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Ausstellung zum 1. Weltkrieg in Oberursel: Mit Orden zur Hochzeit

Die Schrecken des Ersten Weltkrieges, sie waren auch in der kleinen Gemeinde Oberursel spürbar. Persönliche Schicksale und einige Aufzeichnung von Betroffenen, all das finden interessierte Besucher derzeit in einer Ausstellung im Stadtarchiv.
Kriegstrauung am 19. September 1917 in Oberursel. Anna Häfele heiratete Jean Hieronymi. Kriegstrauung am 19. September 1917 in Oberursel. Anna Häfele heiratete Jean Hieronymi.
Oberursel. 
In Kriegszeiten geboren wurde am 6. Januar 1915 Heinz Kratz. Bild-Zoom
In Kriegszeiten geboren wurde am 6. Januar 1915 Heinz Kratz.
Es kommt eigentlich so gut wie nie vor, dass die Leiterin des Stadtarchivs, Andrea Bott, auf fremden Dachböden unterwegs ist, um nach Schätzen für das Stadtarchiv zu suchen. Doch in diesem speziellen Fall hat es sich sehr gelohnt, wie ein Detektiv auf Spurensuche in Kisten und Kartons, in Alben und Büchern zu stöbern. Die Oberurselerin Else Moench hat Fotografien aus ihrem Privatbesitz dem Stadtarchiv übereignet und somit dazu beigetragen, dass die Ausstellung zum Thema Erster Weltkrieg, die Andrea Bott bereits vor zwei Jahren vorbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte, erweitert werden konnte.

Die acht Schautafeln beschäftigen sich mit dem Krieg und seinen Auswirkungen auf Oberursel in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. „Durch die neuen Fotografien ist es mir gelungen, eine neue Komponente in die Ausstellung zu bringen“, so die Archivarin. „Dabei steht die Rolle der Frau im Zentrum.“ Der Besucher wird bereits im Foyer des Stadtarchivs von den zwei neuen Vitrinen „begrüßt“. Zu sehen ist dort zum Beispiel das Foto einer bisher unbekannten Bahnsteig-Schaffnerin. „Durch Zufall entdeckte ich in den Akten eine Postkarte des Wirtes Jakob Hasselbach des ,Hotel zum Kronprinz’, der auf der Karte angab, dass eine Schaffnerin namens Fräulein Jopp bei ihm wohne“, berichtet Andrea Bott. Ob es sich tatsächlich bei der jungen Frau um besagtes Fräulein Jopp handelt, lässt sich freilich nicht mehr rekonstruieren. Doch bei dem Foto geht es Andrea Bott gar nicht so sehr um die Identität der Frau, sondern um die sich mit dem Krieg verändernde Stellung der Frau. Weil die meisten Männer einberufen wurden, mussten Frauen nämlich in Männerberufen ihren Mann stehen, während sie zuvor ihren Wirkungskreis in Haushalt und Kindererziehung hatten.

 

Ernst des Lebens

 

Anrührend auch das Foto des Kriegskindes Heinz Kratz, geboren am 6. Januar 1915. Bereits mit eineinhalb Jahren war der kleine Junge nach dem Tod der Mutter Halbwaise und wurde von Verwandten großgezogen. Das Bild zeigt auch kein fröhlich in die Kamera lächelndes Kleinkind, sondern einen Buben, dem der Ernst des Lebens bereits ins Gesicht geschrieben steht. Er posiert in einem weißen, langen Hemd und kurzer Hose, einen kleinen Lederball fest in Händen haltend.

Info: Museumspädagogik im Schloss

Das Bad Homburger Schloss bietet neben der Detektivjagd (5,50 Euro für Kinder, 7 Euro für Erwachsene) noch andere Aktivitäten für junge Interessierte:

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Im Gegensatz dazu merkt man dem Foto einer Kriegstrauung nicht an, dass die Welt nicht mehr in Ordnung ist. „Es ist eine typische Studioaufnahme“, so Andrea Bott. Die Braut sitzt im weißen langen Brautkleid und mit großem Blumenbouquet auf einem Stuhl, während der Bräutigam im dunklen Anzug und mit Orden an der Brust hinter ihr steht. „Es handelt sich um das Brautpaar Anna Häfele und Jean Hieronymi, die am 19. September 1917 getraut wurden“, weiß Andrea Bott zu berichten. Jean Hieronymi war es glücklicherweise beschieden, aus dem Krieg heimzukehren.

Die Besucher erfahren auch etwas über die Kriegsküche des Ausschusses für Kriegshilfe, die am 5. September 1916 im Volksschulgebäude einrichtet wurde. Hier konnten Kriegerfamilien und Geringverdiener für 25 Pfennig essen, an Fleischtagen kostete das Gericht 50 Pfennig. Außerdem wurden ab Ende 1916 hundert Oberurseler Schulkinder kostenlos mit einer Morgensuppe verköstigt. Der vaterländische Frauenverein hingegen veröffentlichte 1916 Rezepte aus der Kochkiste wie Gemüsesuppe mit Erdartischocke (Topinambur) oder Maisgrieß mit Bückling. „Es ging darum, den Frauen zu vermitteln, wie sie mit wenig Zutaten eine satt machende Mahlzeit auf den Tisch bringen konnten“, sagt Andrea Bott. Ebenfalls zu sehen ist das Buch „Ärztlicher Ratgeber für Kriegsteilnehmer“ und ein Anweisungsheft für die Instandhaltung des Umlaufmotors Gnom der Oberurseler Motorenfabrik.

 

Die Ausstellung „Erster Weltkrieg“ im Stadtarchiv in der Schulstraße 32 wird bis März 2015 zu sehen sein. Die Exponate können montags von 8 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17.30 Uhr und mittwochs von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr angeschaut werden.

 

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