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Täglich bis zu 100 Flüge: Segelflieger feiern 60-jähriges Bestehen ihres Flughafens

Der LSC Bad Homburg feiert am Wochenende das 60-jährige Bestehen seines Flughafens. Unsere Reporterin Corinna Willführ hat sich zum Platz zwischen Wehrheim und Neu-Anspach begeben und mit dem Flugleiter gesprochen.
Flugleiter Ralf Dengler dokumentiert akribisch genau alle Starts und Landungen auf dem Feld. Flugleiter Ralf Dengler dokumentiert akribisch genau alle Starts und Landungen auf dem Feld.
Neu-Anspach/Wehrheim. 

Ralf Dengler hat den Überblick. Die Aussicht von dem Turm auf 330 Meter Höhe über dem Meeresspiegel gedankenverloren genießen kann er allerdings nicht. Denn Ralf Dengler hat Dienst. Dienst als Flugleiter auf dem Flugplatz des Luftsportclub Bad Homburg in Anspach. Es ist Sonntag und – wenn auch ein wenig windig – gutes Wetter für Segelflieger. Von Mai bis Oktober ist an den Wochenenden (manchmal auch unter der Woche) Flugbetrieb auf dem Gelände mit seiner 580 Meter langen Startbahn. Es ist zwar über den Wehrheimer Ortsteil Obernhain anzufahren, liegt aber auf Anspacher Gemarkung. Ralf Dengler breitet eine Karte aus: genauer die Luftfahrtkarte im Maßstab 1 : 500 000. Auf ihr sind (auch) die Zonen für die Verkehrsflugzeuge im Rhein-Main-Gebiet eingezeichnet. Und alle Flughäfen, so auch EDFA Anspach/Taunus.

Der Tower ist das Herzstück des Flughafens bei Obernhain. Bild-Zoom
Der Tower ist das Herzstück des Flughafens bei Obernhain.

„Info Anspach“ meldet sich Ralf Dengler vom Tower mit der Bezeichnung der Flugstelle. Der Pilot von D 1390 hat eine Frage. Zahlen und Buchstaben: Die Kommunikation über Funk ist gut verständlich, aber für den Laien zunächst nicht zu verstehen. „Segelflieger sind mit vier Ziffern ausgewiesen, Motorflugzeuge mit vier Buchstaben.“ Wobei das D die Kennung für Deutschland ist.

Das Flieger-Alphabet

Auch wenn die Verkehrssprache zwischen Piloten und Flugleiter in Anspach Deutsch ist, buchstabiert werden die Flugzeugdaten gemäß dem Flieger-Alphabet nach ICAO-Standard: Alpha für A, Bravo für B, C für Charlie usw.

Auf dem Feld steht die D-EGBH bereit, um eine D-1401 in den Himmel zu ziehen, also ein Motorflugzeug, das einem Segelflieger „Starthilfe“ gibt. Das kann auch „Lepo“, eine Art Pickup, also ein Auto, mit seinem Aufbau für zwei jeweils 1000 Meter lange Winden. Wieso das Fahrzeug „Lepo“ heißt? Ralf Dengler lacht. „Wieso genau? Wohl weil es rückwärts gelesen Opel lautet und die ersten Fahrzeuge aus der Werkstatt aus Rüsselsheim kamen.“

Bis auf 400 Meter Höhe werden die Segelflieger nach ihrem Start gezogen. Immer gegen den Wind, wie auch die Landungen. Dann kommen entscheidende Minuten. Nur drei, vier sind es, in denen die Piloten nach der Thermik suchen müssen, um sich und ihre Maschinen in der Luft zu halten. Die Thermik ist laut Wikipedia-Lexikon „die Form des Aufwindes, die dadurch entsteht, dass die Sonneneinstrahlung die Erdoberfläche und in Folge die Luft in Bodennähe erwärmt.“ Droht einem Segelflugzeug ein Absinken auf weniger als 200 Meter, muss der Pilot um Landeerlaubnis ersuchen.

Die Thermik: Ein Thema, mit dem sich auch Peter Scholz auskennen muss. 2000 Flugstunden hat der Pilot bereits absolviert. Doch jedes neue Gleiten mit seiner ASW-24 ist für den 64-Jährigen „ein idealer Ausgleich zum Berufsleben und ermöglicht mir eine andere Sicht auf die Welt.“

Wolken ohne Regen

Schon als Junge hat sich Peter Scholz, der in der Nähe von Aachen aufgewachsen ist und heute in Rosbach-Rodheim lebt, für den Segelsport interessiert. Was ihn daran bis heute fasziniert: „mit Naturkräften an Höhe gewinnen zu können“. Das Spiel der Wolken am Himmel zu verfolgen. Am Horizont formieren sich gerade einige tiefgraue Haufenwolken. Mit Kennerblick sagt Peter Scholz: „Aus denen ist kaum Regen zu erwarten.“ Sein Flug mit der ASW-24, der heute gen Westen in Richtung Rhein gehen soll, ist also nicht gefährdet, muss aber selbstverständlich beim Tower gemeldet werden. Allerdings nicht mit diesen drei Buchstaben und den beiden Ziffern, erklärt Scholz. „Denn das AS steht für den Rhöner Flugzeugbauer Alexander Schleicher, das W für den Konstrukteur Gerhard Waibel und die 24 für die Baureihe der Maschine.

Start dokumentieren

Es ist um die Mittagszeit. Bis zum Einbruch der Dunkelheit wird Ralf Dengler akribisch jeden Start auf dem Flugplatz Anspach im Computer dokumentiert haben: mit Zeit, Maschine und dem Namen des Piloten. Das können schon Einhundert und mehr Eintragungen werden.

Der 59-jährige Friedrichsdorfer war schon als Bub mit seinem Vater auf dem Flugplatz. Er liebt die „vielfältigen Herausforderungen, die Wetter und Wolken“ bieten. Und die verantwortungsvolle Aufgabe als Flugleiter. Qualifiziert hat er sich für diese – wie etwa 20 weitere Mitglieder des LSC Bad Homburg, durch eine besondere Schulung beim Regierungspräsidium Darmstadt. Ihre „Tauglichkeit“ für die verantwortungsvolle Aufgabe müssen Flugleiter alle vier Jahre erneut nachweisen. Wie erfolgreich die Segelflieger des Vereins sind, der am kommenden Wochenende mit einem großen Flugplatzfest sein 60-jähriges Bestehen feiert, ist im Internet nachzulesen. Und wer es nicht schafft, Samstag oder Sonntag vor Ort zu sein, sollte es nicht verpassen, sich knapp eine Stunde Zeit zu nehmen, um die ersten zehn Jahre der Geschichte der Flugpioniere zu verfolgen und sich auf der Homepage den Film von Carl Anton Beuß ansehen, der – in Schwarz-Weiß versteht sich – die Anfänge der Segelfliegerei im Taunus dokumentiert.

Mit der Dämmerung kommt der Feierabend für Ralf Dengler und seine Kollegen: die Fluglehrer, den Winden-Fahrer, den Schleppflugzeug-Piloten und die beiden, die in der Kantine alle versorgen.

Bevor indes die Segelflieger in den Hangar gefahren oder in ihr Transportfahrzeug „eingepackt“ werden, müssen sie penibel gereinigt werden. Ralf Dengler: „Vor dem nächsten Start muss der Segelflieger blitzblank sein. Da darf man keine Mückenschicht sehen. Denn schon sie verhindert die Flugeigenschaften.“

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