzverkehr, also Busse, fahren können. Als Friedrichsdorf Wehrheim und Hessen Mobil informierte, war noch alles im grünen Bereich. Also plante die Stadt, schrieb den Auftrag aus und vergab die Sanierung. Alles nach Recht und Gesetz.

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So kann’s gehen, wenn man nicht oder zu spät miteinander redet. Da werden, wie das bei Baumaßnahmen so ist, lange zwei Straßenerneuerungen unabhängig geplant, und wer hat die Folgen auszubaden? Der Pendler.

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Bis, ja bis dann Hessen Mobil seinen bereits 2017 begonnen stufenweisen Neubau der Bundesstraße genau in diesem Zeitraum startete. Und damit alle Pendler vergrätzte. Wer nun schuld ist? Wehrheim auf jeden Fall nicht. Denn Gregor Sommer nahm Kontakt mit Friedrichsdorf auf und wollte die Sanierung der Köpperner Straße verbieten. Was die Stadt ablehnte. Denn der Auftrag war vergeben, aufgrund der HLB-Ausbaupläne kam ein Verschieben auch nicht in Frage.

Der Friedrichsdorfer Leiter des Tiefbauamts, Lars Plitt-Geissler, zeigte sich gestern sehr „unglücklich“ über die Situation. Zwar betreffe die ganze Situation nur zehn Tage. Aber das ist die Sache mit dem Optimisten und Pessimisten. Denn Sommer spricht von „noch“ zehn Tagen. „Aber Friedrichsdorf hat die Planung bereits im Herbst vorab sowohl mit Wehrheim als auch mit Hessen Mobil besprochen. Da gab es keinen Widerstand.“ Deshalb sei die Planung und Auftragsvergabe auch erfolgt. Und nun sei man mit den Verträgen in der Pflicht und müsse zudem bis zur Sperrung der Bahnstrecke fertig sein, um den Bussen freie Fahrt zu bieten.

Nun stellt sich der gemeine Bürger die Frage, warum denn generell nicht in irgendeiner Behörde eine Art großer Baukalender hängt, in dem alle Maßnahmen – von Bund, Land und Kommunen eingetragen und abgestimmt werden? Unisono betonen alle Befragten, dass so etwas wenig bringe. Plitt-Geissler betonte, dass es immer zu Verschiebungen kommen könne, wenn das Wetter nicht mitspiele oder eine Firma keine Zeit habe. Dann sei auch ein solcher Kalender sinnlos. Wobei es natürlich Absprachen gebe. Und die habe man ja getroffen.

Was den Pendlern nicht hilft. Stellvertretend für alle Leser dieser Zeitung, die uns angeschrieben haben, zitieren wir Tilo Schlosser: „Die Situation um die hinzugekommene Straßensperrung nahe dem Bahnhof Saalburg bei der Lochmühle ist vollkommen inakzeptabel, skandalös, nötigend und hanebüchen obendrein. Statt mit dem Auto bin ich heute mit dem Rad gefahren.“ Der Skandal sei, dass etwa die Lkw aus dem Quarzitwerk direkt an der Baustelle ungehindert hindurch-gelassen würden. Und Autos würden von der Saalburgsiedlung kommend an der Durchfahrt bis zum Bahnübergang gehindert. „Es sollte doch möglich sein, auch die Pkw mit einer weiteren Ampel in die dortige Ampelregelung einzubeziehen.

Bitte um Geduld

Wie gesagt: Nur eine von vielen Stimmen. Hessen Mobil hatte am 13. März die Sperrung ab dem 24. März auf der Homepage angekündigt. Sprecherin Suzanne Braake sagte gestern, dass „die Baumaßnahme auf der B 456 umfangreich abgestimmt worden ist“, auch Baumaßnahmen der betroffenen Gemeinden seien einbezogen worden, damit es möglichst keine Überschneidungen gebe, die sich negativ auswirken könnten. Die Baumaßnahme am Bahnübergang Lochmühle sei in diesem Abstimmungsprozess nicht zur Sprache gebracht worden. „Die Baumaßnahme auf der B 456 von Hessen Mobil ist aktuell im Zeitplan und wird am 27. April beendet sein.“

Das hilft den Pendlern alles wenig. Sommer: „Man könnte ja auch die Obernhainer Weg nutzen, um auf die Landesstraße zu kommen. Aber eigentlich können wir alle derzeit nur um sehr viel Geduld bitten.“ Sommer fügte noch an, er sei „wahnsinnig froh, dass Wehrheim seine Umgehung hat“, denn erst jetzt werde klar, wie viel sie den Wehrheimern bringe.

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