E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Neu-Isenburg 21°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Fahrverbot in Frankfurt: Die Sorgen der Dieselfahrer im Taunus

Am Donnerstag entscheidet das Bundesverwaltungsgericht, ob Städte bei hoher Schadstoffbelastung ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge verhängen dürfen. Auch Frankfurt rückt dabei in den Fokus – Pendler und Handwerker aus dem Taunus könnten Leidtragende sein.
Wenn Handwerker nicht mehr mit ihrem Diesel nach Frankfurt fahren dürfen, bleibt als Ausweg  nur die Bahn – so sieht es Karikaturist Heinrich Schwarze-Blanke Wenn Handwerker nicht mehr mit ihrem Diesel nach Frankfurt fahren dürfen, bleibt als Ausweg nur die Bahn – so sieht es Karikaturist Heinrich Schwarze-Blanke
Hochtaunus. 

Diesel bis Schadstoffstufe 5 müssen leider draußen bleiben – das könnte die Botschaft sein, wenn das Bundesverwaltungsgericht morgen den Weg für Fahrverbote in deutschen Städten freimacht. Auch für Frankfurt drohen dann restriktive Maßnahmen, und das wiederum würde eine Vielzahl von Pendlern und Betrieben aus dem Taunus treffen. Ein Umstieg von Berufstätigen auf Busse und Bahnen ist wahrscheinlich, aber zugleich auch problematisch. Schon heute sind alle Schienenverbindungen nach Frankfurt – also auch die aus dem Hochtaunuskreis – an ihrer Kapazitätsgrenze.

„Ein sprunghafter Anstieg der Fahrgastzahlen ist insbesondere in der Hauptverkehrszeit nicht mehr zu bewältigen“, heißt es vom Rhein-Main-Verkehrsverband (RMV). Der Hochtaunuskreis sei dabei keine Ausnahme, die gesamte Rhein-Main-Region stehe vor enormen Herausforderungen. Immerhin: Im Hochtaunuskreis seien die geplante Verlängerung der S 5 und die Einführungen der Schnellbuslinien (X 26 und X 27) bereits eine Antwort auf die Situation.

Aber damit allein ist es nicht getan. Ohne einen umfassenden Infrastrukturausbau, zu dem auch die Realisierung der Regionaltangente West gehört, werde nach Einschätzung des RMV keine nennenswerte Steigerung der Fahrgastzahlen zu stemmen sein. „Was wir brauchen, ist eine schnellstmögliche Realisierung aller von uns seit Jahren geforderten Infrastrukturprojekte“, so RMV-Sprecher Sven Hirschler.

Im Rahmen des Regionalen Nahverkehrsplans wurde eine Prognose für die Nachfrage im Schienenpersonennahverkehr für das Jahr 2020 erstellt. Demnach rechnen Experten auch ohne ein Diesel-Fahrverbot mit einer deutlichen Steigerung der Fahrgastnachfrage. „Dies betrifft insbesondere den Bereich des S-Bahnnetzes (plus 8 Prozent) und die Hauptachsen (plus 12 Prozent) im Zulauf auf den Knoten Frankfurt“, heißt es da. Auch in der Beschluss-Vorlage des Kreistages zur Elektrifizierung der Taunusbahn heißt es: „Bereits heute ist in den Spitzenstunden die Kapazitätsgrenze in den Taunusbahnzügen erreicht und es kommt schon zu Fahrgastbeschwerden wegen zu voller Züge.“ RMV-Fahrgasterhebungen, die dem Kreistagsbeschluss zugrundeliegen, gehen selbst ohne Elektrifizierung der Taunusbahn und ohne Fertigstellung der bis Usingen verlängerten S 5 von einem deutlichen Fahrgast-Plus bis 2020 aus. Für dieses Prognose-Jahr sei zwischen Friedrichsdorf und Bad Homburg ein Anstieg um über 3000 Fahrgäste auf rund 15 000 ermittelt worden – was einem Plus von 25 Prozent seit 2010 entspricht. Nach einer Elektrifizierung der Taunusbahn und Verlängerung der S 5 werden für den Streckenabschnitt Friedrichsdorf–Bad Homburg nochmals 3000 zusätzliche Fahrgäste (plus 20 Prozent) erwartet.

Nicht mehr mit dem Diesel-Fahrzeug nach Frankfurt fahren können – das wäre auch für die zahlreichen Handwerker im Taunus eine massive Einschränkung. „Die Auswirkungen können gravierend sein“, sagt Kreishandwerksmeister Walter Gernhard und verweist auf die vielen Transporter mit Dieselmotor, die bei den heimischen Firmen im Einsatz sind. Vor allem für Betriebe aus der Baubranche könne ein Fahrverbot in Frankfurt zu Riesen-Problemen führen. Dabei gehe es nicht nur um die üblichen Transporter. „Gerade Sonderfahrzeuge kaufen Handwerker oft nur einmal im Leben“, gibt Gernhard zu bedenken. Und gerade Kran-, Tank- oder Abschleppwagen haben ja in der Regel ein Dieselaggregat. Vieles wird nach Einschätzung des Kreishandwerksmeisters davon abhängen, ob es bei Fahrverboten Ausnahmeregelungen oder Übergangsfristen geben wird. „Wo Türen zugehen, gehen auch Türen auf. Es muss dann halt andere Lösungen geben“, sagt Gernhard und bringt unter anderem Ausnahmegenehmigungen für Notdienste der Sanitär- und Elektrobetriebe ins Gespräch.

Trend zum Leasing

Ein Problem sieht auch Christian Lotz für den Fall, dass es keine Übergangs-Regelung geben sollte. Der Obermeister der Innung für Sanitär- und Heizungstechnik hat zudem einen Trend ausgemacht: „Viele Kollegen steigen beim Kauf von Firmenfahrzeugen ins Leasing ein“, sagt Lotz. Das eröffnet die Möglichkeit, in einem überschaubaren Zeitraum die Flotte auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Auch bei Otfried Mohr, Obermeister der Kfz-Innung, mehren sich die Fragen von Handwerkskollegen, wofür sie sich bei Neuanschaffungen entscheiden sollen. Die Autohäuser spürten die Ereignisse und Diskussionen rund um den Selbstzünder derzeit massiv. „Von drei Dieselautos bleiben zwei stehen“, hat Mohr erfahren. Dabei gebe es diverse technische Möglichkeiten, Dieselfahrzeuge sauberer zu machen. „Aber die Autohersteller drücken sich, und die Politik kommt nicht auf die Füße.“

(map,mak)

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen