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Bis Ende Juli 9776 Verkehrssünder erwischt: Blitzer auf der Frankfurter Landstraße blitzt und blitzt

Von Oberursels erste fest installierte Blitzeranlage nimmt mehr Verkehrsteilnehmer auf, als die Verantwortlichen gedacht hatten. Manche waren fast doppelt so schnell wie erlaubt.
Vor allem viele in Richtung Oberursel fahrende Autos sind zu schnell und werden an der Frankfurter Landstraße geblitzt. Foto: Jochen Reichwein Vor allem viele in Richtung Oberursel fahrende Autos sind zu schnell und werden an der Frankfurter Landstraße geblitzt.
Weißkirchen. 

Wer regelmäßig an der Kreuzung Frankfurter Landstraße/Kurmainzer Straße vorbeifährt oder -geht, sieht es nicht selten blitzen. Und das liegt weder am Wetter noch daran, dass eine Touristengruppe mit Fotoapparaten unterwegs wäre. Es liegt daran, dass Oberursels erste feste Blitzeranlage im Dauerbetrieb ist.

Diese besteht aus zwei Geräten – eins pro Fahrtrichtung – und nimmt sowohl Rote-Ampel-Missachter als auch Temposünder auf. 50 Kilometer pro Stunde sind erlaubt – die drei unrühmlichen Spitzenreiter waren in ihren Autos mit 96, 94 und 93 Kilometern pro Stunde unterwegs. Das hat die Stadt auf TZ-Anfrage mitgeteilt.

Im März ist die Anlage bekanntlich in Betrieb gegangen – vom 11. März bis 31. Juli sind insgesamt 9776 Fahrzeuge geblitzt worden. Die städtische Statistik weist für diesen Zeitraum in Fahrtrichtung Oberursel 7116 Geschwindigkeitsüberschreitungen und 270 Rotlichtverstöße aus. In Fahrtrichtung Frankfurt waren im gleichen Zeitraum 2087 Verkehrsteilnehmer zu schnell, 303 fuhren bei Rot über die Ampel. Manche haben die Verkehrsregeln gleich doppelt missachtet – indem sie bei Rot zu schnell über die Ampel brausten.

Das sind Zahlen, die die Annahmen der Stadt um ein Vielfaches übertreffen: Kalkuliert wurde mit 20 Fällen pro Tag. Das ergäbe im Monat etwa 600 Verstöße, in vier Monaten also 2400. Thorsten Schorr (CDU), Stadtkämmerer und Ordnungsdezernent, hatte damit gerechnet, dass aus den Einnahmen 2016 etwa 100 000 Euro in die Stadtkasse fließen. Doch bis Ende Juli waren es schon 80 000 Euro. Von diesen Summen sind bereits die Fallpauschalen abgezogen, die Oberursel an das Unternehmen Gatso zahlt, von dem die Anlage für fünf Jahre geleast wurde.

Installation war richtig

In diesem Fall siegt der Ordnungsdezernent über den Stadtkämmerer: „Es geht uns nicht darum, Einnahmen zu erzielen, sondern die Verkehrssicherheit zu erhöhen“, betont Schorr. Die hohe Zahl der erwischten Verkehrssünder belegt seiner Ansicht nach, dass es richtig war, die Anlage zu installieren. Dafür hatte sich die Kommunalpolitik auf Initiative des Ortsbeirats Weißkirchen ausgesprochen. In der Vergangenheit war es mehrfach zu Unfällen an der Kreuzung gekommen.

Auch wenn es dort jüngst keine schwereren Unfälle gab, will die Verwaltung angesichts der hohen Zahlen noch nicht davon sprechen, dass sich die Sicherheit schon erhöht habe – sei doch die Zahl der Verstöße pro Monat noch nicht gesunken. „Wir hoffen, dass die Anlage möglichst bald zu einer Disziplinierung der Verkehrsteilnehmer und dadurch zu einer Verbesserung der Verkehrssicherheit an diesem Knotenpunkt führen wird“, heißt es in einer schriftlichen Antwort an die TZ.

Außer einer höheren Verkehrssicherheit nennt Schorr auch eine Verhaltensänderung der Fahrer als Ziel. Letztere tut auch auf der Kurmainzer Straße not, wo im vergangen November durchgehend Tempo 30 eingeführt worden war – aus Richtung Steinbach kommend auf etwa 1500 Metern vom Beginn der Wohnbebauung bis zur Frankfurter Landstraße. Dort sollte bekanntlich der Lärm reduziert werden, um die Anwohner zu schützen, die Einführung von Tempo 30 hatte der Lärmaktionsplan des Landes Hessen ermöglicht.

„Ein bisschen ruhiger“

Ob die Lärmreduzierung gelungen ist, ist von offizieller Seite nicht belegt, denn neue Lärmberechnungen gibt es nicht. Wie Tempo 30 angenommen wird und ob überörtlicher Verkehr, wie erhofft, großräumig ausweicht, könne erst nach einem Jahr, also Ende 2016/Anfang 2017, eingeschätzt werden. Die Stadt misst dort regelmäßig mit mobilen Geräten die Geschwindigkeit und kann so laut Schorr auch die Verkehrsfrequenz feststellen.

Was sagen Anwohner zu der Frage, ob Tempo 30 etwas bringt? „Jein“ ist die Antwort von Lutz Krücke, vor dessen Haus vor allem nachts gerast werde, wenn niemand kontrolliert. Ein bisschen ruhiger sei es geworden, meint er. Allerdings vor allem dann, wenn die Stadt dort blitze.

Das angestrebte nächtliche Lkw-Verbot für die Kurmainzer Straße sei wegen erforderlicher Zustimmungen anderer Kommunen und zusätzlicher Vorgaben nur schwer realisierbar, muss die Stadt zugeben. Und die grundhafte Sanierung der Kurmainzer Straße, in deren Zuge auch über sogenannten Flüsterasphalt nachgedacht wird, ist wegen der Haushaltslage verschoben. Statt 2018 soll die Maßnahme nun 2020 geplant und anschließend umgesetzt werden, sagt Bernd Strobehn, Leiter des Geschäftsbereichs Umwelt, Energie und Verkehr im Rathaus.

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