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Leberecht-Stiftung: „Der Zahn ist ein Trampolin“

TZ-Redakteurin Nina Nickoll schnuppert für die Leberecht-Stiftung in die Arbeit in einer Zahnarztpraxis hinein, dafür hat sie sich die Anspacher Praxis für Zahnheilkunde Dr. Dr. Schmid MSc & Kollegen in Neu-Anspach ausgesucht.
Arbeiten für Leberecht: Arzthelferin Eva-Maria Höck (links) erklärt Hospitantin Nina Nickoll, wie Abdrücke gemacht werden. Bilder > Arbeiten für Leberecht: Arzthelferin Eva-Maria Höck (links) erklärt Hospitantin Nina Nickoll, wie Abdrücke gemacht werden.
Neu-Anspach. 

Ziemlich viele Abteilungen mit sehr vielen Mitarbeitern. Es ist mehr ein Schnuppern denn mitarbeiten, dafür aber im Akkord, vier Stunden, vier Abteilungen. Ausgesucht habe ich mir die Bereiche Rezeption, Kinderbehandlung, Ästhetik und Chirurgie. Nicole Curth, Kaufmännische Leitung, hat den Stundenplan erstellt. Sie übernimmt auch meine Führung durchs Haus.

Mein erster Eindruck: Viele Behandlungszimmer, viel Technik, auf jeder Etage gibt es eine Managerin des Stockwerks. Viele geräumige Wartezimmer, in fast allen Behandlungszimmern hängen Fernsehbildschirme (dazu später mehr) und viele Menschen (Mitarbeiter) mit weißen Zähnen.

Jobben für Leberecht

Die Kollegen der Taunus Zeitung sind in den kommenden Wochen unterwegs und schnuppern in die unterschiedlichsten Jobs. Nicht, weil sie ihr Betätigungsfeld ändern wollen, sondern um einfach den Alltag

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Im Empfang im 1. Stock, wo auch Curth sitzt, nimmt sich Cornelia Michel meiner an. „Ich empfange hier die Patienten und nehme die Kostenpläne der Ärzte entgegen. Wichtig ist, dass immer jemand hier ist, damit die Patienten wissen, dass sie versorgt werden“, sagt Michel, die selbst erst vor einigen Wochen in der Praxis angefangen hat.

Eine Patientin gibt Michel ihre Versichertenkarte, die sie wiederum über die Tastatur in den Computer einliest. Auf einer Maske auf dem Bildschirm erscheinen alle Fakten, die Michel kennen muss: Name, Befund, Heilungskosten-Plan, Behandlungsblatt, Termine, Rechnung, Labor, Ablage. „Die Maske ist schnell zu verstehen und zu bearbeiten“, sagt Michel.

Weiter geht’s im 2. Stock in der Kinderabteilung. Denis Sonnenberg kommt ins Behandlungszimmer, er bekommt heute eine kleine Füllung. „Bei Kindern gilt ,Tell-Show-Do’, übersetzt heißt das „Sage-Zeige-Mache“. Aber nicht bei Denis, er kennt das hier alles schon“, sagt Gabriela Schmid, Leiterin des „Kids Club“.

Monika Sanowicz (links) tauscht eine alte Teilkrone von Kerstin Pilling aus, Sabine Schneider (rechts) unterstützt die Zahnärztin dabei.
Viele kleine Schräubchen drehen das „Riesenrad“

Disziplin und Arbeitsteilung werden in Neu-Anspach groß geschrieben. 70 Menschen arbeiten in der Zahnheilkunde-Praxis Schmid, davon zehn Zahnärzte. Während der Arbeitszeit gilt Handyverbot.

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Der achtjährige Denis legt sich lächelnd auf den Behandlungsstuhl, schaut auf den an der Decke hängenden Fernsehbildschirm, eine Zahnarzthelferin schaltet vom Nachrichtenkanal ins Kinderprogramm. Warum die vielen Fernseher? „Damit die Patienten die Augen auflassen, damit sie keine Angst bekommen. Bei geschlossenen Augen geht schnell der innere Angst-Film los“, erklärt Gabriela Schmid. Die Zahnärztin erklärt Denis – der kein Problem hat die Augen aufzulassen – was sie heute tun will, gibt ihm einen Handspiegel, damit er auch sehen („Show“) kann, wo gleich was gemacht wird und dann geht’s los. Nach 15 Minuten ist alles vorbei, als Belohnung darf sich Denis etwas aus dem Zaubersack aussuchen. Einen Mini-Flipper, mit der er sich in Treppenhaus setzt und auf seine große Schwester wartet. Dieses Treppenhaus sehe ich an diesem Vormittag sehr oft, denn die Praxis ist riesig, umfasst vier Stockwerke und wird derzeit um einen Anbau vergrößert. Es gibt auch einen Aufzug, den nutze ich aber nicht.

Weiter geht’s in die Ästhetische Zahnheilkunde. Die ist Chefsache, Dr. Dr. Peter Schmid selbst ist hier am Werk. Seine Managerin im Hintergrund heißt Antje Kleemann, die heute trotz Ferien ganz offensichtlich im Stress ist, denn mehrere Kollegen haben sich an diesem Montag krankgemeldet. In der Ästhetik wird alles gemacht, von Füllungen bis zu Parodontose- oder Wurzelbehandlungen. Die Patientin, der sich der Zahnarzt gleich widmet, hat wohl Angst, ihre Augen sind fest zugekniffen. Es gibt zwar keinen TV in dem Raum, aber den würde sie wohl auch links liegen lassen.

Für ihre Behandlung (undichte Krone) gibt’s einen festen Ablaufplan, den Schmid blind zu beherrschen scheint. „Unser Hauptgeschäft ist heute aber die Prophylaxe“, sagt Schmid in einer kurzen Behandlungsunterbrechung. Doch bevor er noch etwas über IGEL-Leistung sagen kann, wird er ins Behandlungszimmer gerufen. Die letzte Abteilung des Tages ist die Chirurgie. Drei Weisheitszähnen geht’s gleich an den Kragen. Patientin Jenny Illbruck schaut ängstlich, doch Oralchirurg Dr. Falko Knopp sieht ungefährlich aus.

„Es zieht halt ein bisschen“, sagt er, als die Schülerin auf seine Frage, ob alles ok ist, sagt, „es drückt“. Knopp arbeitet mit dem Druck, um die Fäden zu lösen, die den Zahn am Kiefer halten. Bald macht es „plopp“, der erste Zahn ist draußen. Die beiden anderen folgen zwei Minuten später. Knopp vernäht die Wunden. Jenny geht’s gut, schnell ist sie wieder draußen. Meinen Kommentar, dass das Zähne-Ziehen ja jetzt echt schnell ging, erwidert der Chirurg: „Der Zahn ist wie ein Trampolin, sobald man ein bisschen daran rüttelt, lösen sich die Fäden an ihm wie von selbst.“ Gespendet hat die Praxis 100 Euro.

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